%Präambel \documentclass[11pt]{memoir} %memoir sei besser als scrbook \paperwidth=12.5cm %Seitenbreite \paperheight=19cm %Seitenhöhe % Schriftpakete für Linux Libertine \usepackage{libertine} % Linux Libertine O als Schriftfamilie \usepackage[libertine]{newtxmath} % Passende Mathematik-Schriftart und um Pfeile richtig darzustellen % Unterstützung für mehrsprachigen Text (Deutsch als Hauptsprache, Ukrainisch möglich) einschl. 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Ausgabe auf 2 Seiten \usepackage[series={A},noend,noeledsec,noledgroup]{reledmac} \usepackage{reledpar} %für deutsche Spezial-Strich-Zeichen \usepackage{newunicodechar} %Dies würde den Text immer vollkommen von oben nach unten füllen \flushbottom \setlength{\skip\footins}{7pt} % Reduziert den Abstand zwischen Haupttext und Fußnoten \setlength{\parskip}{0pt} % Kein Abstand zwischen Absätzen %Zum rechten Einschub für Zitate mit dem Befehl \\begin{rightquote}{...}\end{rightquote} : \newenvironment{rightquote} {\begingroup\leftskip=8mm\noindent} {\par\endgroup} % für 1/4-Spatium mit Befehl \q, weil 1 Spatium ca. 0.5em entspricht! \newcommand{\qq}{\hspace{0.08em}} %Lange Spezial-Worte, die häufig und an besonderer Stelle falsch oder unschön getrennt werden \hyphenation{voll-kom-mene} \hyphenation{Vieler} \hyphenation{Wissens-ge-sell-schaften} \hyphenation{Thea-ter-ge-schichte} \hyphenation{forschen-den} \hyphenation{alle} \hyphenation{Bild-wissen-schaft} \hyphenation{Bild-didak-tik} \hyphenation{allein} \hyphenation{etwa} \hyphenation{eine} \hyphenation{Fähig-keit} \hyphenation{Theorie} \hyphenation{Ästhetik} \hyphenation{genommene} \hyphenation{perzeptive} \hyphenation{Perzept-bildung} \hyphenation{Ding-erschei-nung} \hyphenation{heutigen} \hyphenation{Bild-wis-sen-schaftlern} \hyphenation{auftrennen} \hyphenation{Kant-ischer} \hyphenation{Kant-isch} \hyphenation{Kant-ische} \hyphenation{gebung} \hyphenation{angeborene} \hyphenation{Sinnes-produkte} \hyphenation{Sinnes-daten} \hyphenation{Computer-systeme} \hyphenation{Schema} \hyphenation{Schematismus} \hyphenation{Unveränder-liches} \hyphenation{hoch-komplexen} \hyphenation{jeweils} \hyphenation{gerade} \hyphenation{sowie} \hyphenation{alles} \hyphenation{trans-zen-den-tal} \hyphenation{ohne} \hyphenation{schematisiert} \hyphenation{Freiheit} \hyphenation{Begriff} \hyphenation{Produkte} \hyphenation{Tätig-keit} \hyphenation{irgend-etwas} \hyphenation{Dingen} \hyphenation{direkt} \hyphenation{Auffassung} \hyphenation{eines} \hyphenation{bio-phy-si-ko-che-mi-schen} \hyphenation{vielen} \hyphenation{Kapitel} \hyphenation{welches} \hyphenation{definieren} \hyphenation{des-selben} \hyphenation{postmoder-nistischen} \hyphenation{definiert} \hyphenation{einer-seits} \hyphenation{Sinnes-organs} \hyphenation{sondern} \hyphenation{Produkt} \hyphenation{begriff-lichen} \hyphenation{Wesen} \hyphenation{Form-begriff} \hyphenation{Material} \hyphenation{Schema-tismen} \hyphenation{Dinge} \hyphenation{Empfindungsmaterie} \hyphenation{Wesens} \hyphenation{Wesens} %%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%% \begin{document} %Verhinderung von Ein- oder Zwei-Zeilern auf neuen/alten Seiten: \clubpenalty=10000 % verhindert Absatzbeginn am Seitenende \widowpenalty=10000 % verhindert Absatzende auf neuer Seite % Seitenzahlen-Layout % Seitenzahlen-Layout \pagestyle{scrheadings} % Aktiviert Kopf- und Fußzeilen \clearpairofpagestyles % Löscht Standard-Kopf- und Fußzeilen \ofoot{\pagemark} % Seitenzahl außen platzieren \setlength{\footskip}{6.5mm} % WICHTIGER Abstand von Textbereich zur Fußzeile (Seitenzahl-Position) % Startseite und Seitenzahl \setlength{\parindent}{0em} % Kein Einrücken bei Absätzen \setcounter{page}{11} % Setzt die Start-Seitennummer %%%%% EIGENTLICHER TEXT-BEGINN %%%%%%%%%%%%%%%%%%%%% \bigsmallcaps{1.1. \scalefont{1.1}{philosophische grundlegung}}\qq\footnote{\scalefont{0.97}Zum vorbereitenden Verständnis (der \emph{hier} vorliegenden Grundlegung) wird dem Leser die Lektüre der speziell zu diesem Zweck editierten Originaltexte, einschließlich aller Herausgeber-Anmerkungen, der zweibändigen ›Propädeutik zur Sinnlichkeit‹ (Kant; Peirce, Fiedler, Meister Eckhart) empfohlen (denn weder soll \emph{hier} bloß eine langweilende Inhaltsreproduktion erfolgen noch der Leser aufgrund vielleicht zu schnell voranschreitender Überlegungen verloren gehen).} \par \mbox{ } \setlength{\baselineskip}{0.98\baselineskip}{ Möge auch der Bildbegriff der neu zu errichtenden, postmodernistischen Bildwissenschaft grundsätzlich andersartig definiert werden \so{müssen,} als dies durch Gleichsetzung desselben mit Begriffen antiker Philosophie seit dem Mittelalter gemeinhin üblich ist, so wird doch seine Bedeutung in allen noch nicht postmodernistischen Vorstufen stets Bezug auf diese weithin verbreitete Semantisierung nehmen müssen. Folglich wird auch das, was der konventionelle (\emph{hier} jedoch bloß visuell fundierte) Bildbegriff bezeichnet, nämlich stets ein \so{›Ding‹, welches uns ›andere Dinge außer sich selbst‹ zu zeigen vermag,} nicht nur im hier vorliegenden Kapitel, sondern auch während des gesamten Ersten Teils zentraler Ausgangspunkt bleiben; es sei an dieser Stelle sogar vorgreifend angemerkt, dass der postmodernistische Bildbegriff \so{in} \mbox{\so{begrifflicher Weise}} letztlich gar nicht exakt definiert werden \so{kann:} denn das, was er eigentlich bedeuten wird, unterwandert (wie noch zu zeigen sein wird) aufgrund seines eigenartigen Wesens (als Nicht-Wesen) schlichtweg jeden begrifflichen Fassungsversuch und bleibt in seiner tatsächlichen Bedeutung und Verwendung alleinig den im Geschäfte der postmodernistischen Bildwissenschaft geübten Menschen selbst vorbehalten. Wird demzufolge zu Anfang von einem ›Bild‹ gesprochen, so ist damit immer nur ein Gegenstand obiger visueller Eigenschaft gemeint, semantisch also ausnahmslos eingegrenzt auf solcherart Produkte des \so{Sehvermögens.} Spricht man allgemein von ›Dingen‹, deren Begriff somit auch alle Bilder konventioneller Definition umfasst, so liegen diesen Überlegungen\hspace{+0.58pt} bereits\hspace{+0.58pt} zwei\hspace{+0.58pt} Annahmen\hspace{+0.58pt} fundamental\hspace{+0.58pt} zugrunde: \newpage \setlength{\baselineskip}{0.95\baselineskip}{ nämlich \so{\textbf{erstens},} dass überhaupt eine uns umgebende sowie in separierbare Entitäten unterscheidbare Dingwelt existiert und \so{\textbf{zweitens},} dass uns Sinnesorgane und insgesamt eine Sinnlichkeit i.w.S. gegeben sind, welche insgesamt die Fähigkeit besitzen, uns diese Dingwelt als ein außerhalb unserer selbst Existierendes erfahrbar zu machen. Ein unter Bedingung\linebreak derartiger Grundannahmen hervorgebrachtes Denkmodell über\linebreak die Wechselbeziehungen zwischen der äußeren Dingwelt einerseits und unseren sinnlichen, aber auch kognitiven, emotionalen\linebreak und körperlichen Fähigkeiten andererseits nennt man dann eine \so{Theorie der sinnlichen Wahrnehmung} (lat. perceptio $\to$ Perzeption; altgr. {\fontencoding{LGR}\selectfont αἴσθησις}, aísthēsis $\to$ Ästhetik),\linebreak welche uns also ein \so{Erklärungsangebot für das von uns über die Sinne als äußerlich}\linebreak \so{(oder innerlich) Für-wahr-genommene}\linebreak liefern soll. Beschränkt man sich hierbei lediglich auf die uns über die Augen als Seheindrücke hervorgebrachten Wahrnehmungen der uns äußerlich vorgestellten Dingwelt, so spricht man spezieller von einer \so{visuellen Wahrnehmungstheorie.} Doch bereits in der Frage, wie man sich die Sichtbarwerdung der Dinge unter diesen sinnlichen Bedingungen genau vorzustellen habe, läuft eine solche Theorie Gefahr, ohne Hinzuziehung wissenschaftlich fundierter (also jederzeit auch falsifizierbarer) Erkenntnisse, zu grundlegend falschen Annahmen über diesen Vorgang zu gelangen; denn die physikalische Objektwelt kann uns niemals unmittelbar, etwa durch eine sinnliche Abtastung oder als bloße Abbildung derselben auf der Netzhaut (Retina) des Auges, sondern jederzeit nur mittelbar, über komplexe sinnliche und kognitive Synthese- und/oder Analyseschritte, also immer nur \so{scheinbar unmittelbar} zugänglich gemacht werden.}} So besteht etwa die Leistung der Netzhaut allein darin, das auf sie einfallende Licht über photochemische Vorgänge (visuelle Signaltransduktionskaskade) in viele Millionen Einzelsignale umzuwandeln und anschließend jedes dieser Einzelsignale (z.T. durch weitere Verschaltungen nochmals verstärkt) über jeweils eine Nervenzelle an eine Nervenfaser des Nervenfaserstrangs bzw. Sehnervs (bestehend aus einer Million Nervenfasern) gebündelt an das Gehirn weiterzuleiten: \mbox{{\hspace{+1.58pt}} „{\hspace{+1.58pt}}J{\hspace{+1.58pt}}e{\hspace{+1.58pt}}d{\hspace{+1.58pt}}e{\hspace{+1.58pt}}\, N{\hspace{+1.58pt}}e{\hspace{+1.58pt}}r{\hspace{+1.58pt}}v{\hspace{+1.58pt}}e{\hspace{+1.58pt}}n{\hspace{+1.58pt}}z{\hspace{+1.58pt}}e{\hspace{+1.58pt}}l{\hspace{+1.58pt}}l{\hspace{+1.58pt}}e{\hspace{+1.58pt}}\, l{\hspace{+1.58pt}}i{\hspace{+1.58pt}}e{\hspace{+1.58pt}}f{\hspace{+1.58pt}}e{\hspace{+1.58pt}}r{\hspace{+1.58pt}}t}\linebreak \so{für ein wahrgenommenes Bild einen Bildpunkt``} (Beyer 2010: 263). Die eigentliche Zusammenfassung,\linebreak d.h. \so{Synthese,} dieser Signale (oder je nach philosophischer Auffassung: Zergliederung, d.h. \so{Analyse} eines durch vollkommene sinnliche Verschränkung erzeugten Empfindungskontinuums) zu einem visuellen Eindruck des jeweils vorliegend gedachten Außenweltdinges, erfolgt somit erst über eine oder mehrere besondere Fähigkeiten des Gehirns (nicht des Sinnesorgans).