%Präambel \documentclass[11pt]{memoir} %memoir sei besser als scrbook \paperwidth=12.5cm %Seitenbreite \paperheight=19cm %Seitenhöhe % Schriftpakete für Linux Libertine \usepackage{libertine} % Linux Libertine O als Schriftfamilie \usepackage[libertine]{newtxmath} % Passende Mathematik-Schriftart und um Pfeile richtig darzustellen % Unterstützung für mehrsprachigen Text (Deutsch als Hauptsprache, Ukrainisch möglich) einschl. 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Ausgabe auf 2 Seiten \usepackage[series={A},noend,noeledsec,noledgroup]{reledmac} \usepackage{reledpar} %für deutsche Spezial-Strich-Zeichen \usepackage{newunicodechar} %Dies würde den Text immer vollkommen von oben nach unten füllen \flushbottom \setlength{\skip\footins}{7pt} % Reduziert den Abstand zwischen Haupttext und Fußnoten \setlength{\parskip}{0pt} % Kein Abstand zwischen Absätzen %Zum rechten Einschub für Zitate mit dem Befehl \\begin{rightquote}{...}\end{rightquote} : \newenvironment{rightquote} {\begingroup\leftskip=8mm\noindent} {\par\endgroup} % für ca. 1/4-Spatium mit Befehl \qq, weil 1 Spatium ca. 0.5em entspricht und 0.125em noch zu groß erscheint, daher 0.08! \newcommand{\qq}{\hspace{0.08em}} \newcommand{\yy}{\hspace{-0.08em}} %Lange Spezial-Worte, die häufig und an besonderer Stelle falsch oder unschön getrennt werden \hyphenation{voll-kom-mene} \hyphenation{Vieler} \hyphenation{Wissens-ge-sell-schaften} \hyphenation{Thea-ter-ge-schichte} \hyphenation{forschen-den} \hyphenation{alle} \hyphenation{Bild-wissen-schaft} \hyphenation{Bild-didak-tik} \hyphenation{allein} \hyphenation{etwa} \hyphenation{Wis-sen-schafts-spra-che} \hyphenation{leben-di-ge} \hyphenation{eine} \hyphenation{Bild-be-griffs-aus-le-gung} \hyphenation{Bild-wissen-schafts-dis-kus-si-on} \hyphenation{Gegen-stand} \hyphenation{reiner} \hyphenation{außer-dem} \hyphenation{keine} \hyphenation{diese} \hyphenation{ra-tio-na-li-täts-kri-tischen} \hyphenation{einer} \hyphenation{andere} \hyphenation{äußere} \hyphenation{äußeren} \hyphenation{aller} \hyphenation{neu-artiges} \hyphenation{irgend-etwas} \hyphenation{Maler} \hyphenation{Hypo-ikon} \hyphenation{Quali-zeichen} \hyphenation{allem} \hyphenation{Desiderat} \hyphenation{anderen} \hyphenation{Gegen-teil} \hyphenation{eigent-liches} \hyphenation{Theorien} \hyphenation{Abbilder} \hyphenation{dieser} \hyphenation{welches} \hyphenation{allge-meine} \hyphenation{Dinge} \hyphenation{Spezial-fall} \hyphenation{ikonische} 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%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%% \begin{document} %Verhinderung von Ein- oder Zwei-Zeilern auf neuen/alten Seiten: \clubpenalty=10000 % verhindert Absatzbeginn am Seitenende \widowpenalty=10000 % verhindert Absatzende auf neuer Seite % Seitenzahlen-Layout \pagestyle{scrheadings} % Aktiviert Kopf- und Fußzeilen \clearpairofpagestyles % Löscht Standard-Kopf- und Fußzeilen \ofoot{\pagemark} % Seitenzahl