\footnote{Außerdem ist hier zumindest noch das Folgende zu beachten: dass nämlich nicht nur die (einfache) Wahrnehmung eines unbekannten Objekts nach bereits etwa 400 ms abgeschlossen ist (ein Perzept also genauso schnell im Visuellen Cortex erscheint, als dessen Einzelsignale überhaupt bis dorthin übertragen\linebreak werden können!), sondern dass bereits nach nur etwa 200 ms (innerhalb dieser 400 ms!), oder noch schneller, vorbewusste Gehirnprozesse, also noch vor aller Erfahrbarkeit dieser Wahrnehmung selbst (d.h. a priori), dieses bereits spontan\linebreak \so{beurteilen:} „Die Ansicht, dass Tier-Kategorisierung {[}\emph{als ein Beispiel\linebreak visueller Objekterkennung}{]} eine Verarbeitung beinhalten kann, die weitgehend automatisch verläuft, wird durch die {[}\ldots{]} Versuchsergebnisse bekräftigt.`` (Thorpe et al. 2001: 874; vgl. auch sog. ›priming-‹ bzw. ›Anbahnungs-Effekte‹). Man vgl. hierzu auch \emph{z.B.} das sog. ›Libet-Experiment‹, welches u.a. auch im\linebreak Kontext der Frage von Determination und Freiheit des Willens aktuell immer wieder zu Diskussionen Anlass gibt. -- Für seine diesbezüglichen Hinweise sei Dirk Vorberg (Professor für kognitive Psychologie am Institut für Psychologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster) herzlichst gedankt.} Nimmt also eine visuelle Wahrnehmungstheorie kritischen Bezug{\hspace{-0.2pt}} auf{\hspace{-0.2pt}} diese,{\hspace{-0.2pt}} heute{\hspace{-0.2pt}} allgemein{\hspace{-0.2pt}} anerkannten{\hspace{-0.2pt}} Erkenntnisse\linebreak (und auch nur auf die bloße Wahrscheinlichkeit ihrer direkt hieran anschließenden Schlussfolgerungen), so kann diese in Bezug auf einen sichtbaren Gegenstand (\emph{z.B.} auch ein Bild) nicht etwa von einem physikalischen Objekt an sich ausgehen, sondern kann immer nur von einem als gegenständlich aufgefassten Produkt (jener grundlegenden Synthese oder Analyse) sprechen: als einer \so{Erscheinung}\qq\footnote{\setlength{\baselineskip}{0.80\baselineskip}{\emph{Synonyme}: ästhetisches Objekt, Phänomen, Perzept, auch Zeichen; im Grunde alles, was uns äußerlich oder innerlich begegnen kann, oder unser Denken anregt oder diesem selbst entspringt, und dabei von etwas Anderem oder seinem Gegenteil unterschieden ist (zugleich mit einer wahrnehmbaren Gestalt bzw. Figur-Hintergrund-Strukturiertheit, als dem existentiellen Kern einer jeden Erscheinung, ausgestattet gedacht).}} im eigentlichen Sinne. \newpage \setlength{\baselineskip}{1.01\baselineskip}{ Bei dieser Art der Betrachtung muss man sich aber sogleich die Frage stellen, wie es denn nur möglich sein kann, dass uns unser Gehirn vermittelst jener retinalen Einzel-Signale (oder jenes hieraus spontan erzeugten Qualia-Kontinuums) überhaupt zu solch mannigfaltigen und zudem (meist) als fehlerfrei empfundenen Anschauungen der Dingwelt zu verhelfen vermag (welche wir also darüber hinaus auch noch vermittelst eines Wahrheitsbegriffs als tatsächliche Wahr-Nehmungen bzw. ›sinnliche‹ Erkenntniseinheiten oder gar Fakten begreifen wollen), wenn jenem über den Sehsinn allein doch gar nichts über die tatsächlich vorfindbaren, physikochemischen Gegebenheiten der Dingwelt bekannt sein kann. Anders gesprochen: Woher soll das Gehirn denn so treffsicher wissen können, was zu einem späterhin erblickten Gegenstand und was vielmehr nicht mehr zu diesem Gegenstand (\emph{z.B.} als Hintergrund desselben) gehört? -- Wendet man sich diesbezüglich hilfesuchend an die Philosophie (\emph{hier}: Ästhetik; Phänomenologie), so wird man über den dort allgemein (ob offen oder insgeheim) anzutreffenden Konsens sehr verwundert sein: denn es wird diesbezüglich im Allgemeinen (d.h. im Kantianismus\qq\footnote{Die Korrekturversuche desselben (vor allem durch Charles Sanders Peirce und Konrad Fiedler) sollen an dieser Stelle noch unerwähnt bleiben.} oder Pseudo-Kantianismus) bloß irgendeine quasi-angeborene und zugleich verborgene, menschliche (heute auch gedacht als unter evolutionsbiologischen Bedingungen stehende) Fähigkeit angenommen, welche eben jenen ersten und entscheidenden Wahrnehmungsschritt (d.i. die \mbox{\so{›perzeptive Phase‹}} bzw. \so{Perzeptbildung)} nicht nur selbsttätig, d.h. ohne bewusstes Zutun des bewusst tätigen Geistes, sondern diesen auch noch \so{vor} und \so{unabhängig} aller erfahrbaren und erfahrenen Sinnesprodukte bewältigen könne. Vor allem aus letzterem Grunde (d.h. gemäß dieses Grundkonsenses) vermöge uns unser Sehvermögen (aus dem ihm gegebenen Sinnesdatenmaterial) auch niemals etwas anderes zu liefern, als immer nur als dinglich zu empfindende Produkte (d.s. visuelle Erscheinungen), sodass wir demnach tatsächlich dazu berechtigt seien (unter Ausblendung sog. ›Wahrnehmungstäuschungen‹): von Wahr-Nehmungen im Sinne tatsächlich existierender Einheiten oder Tatsachen zu sprechen.} \setlength{\baselineskip}{1.01\baselineskip}{ \so{Ein nach raumzeitlichen und gegenständlichen (genauer: perzeptivischen) Anschauungsprinzipien ungeordnetes und zugleich noch bewusst kontrollierbares Sehen wird als unmöglich postuliert (d.i. die Lehre der Aisthesis)}.\qq\footnote{\emph{Hinweis}: Selbst ein abstraktes Sehen (\emph{z.B.} des Malers der Moderne) ist kein nicht-perzeptivisches Sehen, sondern sieht stets „positive Informationen`` (Nöth 2005: 59), d.i. ein bloß planimetrisches (abbildsyntaktisches) Sehen.} Anders und allgemeiner gesprochen entspricht jene Idee der vor aller Sinnesempfindung zuerst stattfindend gedachten (apriorischen), perzeptiven Phase geradezu einem \so{Paradigma der sinnlichen Unhintergehbarkeit der sinnlichen Wahrnehmung äußerer Dingwelt.} Dass sich gegen dieses scheinbar uralte Paradigma bis heute keine anderen (\emph{hier:} visuellen) Sinneserfahrungen haben finden lassen, liegt entweder daran, dass die Sinnlichkeit tatsächlich nichts anderes als sinnlich unhintergehbare Wahrnehmungen der Dingwelt (Semiosphäre) hervorzubringen vermag, oder aber, alle bis heute zur Lösung derselben Frage angewandten Untersuchungsmethoden sind unglücklicherweise selbst wiederum nur eine weitere Ursache für die als dinglich empfundenen Sinnesprodukte. -- Ohne aber an dieser Stelle nun, in einem unbefriedigenden Verfahren, das Eintreten des einen von dem des anderen Falles spekulativ voneinander abzuwägen (ob nämlich nun die sinnliche Wahrnehmung oder doch schon bereits die begrifflich unbestimmten Erscheinungen tatsächlich sinnlich hintergehbar seien oder nicht), wobei wir diesem Unterfangen als Prüfinstanz ohnehin bloß (ob insgeheim oder offen dargelegt) unsere eigenen, bisherigen Sinneserfahrungen zugrundelegen könnten, so soll das Fundament jener neuen Wissenschaft der Sichtbarkeit \so{nicht,} wie gemeinhin üblich, auf wohldefinierten Begriffsfeldern, sondern stattdessen \so{auf der quasi-}{\linebreak}\so{empirischen Quelle einer allen begrifflichen (d.h. logischen) Wissenschaften bisher vollkommen unbekannt verbliebenen Art der Seherfahrung (samt kritischer Reflexion derselben)} errichtet werden.} \setlength{\baselineskip}{0.96\baselineskip}{ Dass sich aber hinter letzteren und auch allen späteren Ausführungen nicht bloß wieder nur ein Nominalismus oder eine überflüssige Umschreibung für Altbekanntes (›ästhetische Erfahrung‹; ›phänomenologische Epoché‹ o.ä.) verbirgt bzw. jederzeit verbergen wird, wird \so{dem kritischen Leser,} solange er sich ausschließlich in dieser ihn definierenden Rolle (des Lesers) betätigen wird, vermittelst einer rein logisch fundierten Beweisführung (möge sie auch noch so oft mit ›visuellen Beweisen‹ unterfüttert sein) niemals einsichtig gemacht werden können (denn die Bedingung desselben Erkenntnisgewinns wird einzig vom begrifflich unvermittelbaren Charakter des ›Untersuchungsgegenstandes‹ bzw. von einer ebenso unvermittelbaren Tätigkeit des Lesers selbst abhängig sein); sodass er sich insgesamt wohl kaum zu jener Idee wird hinreißen lassen. -- An dieser Stelle soll nun aber nicht bloß die Möglichkeit einer gänzlich anderen Seherfahrung oder eines solchen Quellpunkts des menschlichen Gemüts postuliert, sondern vielmehr die \so{Existenz} einer solchen, vollständig ›nichtgegenständlichen‹, zugleich aber auch ›nichtabstrakten‹, und zudem jederzeit und von jedermann (nach Ersterfahrung derselben) \so{willentlich} oder zumindest (vor einer solchen Ersterfahrung oder nach längerer Zeit der Nichterfahrung) handlungsorientiert anstrebbar reproduzierbaren Art des Sehens (d.i. ein \so{anderer} Sehmodus) des Verfassers wie auch einer ganzen Schule (Wissenschaft und Didaktik) durch eben denselben angezeigt werden. \newpage \setlength{\baselineskip}{0.99\baselineskip}{ Mit dieser \so{öffentlichen Anzeige weithin unbekannter Sichtbarkeitserfahrungen} soll nun aber nicht nur das jederzeit bloß empirisch begründete Paradigma der visuellen Unhintergehbarkeit visueller Dingerscheinung (zumindest arbeitstechnisch) aufgehoben, sondern zugleich der bisherige Status visueller Erscheinungen als für-wahr-nehmbare Tatsachen eines gar außerlogischen Bereichs gründlich revidiert bzw. hiermit auf eine harte Probe gestellt werden. Es wird Hauptaufgabe der vorliegenden Arbeit sein, den hierdurch wiederum postulierten \so{nicht-perzeptiven} bzw. \so{nicht-aisthetischen} Charakter jener als radikal neuartig deklarierten Seherfahrungen (zugleich auch auf alle anderen, nicht-visuellen Sinneserfahrungen extrapolierbar gedacht) theoretisch (soweit es nur möglich sein wird) zu erhellen als auch alle Möglichkeiten einer didaktisch-methodischen Hinführung\qq\footnote{Ursprünglich war auch die ›Bilddidaktik‹ Teil des Titels (vgl.: „Eine Theorie und Didaktik des graphischen Bildes`` {[}Staatsexamensarbeit{]}; eingereicht am 16.11.2009 in der Prüfungsstelle der Universität Kassel (Registriernummer: 1775); Archiv-Standort: Rothwestener Straße 2-14; 34233 Fuldatal), wurde aufgrund der wissenschaftlichen Schwerpunktsetzung \emph{hier} zwar gestrichen, in Form des Dritten Teils aber in uneingeschränkter Zielsetzung beibehalten.} zu denselben \so{Quasi-Erfahrungen} überhaupt zu ergründen, um somit (auf das obige Dilemma zurückkommend) jedem kritisch-interessierten Leser endlich auch eine \so{tatsächlich praktizierbare Prüfinstanz} hinsichtlich sämtlicher vorzutragender Thesen an die Hand geben zu können (sodass die Falsifizierbarkeit derselben durch jedermann grundsätzlich möglich erscheint).} Doch zunächst gilt es hierfür all jenes zu sichten und kritisch zu prüfen, was bisher auf dem Gebiet der Wahrnehmungstheorie und Prä-Bildwissenschaft geleistet wurde und zugleich als relevant oder bloß einflussreich erscheint (soweit dies jedenfalls dem Verfasser im engen Rahmen seiner zur Verfügung stehenden Zeit und angesichts des ungeheuer angewachsenen, obgleich vielerorts bloß sehr wortreich aufgeblasenen Wissenskorpus' überhaupt nur möglich war; und somit trotz größter Mühen gewiss noch Vieles ungelesen und daher unbedacht bleiben musste).} \setlength{\baselineskip}{0.98\baselineskip}{ Als eigentliche philosophische Ausgangsbasis wollen wir uns aber gerade jenes klassischen Wahrnehmungsmodells erwählen, welches dem obigen Paradigma der sinnlichen Unhintergehbarkeit sinnlicher Wahrnehmung \so{bis auf den heutigen Tag} als zentrale Stütze dient und doch weit mehr beinhaltet als den meisten Wissenschaftlern (\emph{hier} vor allem: Prä-Bildwissenschaftlern) bislang klar geworden zu sein scheint. Hierin wird zunächst genau zu erfassen sein, welche grundsätzlichen, bis heute vielerorts anerkannten Wahrnehmungsvorgänge (in philosophischer Hinsicht) voneinander abzugrenzen sind, sodass schließlich der Versuch unternommen werden kann, das konventionell definierte ›Bild‹ wahrnehmungsphilosophisch zu erklären oder Anknüpfungspunkte dafür zu finden, an welche dieses wie auch jene (neuen oder alten, aber niemals in dieser Weise öffentlich kund getanen) Seherfahrungen sinnesphilosophisch zu verorten bzw. in jenes Modell überhaupt zu integrieren wären (nebenher gesprochen muss hierin aber auch die bereits angekündigte Notwendigkeit einer Neudefinition des Bildes ihre Begründung finden). Wir wagen uns genauer gesagt an eine philosophische Analyse und Interpretation des durchaus komplexen Wahrnehmungsmodells Immanuel Kants.\footnote{Wenn hier und im weiteren Verlauf von \so{der} Kantischen Wahrnehmungstheorie die Rede ist, so ist damit immer nur die Gesamtheit seiner diesbezüglichen Gedanken gemeint (zusammengestellt im Ersten Band der ›Propädeutik‹).} Die Bevorzugung seiner Theorie soll an dieser Stelle nicht nur bloß mit ihrer bis heute bestehenden Grundlegungsfunktion, sondern auch und vor allem mit den dort aufgezeigten, mannigfaltigen und tatsächlich auch falsifizierbaren Beziehungsverhältnissen zur Außenwelt sowie zu den sinnlichen, kognitiven, emotionalen und körperlichen Vermögen des Menschen gerechtfertigt werden. Mag man auch das ganze Kantische Transzendentalgeschäft als nicht mehr zeitgemäß zurückweisen wollen, so stellt doch gerade jenes Paradigma der sinnlichen Unhintergehbarkeit der sinnlichen Erscheinungswelt nichts anderes als ein Ergebnis einer solchen Betätigung dar (selbst dann noch, wenn man sich dieses Paradigma als vollkommen unabhängig jeglicher Einflussnahme Kantischer Kategorien denkt); gilt doch gerade die (nach Kantischer Ansicht erfolgende) Zusammenfassung retinaler Signale während der perzeptiven Phase (hin zur erfahrbaren Erscheinung) als ein Schritt, welcher noch \so{vor} und zugleich \so{unabhängig} aller empirischen Erfahrbarkeit (Kant: \so{a priori} oder \so{transzendental)} im Vermögen der Sinnlichkeit stattfindend gedacht wird. Somit erscheint nicht nur seine ganze Transzendental-Philosophie, sondern selbst noch sein denkwürdiges Metaphysik-Konzept als ein hochaktueller Beitrag zur Philosophie vorbewusster Gegebenheiten und Prozesse des Wahrnehmungsvorgangs (obgleich sein Weg auch zu den vermeintlich übersinnlichen Vernunftsideen führte und dieser Gedankengang nicht mehr zur Wahrnehmungsphilosophie gehört; allerdings werden wir hier noch zu der Position gelangen können, von welcher aus wir jene Kantischen Ideen zwar als durch unser Denkvermögen erwachsen, ihren eigentlichen Ausgangspunkt aber genau an der entgegengesetzten Seite: nämlich in der reinen Sinnlichkeit und ihrer Gemütswirkung verortet sehen\footnote{Im Übrigen genauso: das eigentliche Erlebnis sinnlicher Empfindungsqualitäten (Qualia; \emph{z.B.} das Quale einer roten Farbe), von welchem bis heute nicht Wenige behaupten, diese müssten als ein Teilgebiet, gar großes Problemfeld, der ›Philosophie des Geistes‹ behandelt werden, obgleich der reinen Sinnlichkeit allein angehörig (wobei von der Gestaltgebung \emph{hier} nicht gesprochen sei).}).} Aus dieser Perspektive heraus erscheint es gewiss nicht ganz verwerflich: sich der Kantischen Wahrnehmungsphilosophie \so{vonseiten des Kantischen Begriffs der ›Form‹} anzunähern, welcher hierin weder bloß als eine \so{statische} Ordnungsgegebenheit in einer erlebten Anschauung (wie es uns vielleicht der heutige Sprachgebrauch vermitteln mag) noch alleinig im \so{dynamischen} Sinne als eine nach (quasi-angeborenen) raumzeitlichen Gesetzen erfolgende Anschauungsform\emph{atierung} (wie ihn einige Exegeten bis heute auslegen) aufgefasst werden muss. Die Bedeutung des Kantischen Formbegriffs kann (und so sei es dem Leser nach eingehenden Studien nahegelegt) vielmehr für all jene Fälle im Wahrnehmungsprozess anwendbar gedacht werden, in welchen \so{ein Bestimmungs- oder Bestimmtheitsmoment} in eben demselben hinsichtlich eines zuvor bloß potenziell bestimmbaren Gegebenen oder (Zwischen-)Produkts zutage tritt. Infolge der hierdurch nun möglichen, wie auch dringend anzuratenden Begriffsdifferenzierung (hinsichtlich des Kantischen Formbegriffs) wird zugleich eine ausreichende Grundlage geschaffen, um zu einem annäherungsweise klaren und widerspruchsfreien Verständnis für die wichtigsten, vor allem auch der apriorischen Abläufe im Kantischen Wahrnehmungsmodell gelangen zu können. Wir wollen diese an dieser Stelle somit vorteilhaft erscheinende Bedeutungsauffächerung des Formbegriffs aber auch zugleich dafür nutzen, um uns den von Kant modellierten Wahrnehmungsvorgang (als einer der wirkungsmächtigsten Erklärungsversuche in der Geschichte der Philosophie) ganz von Beginn an anzuschauen; denn nichts scheint hierfür besser geeignet als eben jene differenzierte Begriffsbetrachtung (selbst dann noch, wenn Kant die Bedeutung seines Formbegriffs nicht in dieser Weise aufgefasst sehen wollte): denn dessen Bezugspunkte sind tatsächlich in allen Teilen desselben Modellvorgangs nachweisbar und selbst der bloße Versuch: zu einem richtigen Verständnis hinsichtlich desselben Begriffs zu gelangen (das in Einzahl aber niemals möglich ist) führte in der Vergangenheit zu einer Vielzahl wissenschaftlicher Verirrungen und Entzweiungen (welche ihrerseits viele der bis heute anzutreffenden, z.T. sehr verschiedenartigen und auch recht falschen Ansichten über unsere Sinnlichkeit und ihrer Fähigkeiten vielleicht zu erklären vermögen; und insgesamt ein Beleg dafür sein können, dass die Kantische Wahrnehmungsphilosophie bis auf den heutigen Tage noch gar nicht in Gänze begriffen wurde).\footnote{Es muss an dieser Stelle bereits darauf hingewiesen werden, dass sich die heute weit verbreitete Formdefinition als die der eigentlichen Formempfindung (also nicht die Gestalt ihrer Erscheinungen), nach Erkenntnisstand des Verfassers, nirgendwo in der Kantischen Philosophie auffinden lässt (bzw. sich diese untrennbar mit der seines Gestaltbegriffs vermischt hat). Dies mag mit ein wichtiger Grund für die Schwierigkeit sein, die Kantische Wahrnehmungsphilosophie annähernd korrekt aufzufassen und sie dadurch mit aktuellsten neurowissenschaftlichen Erkenntnissen in direkter Beziehung zu sehen (oder gar aus jener noch etwas zu erfahren, was in diesen vielleicht noch gar nicht erkannt oder überhaupt erfragt wurde). Der zweite große Hemmschuh eines adäquaten und vor allem vollständigen Verständnisses des Kantischen Wahrnehmungsmodell ist aber sicherlich auch die vielerorts fälschlicherweise angenommene, wahrnehmungstheoretische Unverbundenheit seiner drei großen Kritiken.} Beginnen wir also zunächst mit der eigentlichen (physikalischen) Außenwelt und beschränken uns hierbei auf die späterhin als unmittelbar sichtbar vorgestellten Außenweltdinge: Das sichtbare Licht (als eines der wichtigsten Sichtbarkeitsmedien; im Grunde aber nur ein kleiner Bereich des elektromagnetischen Spektrums) der Sonne oder irgendeiner anderen Lichtquelle trifft nun auf ein solches, uns umgebend gedachtes und von Kant als \so{›Ding an sich‹} bezeichnetes physikalisches Objekt (im eigentlichen Sinne); jenes geht mit diesem eine physikochemische Wechselwirkung ein bzw. wird von diesem Ding \emph{z.B.} teilweise reflektiert. Dieses von jenem Außenweltding beeinflusste (oder bloß ausgesandte) Licht verursacht dann im Falle eines Auftreffens auf lichtempfindliche und zugleich funktionsfähige Rezeptoren (\emph{z.B.} in der Netzhaut) eines Lebewesens (\emph{z.B.} eines Menschen) erneut Wechselwirkungen ähnlicher Natur (d.s. \so{Modifikationen des Gesichtssinns;} KdrV: A 28), wodurch letztendlich eine große Anzahl von \so{Einzels}ignalen\footnote{Auch \so{Sinnesdaten} genannt bzw. als solche zu bezeichnen; selbst wenn Kant diesen Begriff nur für seine begrifflich (kategorial) unbestimmten Erscheinungen verwendet wissen wollte. Die Sinnesdaten sind aber deshalb (noch) nicht mit den Sinnesempfindungen bzw. Qualia (\emph{z.B.} Rot) gleichzusetzen, weil Empfindungen (als die Materie einer Erscheinung) bloß empirisch definiert sind; Sinnesdaten stellen ihrerseits bloß das apriorisch Geformt-werdende bzw. die Möglichkeit späterer Empfindung dar (ohne welche also für die apriorische Form\emph{gebung} überhaupt nichts Formzugebendes zu finden wäre und jene somit für jede Theorie \so{transzendentaler} Erscheinungsgenese ein essenzielles Mittel darstellen!); erst nach Abschluss der perzeptiven Phase werden dann aus den (ungeformten, apriorischen) Sinnesdaten, (geformte, aposteriorische) Empfindungen (dennoch sollte sich aber die reale Übersetzung retinaler Einzelsignale in ihre jeweiligen Empfindungsqualitäten {[}d.s. Qualia{]} schon ganz zu Beginn der ersten Phase vollziehen).} erzeugt und sogleich an das Gehirn weitergeleitet werden (vgl. oben). \setlength{\baselineskip}{0.98\baselineskip}{ Für den eigentlichen Beginn des Kantisch modellierten Wahrnehmungsvorgangs werden wir den Kantischen Formbegriff zuerst in \so{zwei verschiedene} und zugleich jeweils \so{dynamisch} \mbox{aufzufassende Bedeutungen auftrennen} \mbox{(1 und 2);} denn bevor aus diesen Einzelsignalen überhaupt ein für uns wahrnehmbares Bild der uns umgebenden Dingwelt entstehen kann, \so{muss} dieser Signalstrom -- nach Kantischer Auffassung -- a priori, d.h. ohne dass wir davon auch nur irgendetwas direkt bemerken \so{können,} nach bestimmten Vorgaben \mbox{\so{\textbf{(1)} form\qq\emph{atiert} (d.i.}} \mbox{\so{Form\qq\emph{atierung}}} \so{der Sinnesdaten)} und zu den für uns erfahrbaren Dingen \so{\textbf{(2)} zusammengefasst (d.i. Form\qq\emph{gebung}}\linebreak \mbox{f{\hspace{+2.13pt}}o{\hspace{+2.13pt}}r{\hspace{+2.13pt}}m{\hspace{+2.13pt}}\qq\emph{a{\hspace{+2.13pt}}t{\hspace{+2.13pt}}i{\hspace{+2.13pt}}e{\hspace{+2.13pt}}r{\hspace{+2.13pt}}t{\hspace{+2.13pt}}e{\hspace{+2.13pt}}r}{\hspace{+2.13pt}}\,\,\, S{\hspace{+2.13pt}}i{\hspace{+2.13pt}}n{\hspace{+2.13pt}}n{\hspace{+2.13pt}}e{\hspace{+2.13pt}}s{\hspace{+2.13pt}}d{\hspace{+2.13pt}}a{\hspace{+2.13pt}}t{\hspace{+2.13pt}}e{\hspace{+2.13pt}}n{\hspace{+2.13pt}} /{\hspace{+2.13pt}} S{\hspace{+2.13pt}}y{\hspace{+2.13pt}}n{\hspace{+2.13pt}}t{\hspace{+2.13pt}}h{\hspace{+2.13pt}}e{\hspace{+2.13pt}}s{\hspace{+2.13pt}}e{\hspace{+2.13pt}})}\,\,\, werden.\linebreak In einem dritten Schritt müssen uns dann diese form\emph{atierten}\linebreak \mbox{u{\hspace{+0.31pt}}n{\hspace{+0.31pt}}d{\hspace{+0.31pt}}\, g{\hspace{+0.31pt}}e{\hspace{+0.31pt}}f{\hspace{+0.31pt}}o{\hspace{+0.31pt}}r{\hspace{+0.31pt}}m{\hspace{+0.31pt}}t{\hspace{+0.31pt}}e{\hspace{+0.31pt}}n{\hspace{+0.31pt}}\, ({\hspace{+0.31pt}}b{\hspace{+0.31pt}}z{\hspace{+0.31pt}}w{\hspace{+0.31pt}}.{\hspace{+0.31pt}}\, g{\hspace{+0.31pt}}e{\hspace{+0.31pt}}s{\hspace{+0.31pt}}t{\hspace{+0.31pt}}a{\hspace{+0.31pt}}l{\hspace{+0.31pt}}t{\hspace{+0.31pt}}e{\hspace{+0.31pt}}t{\hspace{+0.31pt}}e{\hspace{+0.31pt}}n{\hspace{+0.31pt}}){\hspace{+0.31pt}},{\hspace{+0.31pt}}\, a{\hspace{+0.31pt}}b{\hspace{+0.31pt}}e{\hspace{+0.31pt}}r{\hspace{+0.31pt}}\, i{\hspace{+0.31pt}}m{\hspace{+0.31pt}}m{\hspace{+0.31pt}}e{\hspace{+0.31pt}}r{\hspace{+0.31pt}}\, n{\hspace{+0.31pt}}o{\hspace{+0.31pt}}c{\hspace{+0.31pt}}h{\hspace{+0.31pt}}\, n{\hspace{+0.31pt}}i{\hspace{+0.31pt}}c{\hspace{+0.31pt}}h{\hspace{+0.31pt}}t}\linebreak \mbox{e{\hspace{+0.33pt}}r{\hspace{+0.33pt}}s{\hspace{+0.33pt}}c{\hspace{+0.33pt}}h{\hspace{+0.33pt}}i{\hspace{+0.33pt}}e{\hspace{+0.33pt}}n{\hspace{+0.33pt}}e{\hspace{+0.33pt}}n{\hspace{+0.33pt}}e{\hspace{+0.33pt}}n{\hspace{+0.33pt}},{\hspace{+0.33pt}}{\hspace{+0.33pt}} p{\hspace{+0.33pt}}r{\hspace{+0.33pt}}ä{\hspace{+0.33pt}}-{\hspace{+0.33pt}}v{\hspace{+0.33pt}}i{\hspace{+0.33pt}}s{\hspace{+0.33pt}}u{\hspace{+0.33pt}}e{\hspace{+0.33pt}}l{\hspace{+0.33pt}}l{\hspace{+0.33pt}}e{\hspace{+0.33pt}}n{\hspace{+0.33pt}}{\hspace{+0.33pt}} D{\hspace{+0.33pt}}i{\hspace{+0.33pt}}n{\hspace{+0.33pt}}g{\hspace{+0.33pt}}-{\hspace{+0.33pt}}E{\hspace{+0.33pt}}i{\hspace{+0.33pt}}n{\hspace{+0.33pt}}h{\hspace{+0.33pt}}e{\hspace{+0.33pt}}i{\hspace{+0.33pt}}t{\hspace{+0.33pt}}e{\hspace{+0.33pt}}n{\hspace{+0.33pt}}{\hspace{+0.33pt}} ü{\hspace{+0.33pt}}b{\hspace{+0.33pt}}e{\hspace{+0.33pt}}r{\hspace{+0.33pt}}h{\hspace{+0.33pt}}a{\hspace{+0.33pt}}{\hspace{+0.33pt}}u{\hspace{+0.33pt}}p{\hspace{+0.33pt}}t{\hspace{+0.33pt}}{\hspace{+0.33pt}} e{\hspace{+0.33pt}}r{\hspace{+0.33pt}}s{\hspace{+0.33pt}}t}\linebreak noch \so{beobachtbar gemacht werden (d.i. die}\linebreak \mbox{\so{Bedingung}} \so{der Möglichkeit der Apperzeption).} Diese ersten drei grundlegenden Abläufe der visuellen Wahrnehmung (heute auch unter dem Begriff der \so{›perzeptiven Phase‹} zusammengefasst), dürfen wir uns nach Kantischer Vorstellung bloß als \so{vor} und \so{unabhängig aller Erfahrung und Erfahrbarkeit (d.h. a priori} bzw. psychologisch gewendet: \so{vorbewusst)} ablaufend denken. Ein in solcher Weise erfahrbar gemachtes Objekt, \emph{z.B.} ein Bleistift, entspreche somit nicht etwa diesem ›Bleistift an sich‹, sondern sei vielmehr ein komplex zusammengesetztes Gebilde, welches Kant (auch zur Unterscheidung von jenem, für uns -- seiner Meinung nach -- in seinem Wesen auf ewig völlig unbekannt verbleibenden ›Ding an sich‹) \so{Erscheinung} oder (in späterer, objektivierter Gestalt) \so{Wahrnehmung} bzw. \so{Phänomen} nennt. Was geschieht nach Kants Meinung nun aber \so{genau} während dieser uns als vollkommen unerfahrbar definierten (also bloß modellhaft vorstellbaren) perzeptiven Phase? -- Zur Beantwortung dieser Frage zergliedern wir den Formbegriff abermals in \so{zwei weitere (ihrerseits, wie auch von jenen oberen unterschiedene),} diesmal jedoch \so{statisch} aufzufassende Bedeutungsvariationen (3 und 4), die für ein adäquates Verständnis des Kantischen Wahrnehmungsmodells von großer Bedeutung sind. \setlength{\baselineskip}{0.995\baselineskip}{ Für die (1) Form\emph{atierung} der eintreffenden Signale liegen unserem Sehsinn (als einem Teil der Sinnlichkeit) im Gemüt -- nach Kantischer Auffassung (d.h. gebildet auf Grundlage der Analyse aller Merkmale aller durch Kant selbst erfahrenen Sinnesprodukte) \so{-- \textbf{(3)} zwei quasi-angeborene (d.h. nicht über Erfahrung erwerbbare oder gar erworbene, sondern späterhin bloß von Wahrnehmungen ableitbare) Anschauungsform\qq\emph{ate}}}\,\footnote{Die nun folgenden Sinnesform\emph{ate} Raum und Zeit (d.s. die Form\emph{atierungs}\-mittel; vgl. analog hierzu: Datenträgerformate zeitgenössischer Computersysteme) stellen, obgleich ihrer unterschiedlichen apriorischen Qualitäten und sinnlichen (eigentlich: pseudo-sinnlichen) Funktionen, in ihrer \so{Gesamtheit} nur den ersten der beiden statischen Formbegriffe dar.} bereit: nämlich \so{Raum} (für die unmittelbare, äußerlich erscheinende, d.h. von direkter äußerer Lichteinwirkung verursachte Wahrnehmung) und \so{Zeit} (für die bloß mittelbare, innerlich erscheinende, bereits erfahrene Wahrnehmung, d.i. die von uns selbst zurückgerufene und ggf. re- oder gar neuorganisierte {[}\emph{z.B.} Fantasie oder Traum{]} Erinnerung, samt ihrer in zeitlicher Abhängigkeit betrachteten Gesamtschau oder jeweiligen Abfolge). Weil aber diese Kantischen Sinnesform\emph{ate} allein noch keine Erscheinung hervorzubringen vermögen, bedarf es nach Abschluss der (1) Form\emph{atierung} noch zusätzlich einer (2) prä-visuellen Zusammenfassung dieser raumzeitlich form\emph{atierten} Einzelsignale (d.i. die obige Form-, d.h. auch: Gestalt\emph{gebung} der Erscheinung) und hierzu wiederum eines \so{Form bzw. Gestalt gebenden Mittels.} Für letztere Zusammenfassung wird genauer betrachtet unser \so{sinnliches Ordnungs- und (eigentliches) Anschauungsvermögen, die Einbildungskraft,} benötigt, welches -- nach Kantischer Modellierung -- zur Erfüllung seiner Aufgabe ein solches \so{Verbindungs- bzw. Formgebungsmittel} aber immer erst auf gewisse Weise selbst herstellen und sogleich (d.h. gegen Ende der perzeptiven Phase) erscheinungserzeugend (ggf. auch als unter unablässiger Anregung und Maßgabe unserer ebenfalls apriorisch bzw. transzendental operationsfähigen \so{Urteilskraft} stehend gedacht) auf die bereits raumzeitlich form\emph{atierten} Sinnesdaten anwenden \so{muss.} Dieses vonseiten der Einbildungskraft hierzu \so{jeweils eigens zu produzierende} Formgebungsmittel nennt Kant ein \so{Schema} (altgr. ›Gestalt‹); das Verfahren zur Erzeugung und zeitgleichen\footnote{Denn ohne die Annahme, dass sich die Schema-Produktion sogleich, d.h. \so{unmittelbar (d.h. in Sekundenbruchteilen)} zur Erscheinungserzeugung anwenden ließe, wäre eine notwendige Übereinkunft mit grundlegenden neurowissenschaftlichen Erkenntnissen (vgl. oben S. 13: Fußnote 2), oder bloß eigenen Sinneserfahrungen, unmöglich und es würde sich beim Schematismus bloß um einen unglaublich langsamen und hochkomplexen Vorgang (eines wahrhaften Dinosauriers) handeln, der die ganze Kantische Wahrnehmungsphilosophie sogleich darniederreißen würde!} Anwendung desselben: \so{Schematismus. --} Da es sich bei einem Schema aber jederzeit bloß um ein „Produkt`` (KdrV: A 140), nicht aber um ein Form\emph{at} der Einbildungskraft handelt (obgleich es „die Einheit \so{in} der Bestimmung der Sinnlichkeit allein zur Absicht hat``), das Schema und die hierdurch erzeugte oder bloß begrifflich bestimmte Erscheinung zudem „nicht völlig kongruieren`` (KdrV: A 142), sollte man nun aber nicht das Schema selbst, sondern das eigentliche Bestimmungsprodukt seiner Anwendung bzw. die späterhin erst bewusst gewordene \so{\textbf{(4)} Form\qq\emph{gegebenheit} der Erscheinung (d.s. raumzeitliche Ausdehnung und Gestalt)} mit dem zweiten, statischen Formbegriff in Beziehung setzen (statisch in dem Sinne, dass für Kant die Form\emph{gegebenheit} der Erscheinung bzw. jede Erscheinung ein direkt Gegebenes bzw. empirisch Erfahrbares darstellt, welches unter denselben Beobachtungsbedingungen und nach seinem Wesen betrachtet: als ein quasi Unveränderliches gedacht wird).} \setlength{\baselineskip}{1.05\baselineskip}{ Es wäre aber auch deshalb eine falsche oder zumindest recht verwerfliche Vorstellung, ein Schema als eine Art statische ›Form der Einbildungskraft‹ aufzufassen (sodass dieselben, gleich Raum und Zeit, „insgesamt im Gemüte a priori bereit liegen`` würden; KdrV: A 20), weil in diesem Falle jeder existierende oder bloß potenziell existierende Gegenstand des Universums eines eigenen, zugleich quasi-angeborenen Schemas bedürfte (die hierfür zusätzlich und notwendigerweise noch hinzuzudenkenden Schemata jeder einzelnen Ansicht und Veränderbarkeit derselben seien an dieser Stelle noch nicht einmal mitbedacht!), und somit nicht nur jede mentale Speicherkapazität überschritten, sondern sich das Kantische Wahrnehmungsmodell selbst in die Selbstauflösung führen würde (ohne dass auch nur eine einzige Erscheinung dem Bewusstsein jemals erschienen wäre!). -- Eine Folge, die Kant aber gerade mithilfe seines (allerdings erst für die zweite, d.h. semantische Phase seines Wahrnehmungsmodells gültigen) philosophischen Meisterstücks des ›Schematismus der (kategorial, d.h. anschauungsbezogen form\emph{atierten}) \emph{Begriffe}‹ in Anwendung auf die (raumzeitlich, d.h. begriffsbezogen bzw. begrifflich bestimmbar form\emph{atierten}) Erscheinungen in der Weise abzuwenden versuchte: dass die durch unsere Urteilskraft angeleitete Schematismus-Tätigkeit der Einbildungskraft so gedacht wird (oder zumindest so verstanden werden kann), dass sie den jeweils verbindungsfähigen Wesenszug (d.i. die zugrunde liegende Form\emph{atiertheit}) des jeweiligen Begriffs mit dem der jeweiligen Erscheinung so zusammenbringt, dass aus dieser Verbindung (und nur für diese ganz spezielle Verknüpfung gültig) ein individuelles, zu beiden Gegebenheiten hin vermittelndes Schema entsteht. Dieses Schema\footnote{Es handelt sich hierbei genauer um ein sog. \so{›transzendentales Schema‹;} sodass an dieser Stelle endlich angemerkt werden kann, dass auch der Schemabegriff bei Kant in zwei unterschiedliche Bedeutungsvarianten zerfällt: in einen \so{empirischen} (d.i. die beobachtbare Gestalt {[}vgl. Wortursprung{]} bzw. das Monogramm {[}d.i. Umriss{]} der Dinge; weshalb \emph{dieses} Schema also doch der obigen Formdefinition Nr. 4 entspricht bzw. ein Synonym darstellt!) und einen \so{transzendentalen} Begriff (d.i. eine wahrnehmungs-metaphysische ›Naht‹, die die apriorischen Form\emph{atiertheiten} von Erscheinung und Begriff, wie im hiesigen Falle, a priori zusammenbringt und wechselseitig verbindet; daher es auch transzendental genannt wird; vgl. KdrV: B 25, A 56).} schränkt dann (unter strenger Führung der begrifflichen Bestimmungstätigkeit unserer Urteilskraft) sogleich die potenziell mögliche Gestalt-Variation der Erscheinung (und im Inneren Sinn auch bereits die Abfolge derselben) mittels der Begriffsdefinition und zugleich die mögliche Bedeutungsweite des Begriffs seinerseits mittels der Begrenztheit der jeweiligen Erscheinungsmodalität radikal ein, sodass sinnliche Wahrnehmung insgesamt vermittelst begrifflicher Erkenntnis (und auch begriffliche Erkenntnis durch Erscheinungen) möglich oder zumindest mithilfe dieses Modells erklärbar wird (vgl. vor allem: KdrV: A 137-147).\footnote{In dieser Weise jedenfalls soll der \emph{hiesige} Deutungsversuch des wahrnehmungsphilosophisch wohl wichtigsten, zugleich aber auch ›dunkelsten‹ Kapitels der KdrV formuliert werden (wem der Sprache zu viel geworden ist, dem sei die unten {[}S. 40{]} folgende, anschauliche Übersicht {[}nach Manier der Chemiker{]} empfohlen!). Nicht nur wird hierdurch endlich verständlich, weshalb Kant überhaupt so unnachgiebig auf die jeweilige Form\emph{atiertheit} von Erscheinungen und (!) Begriffen (denn Kategorien sind zugleich „Gedankenform\emph{ate}``) bestand; auch können wir nun den Schematismus (jedenfalls den der \emph{Begriffe}) hierdurch überhaupt erst als eine dynamische, sich ständig verändernde (mentale) Tätigkeit unserer Einbildungskraft verstehen und dadurch erstmals auch falsifizierbar machen (d.h. in das Licht der Wissenschaft setzen). Woher Kant jedoch die \so{Legitimation} für seine vorgetragene Gewissheit ursprünglich bezogen haben mag, die \so{analytisch-logisch anmutenden Anschauungsform\qq\emph{ate}} (Raum und Zeit) der ›Sinnlichkeit i.e.S.‹, die \so{anschauungsbezogenen zwölf Kategorien} aber dem Verstande (und nicht etwa andersherum) zuzuordnen, bleibt ein Rätsel (oder ist einfach nur seiner \so{zuvor} entworfenen Schematismus-Idee geschuldet).}} \setlength{\baselineskip}{1.02\baselineskip}{ Dennoch bleibt für uns (als diejenigen, die das Kantische Wahrnehmungsmodell in seiner Gesamtheit begreifen wollen) das schwerwiegende Problem bestehen, dass Kant diese berühmt\linebreak gewordene Verfahrensweise der Einbildungskraft (obgleich transzendental agierend) erst für einen sehr viel späteren Punkt in\linebreak seinem Wahrnehmungsmodell als durchführbar definiert hat: wenn nämlich die perzeptive Phase vollständig abgeschlossen ist und die sog. \so{›semantische Phase‹} beginnt bzw. wenn die Form\qq\emph{gegebenheit} (gemeint ist der zweite statische Formbegriff: Ausdehnung und Gestalt) wie auch das jeweilige Material (d.s. die ihr zugeteilten Sinnesempfindungen bzw. Qualia, \emph{z.B.} bestimmte Farben) einer Erscheinung für uns beobachtbar gemacht wurden und diese unseren Begriffen zunächst unvermittelt\linebreak gegenüberstehen. Vergewissern wir uns an dieser Stelle erneut unserer eigenen, gegenwärtigen (obigen) Position im Kantisch modellierten Wahrnehmungsprozess, so müssen wir mit Erstaunen feststellen, dass wir noch immer an der Stelle stehen, von welcher aus die raumzeitlich form\emph{atierten} Sinnesdaten überhaupt erst noch zu einer Sinneserscheinung zusammengefasst werden müssen. Pikanterweise bildet aber gerade die Stichhaltigkeit des nun anstehenden Modellfortgangs auch den alles entscheidenden Prüfstein für das bis heute bestehende Paradigma der sinnlichen Unhintergehbarkeit sinnlicher Wahrnehmung (vor allem auch dann, wenn man die raumzeitliche Form\emph{atierung} der Sinnesdaten nur als eine Art Kantisches Hilfskonstrukt zwecks Begründung der Möglichkeit seines \so{erst später möglichen} ›Schematismus der \emph{Begriffe}‹ betrachtet). Entweder vermag nun also im Folgenden das Kantische Wahrnehmungsmodell ein vollkommen \so{widerspruchsfreies} und zugleich \so{ausreichend stichhaltiges} Erklärungsmodell hinsichtlich dieses Vorgangs (der \so{sinnlich unhintergehbaren} Erscheinungsproduktion) zu liefern, oder das Kantische Wahrnehmungsmodell sowie auch alle anderen sich hierauf direkt oder insgeheim berufenden Modellvorstellungen und Theorien müssen als hinfällig oder zumindest ab diesem Punkte als stark revisionsbedürftig betrachtet werden. -- Interessanterweise aber lassen sich gerade zu dieser alles entscheidenden Frage in der transzendental-orientierten KdrV (1781/1787ff.) nur grobe Modellvorstellungen ausfindig machen (\emph{z.B.} KdrV A77ff.: ursprüngliche Sinnesdaten-Synthese durch die Einbildungskraft); erst unter Hinzunahme\linebreak der späteren, eigentlich bloß empirisch-orientierten KdU (1790ff.) können einige, klarere Aussagen auf diese wichtige Frage bezogen werden. Denn hierin erinnert Kant (den Leser) zunächst, wenngleich ganz unvermittelt, an den „objektiven Schematismus der Urteilskraft, wovon die Kritik {[}\emph{der reinen Vernunft}{]} handelt`` (KdU: A 30), ohne die dabei entstehende Frage zu beantworten: warum er den \so{objektiven} Charakter des Schematismus (der Begriffe) überhaupt so gesondert hervorheben muss, scheint doch die KdrV bloß von einem Schematismus im Allgemeinen zu handeln; die Möglichkeit einer gesondert objektiven oder gar \so{subjektiven} Variante desselben bleibt hierin (d.h. in der KdrV) völlig unausgesprochen. Erst viele Seiten später wird dann fast\footnote{Obgleich als ein entscheidendes Argument für eine Theorie unserer Fähigkeit (bzw. unseres Geschmacks): \so{äußere Erscheinungen} als inter-subjektiv ›schön‹ zu beurteilen gedacht; denn eine solche Beurteilungsmöglichkeit fuße nach Kant vor allem auf einer als allgemeingültig gedacht \so{empfundenen Lust} (in der direkten und \so{zugleich} reflektierenden Betrachtung einer zu beurteilenden Erscheinung), verursacht wiederum durch ein sich in diesem Prozess zufällig ereignendes \so{freies Spiel} zwischen der \so{(formgebenden) Freiheit des Vermögens der Einbildungskraft} und der \so{(kategorialen) Gesetzmäßigkeit des Vermögens des Verstandes.}} {\hspace{-3pt}}ebenso beiläufig (jedenfalls recht unvermittelt) festgestellt, dass auch \so{„die Einbildungskraft ohne Begriff schematisiert, weil eben darin die Freiheit derselben besteht``} (KdU: A 144). Dies ist der entscheidende, zugleich aber auch fast einzige Hinweis, den uns Kant hinsichtlich des gesuchten Vorgangs innerhalb seines eigenen Modelldenkens zu geben gewillt ist (bzw. der dem Verfasser in langjährigen Kant-Studien als ausreichend sinnhaftig erschienen ist). Doch wie kann man nun diesen, von Kant relativ spät formulierten Modellgedanken in sein Wahrnehmungsmodell adäquat integrieren und zugleich mit dem anderen „Schematismus der \emph{Begriffe}`` (KdrV: A 132-147) in eine widerspruchsfreie Beziehung setzen? Handelt es sich gar um zwei grundlegend verschiedenartig zu denkende ›Schematismen‹ der Einbildungskraft, welche unser bereits erhofftes Grundverständnis wieder in ein unbekanntes Dunkel zu führen drohen?} \setlength{\baselineskip}{1.061\baselineskip}{ Betrachten wir den obigen Lehrsatz etwas genauer, so fällt die Kantische Vernunftsidee der \so{›Freiheit‹} ins Auge, welche wir vielleicht in einem ethischen Kontext, wohl kaum aber im zentralen Kern einer \so{Wahr-Nehmungs-Theorie äußerer Dingerscheinungen} erwartet hätten. Es muss sich hierbei um ein \so{kosmologisches} Verständnis von Freiheit handeln; sie muss sich folglich auf grundsätzliche Fragen der Entstehung, des Daseins und des Endes aller Dinge, ja der Welt überhaupt beziehen lassen. Und so erklärt auch Kant in seinen Prolegomena: „Freiheit \emph{ist} das Vermögen: eine Begebenheit von selbst anzufangen`` (A 152) und eine Begebenheit sei wiederum „jede Wirkung in der Erscheinung``.} Da allerdings die (Wirkung in der) Erscheinung gerade das zeitlich Erste sei, was uns gegeben werde, so könne aber doch gleichzeitig keine Bestimmung der Kausalität ihrer Ursache, gemäß unseren Kategorien, dieser \so{zeitlich vorausgehen} (vgl. Kants Metaphysik-Methode seiner ›kopernikanischen Wende‹: KdrV: B XVIf.). Im Falle originärer Erscheinungen nämlich nach vorausgehenden Ursachen zu suchen (die wir ihnen zuvor selbst hätten geben müssen), würde eine jede bestimmte Ursache wiederum bloß einer weiteren Wirkung (weil Erscheinung) entsprechen, welche wiederum ihre Ursache haben müsste und hierin wäre überall kein Fortkommen. Die einzige Wirkungsursache einer raumzeitlichen Begebenheit könne daher nur das \so{›Ding an sich‹} selbst sein, welches aber niemals Erscheinung und deshalb für uns auch niemals (weil wir nur in Kategorien denken könnten) als Ursache bestimmbar sei. Und nun kommt der Clou: \par \mbox{} \begin{rightquote}{\scalefont{0.85}{„Wenn aber die \so{Ursache in der Erscheinung,} nur von der \so{Ursache der Erscheinungen,} sofern sie als \so{Ding an sich selbst} gedacht werden kann, unterschieden wird, so können \emph{folgende} beide, \emph{einander widerstreitende kosmologische} Sätze wohl nebeneinander bestehen, nämlich, dass von der Sinnenwelt überall keine Ursache (nach ähnlichen Gesetzen der Kausalität) stattfinde, deren Existenz schlechthin notwendig sei, imgleichen andererseits, dass diese Welt dennoch mit einem notwendigen Wesen als ihrer Ursache (aber von anderer Art und nach einem anderen Gesetze) verbunden sei; welcher beider Sätze Unverträglichkeit lediglich auf dem Missverstande beruht, das, was bloß von Erscheinungen gilt, über Dinge an sich selbst auszudehnen, und überhaupt beide in einem Begriffe zu vermengen.`` (Prolegomena: A 157)}} \end{rightquote} \newpage \setlength{\baselineskip}{1.00\baselineskip}{ Kant spricht nämlich deshalb von der Freiheit der Einbildungs\-kraft (wenn sie eine Erscheinung aus sich selbst heraus anfängt bzw. originär gestaltet), weil unsere kategorialen Denkform\emph{ate} aller nur denkbaren Begriffe über \so{gar keine} \mbox{\so{Verbindungsmöglichkeiten}} hinsichtlich der nicht-raumzeitlichen Außenweltdinge (als die eigentlichen, nicht-sinnlichen Ursachen unserer Erscheinungen) verfügten und somit deren (objektiver) transzendentaler Schematismus dort auch gar nicht funktionieren und deshalb auch keine Bestimmung dieser ersten Ursache gelingen könne -- obwohl eine solche Ursache, nämlich als ›Ding an sich‹, gleichzeitig doch gedacht werden dürfte: \par \mbox{} \begin{rightquote}{\scalefont{0.85}{„Naturnotwendigkeit {[}...{]} also und Freiheit eben demselben Dinge {[}\emph{Erscheinung}{]}, aber in verschiedener Beziehung, {[}...{]} ohne Widerspruch`` (Prolegomena: A 152)!}}\end{rightquote} \par \mbox{} \setlength{\baselineskip}{0.992\baselineskip}{ -- Kant spricht oben (in der KdU) also tatsächlich von einem, dem objektiven Schematismus vorgeschalteten, \so{freien} \mbox{\so{›Schematismus ohne Begriff‹,}} der uns alle bestimmbaren, äußeren Erscheinungen unseres Wahrnehmungs-Universums (deshalb auch erste kosmologische Bedingung desselben) originär in den Äußeren Sinn zu stellen vermag, ohne in seiner Wirkungsursache, oder in der seiner Produkte (d.s. \so{subjektive Erscheinungen),} kategorial jemals bestimmbar zu sein.\footnote{Deshalb vermag auch die Einbildungskraft, im ästhetischen Reflexionsurteil, in dieser ihrer Freiheit mit dem Begriffsvermögen schematisierend zu spielen, ohne dabei Gefahr zu laufen, selbst bestimmt, d.h. unfrei zu werden, obgleich durch dieses selbst angeregt (mittels deduktiver Bestimmungstätigkeit der Urteilskraft) und zugleich veredelt.} -- Somit scheint zugleich auch endlich \so{unser Verständnisweg} durch das Kantische Wahrnehmungsmodell freigelegt: die apriorischen Zwischenprodukte (d.s. die raumzeitlich form\emph{atierten} Sinnesdaten) werden \so{\textbf{zuerst}} mittels subjektivem bzw. freiem ›Schematismus ohne Begriff‹, d.h. nach einem kategorial unbestimmbaren Ursache-Wirkungs-Prinzip (d.i. nicht-kategoriale Kausalität) der Außenweltdinge, zu Prä-Erscheinungen \so{verbunden} und anschließend einzeln bzw. abwechselnd dem Bewusstsein als dann qualiasierte Raumzeit-Entitäten zur Beobachtung angeboten (d.i. Abschluss der perzeptiven Phase). Im Anschluss hieran kann diese ursprüngliche, d.h. bloß subjektiv gültige Erscheinung in einem erneuten Schematismus (der Begriffe), welcher nun aber nicht mehr frei, sondern begriffsaffiziert (d.h. deduktiv) erfolgt, zu einer raumzeitlich objektiv gültigen Erscheinung (d.i. Wahrnehmung/Phänomen) umgestaltet \so{(d.h.: \textbf{zweifacher} Schematismus im Kantisch modellierten Wahrnehmungsprozess)} oder jene eben zunächst durch begrifflich-zweckmäßige Reflexions- und Analysetätigkeit der Urteilskraft (d.h. induktiv) in Begriffe übersetzt, und anschließend, mithilfe dieser gefundenen oder neu erzeugten Begriffe, deduktiv bestimmt werden. Obgleich nun aber beide ›Schematismen‹ in ihren jeweiligen \so{Handlungsursachen} grundverschieden gedacht werden müssen (ein Aspekt, der sich letztlich nicht unwesentlich auf ihre visuellen Gestaltgebungsprodukte auswirken kann), handelt es sich doch jeweils immer nur um ein und dieselbe \so{transzendentale} Tätigkeit der Einbildungskraft \so{(d.i. Produktivität für den Äußeren Sinn oder Reproduktivität für den Inneren Sinn);} wirkt nämlich der ›objektive Schematismus‹, vermittelst Anwendung der Begriffe durch die bestimmende Urteilskraft, stark einschränkend auf die \mbox{mögliche} Vielfalt der Gestalt-(Re-)Produktion der Einbildungskraft, so verfährt im Vergleich hierzu doch auch jener ›subjektive Schematismus‹ grundsätzlich gleich, obgleich jederzeit unabhängig aller begrifflichen Bestimmungs- oder Reflexionstätigkeit der Urteilskraft, d.h. „nach einem anderen {[}\emph{d.h. nicht-kategorialen}{]} Gesetze`` (Prolegomena: A 157) bzw. kategorial betrachtet: scheinbar willkürlich. Somit können auch alle nicht-objektivierbaren (d.h. bloß im Nachhinein, mittels begrifflicher Umschreibungen annäherungsweise fassbaren) Sinneserscheinungen, seien sie produktiver (\emph{z.B.} Sinnestäuschungen des äußeren Sinns) oder reproduktiver Natur (\emph{z.B.} Fantasie oder Traum), dem (begriffs-)\linebreak freien bzw. subjektiven Schematismus und alle objektivierten Sinneserscheinungen (\emph{z.B.} die objektive Rundumansicht eines Gegenstandes im Äußeren und/oder Inneren Sinn) dem begrifflich orientierten bzw. objektiven Schematismus zugeordnet und somit allesamt erklärt werden.} \setlength{\baselineskip}{0.98\baselineskip}{ Betrachtet man aber letzteren (subjektiven), allen Erscheinungen existenziell zugrunde liegenden Schematismus genauer und vergleicht ihn zudem noch mit dem transzendentalen Prinzip des objektiven, so zeigt sich hinter jener Idee ein \so{unüberwindliches Problem:} denn auch der subjektive Schematismus \so{muss} über die \so{Produktion} eines folglich \so{subjektiven, (quasi-)transzendentalen Schemas} ablaufend bzw. jede originäre Erscheinung mit ihrer kategorial unfassbaren Außenwelt-Ursache irgendwie „verbunden`` (Prolegomena: A 157) gedacht werden. Denn mag auch die eigentliche Gestaltgegebenheit, also der vermeintlich beobachtbare Umriss der Erscheinung (d.i. das empirische Schema) frei bzw. ihrer Ursache nach als unbestimmbar erscheinen, so bleibt aber dennoch eine erscheinungs-metaphysische (d.h. transzendentale) Ursache ihre existenzielle Voraussetzung, welche ihrerseits mit dem jeweiligen ›Dinge an sich‹ in irgendeiner (obgleich unbestimmbaren) Beziehung stehen muss. Denn wäre dem nicht so, dann könnte auch noch nicht einmal im Denken die Idee einer äußeren Dingwelt jemals entstehen. Ja noch viel schlimmer!} \par \mbox{} \begin{rightquote}{\scalefont{0.85}{Dann würde nämlich doch „der Zinnober bald rot, bald schwarz, bald leicht, bald schwer sein, ein Mensch bald in diese, bald in jene tierische Gestalt verändert werden, am längsten Tage bald das Land mit Früchten, bald mit Eis und Schnee bedeckt sein, \emph{und} so könnte meine empirische Einbildungskraft nicht einmal Gelegenheit bekommen, bei der Vorstellung der roten Farbe den schweren Zinnober in die Gedanken zu bekommen, oder würde ein gewisses Wort bald diesem, bald jenem Dinge beigelegt, oder auch eben dasselbe Ding bald so, bald anders benannt, ohne dass hierin eine gewisse Regel, der die Erscheinungen schon von selbst unterworfen sind, herrschte, so könnte keine empirische Synthesis der Reproduktion stattfinden.`` \mbox{(KdrV A 100f.)!}}} \end{rightquote} \par \mbox{} \mbox{} \setlength{\baselineskip}{1.03\baselineskip}{ Anders gesagt: Es muss sich \so{innerhalb} der Erscheinungs\-\so{produktion} doch noch etwas finden lassen, das mit der Außenwelt in einer beständigen, geradezu außenwelt-wahr\-nehmungswelt-metaphysischen Beziehung (Verbindung!) steht, als \so{letzte Quasi-Ursache aller Beharrlichkeit bzw. Beständigkeit der Dinge unseres Wahrnehmungsuniversums} (d.i. zugleich \so{Hauptargument für das obige Paradigma):} \par \mbox{} \mbox{} \begin{rightquote}{\scalefont{0.85}{\setlength{\baselineskip}{1.05\baselineskip}{„Ich bin mir meines Daseins als in der Zeit bestimmt bewusst. Alle Zeitbestimmung setzt etwas \so{Beharrliches} in der Wahrnehmung voraus. \so{Dieses Beharrliche aber kann nicht eine Anschauung in mir sein. Denn alle Bestimmungsgründe meines Daseins, die in mir angetroffen werden können, sind Vorstellungen, und bedürfen als solche, selbst ein von ihnen unterschiedenes Beharrliches, worauf in Beziehung der Wechsel derselben, mithin mein Dasein in der Zeit, darin sie wechseln, \emph{um}\, bestimmt werden \emph{zu} können.} Also ist die Wahrnehmung dieses Beharrlichen nur durch ein Ding außer mir und nicht durch die bloße \so{Vorstellung} eines Dinges außer mir möglich.`` \par (KdrV: B 275)}}} \end{rightquote}}} \par \mbox{} \newpage \setlength{\baselineskip}{1.038\baselineskip}{ Dieses, die Erscheinungswelt zu ihrer Beharrlichkeit befähigende, absolut-metaphysische Etwas ist aber gerade nichts anderes als das \so{subjektive, (quasi-)transzendentale Schema} des ›Schematismus ohne Begriff‹! Dies ist die allen Erscheinungen zugrunde liegende Naht bzw. Verbindung zwischen dem \so{jeweiligen} Außenweltding und der hiermit korrespondierenden Dingerscheinung! -- Doch nicht einmal Kant vermag ihren transzendentalen Faden zu liefern! -- Die Gründe, dass selbst er die Idee der Existenz subjektiver, transzendentaler Schemata geradezu kategorisch ablehnt, sind letztlich folgende (vgl. auch KdU: A XXV): Wie oben (d.h. beim objektiven Schematismus) bereits gezeigt, bedarf es für jede Schema-Produktion nämlich nicht nur zweier Gegensätze, die sich (noch) unvermittelt gegenüberstehen müssen; jedes dieser \so{scheinbaren} Gegensätze muss zugleich auch noch über einen bestimmten Wesenszug (d.i. Form\emph{atiertheit}) des jeweils Anderen verfügen. Fehlt auch nur einem der beiden Gegenüberstehenden eine solche Wesensähnlichkeit (des jeweils Anderen), so ist keine Schema-Produktion, d.h. keine Vermittlung zwischen beiden, folglich kein Schematismus möglich!\qq\footnote{Oder es würde sich (falls man der \emph{hiesigen} Schemabildungstheorie nicht zustimmen und ein transzendentales Schema \emph{z.B.} über eine andere, \emph{z.B.} nicht-form\emph{atiertheits}gebundene Weise entstehen lassen oder dieses gar bloß als ein Form\emph{at} ansehen will) ein unendlich langsamer oder unendlich viel mentale Speicherkapazität beanspruchender und schon allein dadurch unmöglicher Schematismus-Prozess erwachsen.} Letzterer Fall zeigt sich aber gerade im subjektiven Schematismus! -- Obgleich sich nämlich beide potenziellen Gegensätze ausfindig machen ließen: nämlich einerseits das jeweilige Außenweltding und andererseits die raumzeitlich form\emph{atierten}\qq\footnote{Würde man hier von den reinen (raumzeitlich noch nicht formatierten) Sinnesdaten ausgehen wollen, so wäre für die subjektive Schema-Produktion durch die Einbildungskraft überall noch sehr viel mehr zu tun, da sie dann eine Million, völlig unverbundene und individuelle Einzelsignale, ohne jede Form\emph{atiertheit} (d.i. die Bedingung der Möglichkeit eines jeden transzendentalen Schemas), erwarten würde, sodass hieraus \so{nimmermehr eine einzelne empirische Einheit} bzw. Form\qq\emph{gegebenheit} der Erscheinung (samt \so{eigener, d.h. ihr selbst nur zugeteilter} Empfindungsmaterie) entstehen könnte!} Sinnesdaten (denn Kant geht von keinem sinnlichen Empfindungskontinuum aus) und sich zudem noch vermuten ließe, dass die Raumzeit-Form\emph{atiertheit} (allem Kantischen Widerstande zum Trotze) irgendwie doch mit einer Eigenart der äußeren Dingwelt in Beziehung gesetzt werden könnte, so wäre es doch immer noch eine \so{Ungeheuerlichkeit} anzunehmen, dass auch die (uns in ihrem Wesen jederzeit unerkennbar definierten) echt-äußeren, d.h. physischen ›Ding-Einheiten‹ ihrerseits \so{nach unserer Art sie wahrzunehmen oder bloß von diesen affiziert zu werden form\qq\emph{atiert} seien!} Die äußere (physikochemisch bedingte) ›Dingwelt‹ darf jederzeit nur als die Ursache sinnlicher Rezeptivität, niemals aber andersherum, d.h. in einem umgekehrten Kausalverhältnis gedacht werden (vgl. oben)! Ein solcher Gedankengang würde aber auch deshalb scheitern, weil es sich hierbei gar nicht um zwei tatsächliche Gegensatz-Einheiten, sondern in beiden Fällen bloß um viele kleine Teileinheiten (Außenwelt: Lichtwellen bzw. -quanten; Sinnlichkeit: die hieraus resultierenden, obgleich bereits durch Form\emph{atierung} in gewisser Weise gesellschaftsfähig gemachten Einzelsignale) handelt; ein subjektiver Schematismus könnte daher höchstens eine Menge Punkterscheinungen erzeugen, hieraus aber niemals die Richtschnur zu einer einzigen Intersignal-Gestalt erhalten.\footnote{Der nicht-kantische Modellansatz sinnlicher Ganzheitlichkeit (als Qualia-Kontinuum) würde hier zwar Abhilfe schaffen; es bliebe aber das Problem der Lichtvermitteltheit und das Form\emph{atierungs}problem bzgl. äußerer Dingwelt.} Denn in Wirklichkeit affizieren ja nicht die ›Dinge an sich‹ unsere Sinne (zumindest was den Gesichtssinns betrifft), sondern das Licht (d.i. elektromagnetische Strahlungsenergie!) der ›Dinge‹ unsere Netzhaut! \newpage \setlength{\baselineskip}{0.97\baselineskip}{ Doch \hspace{-0.17em}auch \hspace{-0.17em}unabhängig \hspace{-0.17em}all \hspace{-0.17em}dieser \hspace{-0.17em}modernen, \hspace{-0.17em}biophysikochemischen \hspace{-0.125em}Betrachtungsweisen \hspace{-0.125em}lässt \hspace{-0.125em}sich \hspace{-0.125em}gegen \hspace{-0.125em}die \hspace{-0.125em}Möglichkeit \hspace{-0.125em}eines subjektiven, transzendentalen Schemas, als einer absolut-metaphysischen Vermittlungsweise zwischen dem jeweiligen Wesenszug des Außenweltdings und seiner Erscheinung streiten, und zwar mithilfe bzw. innerhalb des Kantischen Modells selbst: Wenn man nämlich annimmt, dass die kategoriale Form\emph{atiertheit} der Begriffe die Wirkungsursache originärer Erscheinungen gerade deshalb nicht zu finden vermag (vgl. oben), weil jene nicht mit der der Außenweltdinge, sondern jederzeit bloß mit der Raumzeit-Form\emph{atiertheit} der Erscheinungen zusammenpasst (d.i. Wesensähnlichkeit zwischen Erscheinung und Begriff), so kann doch nicht im Umkehrschluss die Raumzeit-Form\emph{atiertheit} der Sinnesdaten ihrerseits mit der gemutmaßten Form\emph{atiertheit} der Außenweltdinge zusammenpassen (d.i. \so{Wesens\qq\textbf{un}\qqähnlichkeit zwischen Sinnesdaten-Form\qq\emph{atiertheit} und hypothetischer Außenweltding-Form\qq\emph{atiertheit}\qq)!} Es darf somit als unmöglich angesehen werden, dass die Einbildungskraft dazu imstande ist, ein subjektiv-transzendentales Schema zu produzieren, um hierdurch auch nur irgendeinen Aspekt des für uns stets unergründbaren (KdrV: A 30) Wesens eines jeweiligen ›Dinges an sich‹ mit dem der späteren Erscheinung desselben (unter der Maßgabe unserer Anschauungsform\emph{ate}) in Gleichartigkeit zu überführen (bzw. zumindest: für irgendein physikalisches Objekt ein unserer Sinnlichkeit angemessenes, ähnlich bedeutendes Äquivalenzobjekt zur späteren Wahrnehmung zu erschaffen). Wie ist es jetzt aber um die Stichhaltigkeit des klassischen (objektiven) Schematismus bestellt? Vermag denn wenigstens diese Modellvorstellung die Überwindung der berühmten Kluft zwischen den „zwei Stämmen der menschlichen Erkenntnis, die vielleicht aus einer gemeinschaftlichen, aber uns unbekannten Wurzel entspringen, nämlich Sinnlichkeit und Verstand`` (KdrV: B 29), bzw. der Erscheinungs- und Begriffswelt zu erklären? -- Weil dieser spätere (objektive, begriffsaffizierte) Schematismus niemals unabhängig, sondern in Wahrheit jederzeit abhängig von jenem (subjektiven, freien) Schematismus gedacht werden muss (denn alle objektive Erkenntnis basiert auf originären Erscheinungen), so lässt sich selbst dieser berühmte Schematismus widerlegen: Wenn nämlich \so{alle} sinnlichen (\emph{hier:} visuellen) Erscheinungen bereits im Augenblick ihrer Entstehung als schematisierte Gestalten gedacht werden müssen, so müssen doch auch \so{alle} (hörbaren) Worte, d.s. Begriffe i.e.S., und (sichtbaren) Buchstabenkompositionen, d.s. Begriffe i.w.S., (welche insgesamt als objektive Bestimmungsmittel der als nichtbegrifflich gedachten Erscheinungen bzw. als Abstraktionsprodukte aus der Reflexion über dieselben gedacht werden) nichts anderes als Schematismusprodukte darstellen: d.i. \so{\textbf{dreifacher}} Schematismus im (Kantisch modellierten) Wahrnehmungsvorgang. Denn auch hier gilt es: ein Wort (\emph{z.B.} hörbare Klangabfolge) gegenüber dem Nicht-Wort (\emph{z.B.} hörbare Stille) bzw. eine bestimmte Buchstabenkomposition (\emph{z.B.} sichtbare Schwarzabfolge) gegenüber Nicht-Buchstaben (\emph{z.B.} sichtbares Weiß) mittels Gestaltgebung zu größeren Gestalt-Einheiten, d.s. \emph{z.B.} Buchstaben (vgl.: „i``), Wörter und ganze Sätze, zusammenzufassen (bzw. im nicht-kantischen Analyse-Fall: jene sinnlich-materiell voneinander zu trennen). Ist dies der Fall, so \so{muss} zugleich aber auch jeder auf Reproduktion oder Reorganisation sinnlicher Materie -- als der Gegensatz zur sinnlich-mentalen Nicht-Materie -- fußende, die schematisierte Anschauung und/oder schematisierte Begriffswelt reflektierende Gedanke (d.i. innerlich gesprochener Begriff und/oder angeschaute Vorstellung) gleichfalls und ohne Ausnahme von schematischer Natur sein: d.i. \so{\textbf{vierfacher}} Schematismus. Es zeigt sich demnach eine \so{\textbf{unendliche} Schematismus-Abfolge} in allen Bereichen und zu jedem Augenblick der Existenz des menschlichen Gemüts (d.i. die Gesamtheit aller menschlichen Vermögen), \so{sodass schließlich geschlussfolgert werden kann, dass alles Wahrgenommene und Denken (selbst alle Begriffe), das Ich im Ganzen (als der Gegensatz zum Nicht-Ich): Produkte des Schematismus} \mbox{\so{darstellen! --}} Die Kantische Idee des Schematismus und des hinsichtlich ihres Gestaltungsproduktes (d.i. der vermeintlich quasi-empirische Umriss {[}Schema{]} einer jeden Erscheinung) „nicht völlig kongruierend`` (KdrV: A 142), also von diesem tatsächlich verschieden zu denkenden ›transzendentalen Schemas‹ können daher eigentlich nur als das Ergebnis einer Verwechslung von Ursache und Wirkung im tatsächlich erlebten Wahrnehmungsvorgang interpretiert werden. Denn das wahrnehmbare Ergebnis eines gleichwie gearteten, mentalen Verzeichnungsvorgangs (KdrV: A 141) vermag gar nicht anders als \so{sinnlich-}schematisch (d.h. als \so{ein sinnliches Getrennt- oder Unterschiedensein)} in Erscheinung zu treten bzw. stellt für die Einbildungskraft (Sinnlichkeit i.w.S.) das am einfachsten zu realisierende Wahrnehmungsäquivalent zu einer \so{stets hypothetischen} Begebenheit des Außenweltuniversums dar.\footnote{Dennoch bleibt hierin doch recht unbedacht, dass Kant als Wahrnehmungs-Metaphysiker nicht primär an psychologischen bzw. empirischen Vorgängen und Gegebenheiten interessiert war, sondern sich aufmachte: die apriorischen (im psychologischen Sinne: vorbewussten) Gründe unseres Wahrnehmungsvermögens überhaupt zu ergründen; da er sich jedoch für den ›synthetischen Weg‹ (der Erscheinungsgenese) und zugleich noch für sein dualistisches Apriori-Aposteriori-Konzept als Methode zur Auffindung wahrnehmungs-metaphysischer Gegebenheiten und Vorgänge entschied, das sich in vielen seiner Begriffe begriffsspaltend niederschlug (vgl. \emph{z.B.}: Form, Schema, Bild), endeten seine wahrnehmungs-metaphysischen Bemühungen letztlich in der Sackgasse des subjektiven Schematismus, bilden zugleich aber doch einen mächtigen Richtstrahl für jede nachfolgende Philosophie vorbewusster Wahrnehmungs- und Sinnlichkeitsaktivitäten.} Weil es sich hierbei aber auch bloß um empirische Schematismen handeln kann (obgleich wohl gewiss durch transzendentale Prozesse bedingt), muss abschließend noch einmal betont werden, dass die \so{Unmöglichkeit des Kantischen Wahrnehmungsmodells} (und infolgedessen auch seines ganzen Erkenntnismodells) lediglich\qq\footnote{Allerdings entspringt auch der Kantische Gestaltbegriff einer falschen Beobachtung, dass nämlich jede Erscheinung eine merkwürdige, bloß mental (seitens der Einbildungskraft) erzeugte und damit zugleich auch mit den Kategorien verbundene \so{Umrisslinie (ohne selbst Ausdehnung zu sein, d.h. wirklich nur linear!)} besäße, welche selbst dann noch existent und sogar anschaubar bliebe, würde man gar alle Qualia von ihrer jeweiligen Erscheinung abtrennen: eine nackte Silhouette also, gleich eines wahrnehmungs-metaphysischen Förmchens (für Qualia) der eigentlichen Erscheinung (vgl. KdrV: A 20ff. und B 161f.). Tatsächlich ist ›Gestalt‹ -- auch nach direkter Aussage von \textsc{Natalija Cimbaljuk} -- selbst bereits eine Flächenerscheinung und bloß der Ausdruck für die (vor allem: visuelle) Hervorhebung von Objekten vor ihrem Hintergrund (vgl. Figur-Hintergrund-Beziehung: zu beobachten \emph{z.B.} bei sog. Vexier- bzw. Kippbildern oder natürlich auch bei jeder semiosphärischen Figur im Vergleich zum ungemeinten Hintergrund). -- Somit ist auch die bekannte und im Grunde bereits sehr merkwürdig erscheinende Kantische Trennung von (raumzeitlicher) Ausdehnung und (transzendental-schematisch bedingter) Gestalt in keiner Beobachtung anzutreffen bzw. unterscheidbar und somit als falsche Theorie gänzlich abzuweisen; sowie zugleich ein weiterer, schwerwiegender Beleg dafür, dass der Kantische Schematismus nicht funktionieren kann und auch dass das Paradigma der sinnlichen Unhintergehbarkeit äußerer, sinnlicher Wahrnehmung nirgendwo seinen Grund findet!} jener Unmöglichkeit der Erzeugung subjektiv-transzendentaler Schemata geschuldet ist (und uns folglich auch die ganze Kantische Rezeptivität bzw. Sinnlichkeit i.w.S. gar keine Erscheinungen zu ›geben‹ vermag); man beachte hierzu auch das folgende Schaubild als Darstellungsversuch der ersten beiden (letztendlich bzw. anfänglich unmöglichen) Schematismus-Vorgänge:}}\par \mbox{ } \end{document} %%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%% SCHAUBILD %%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%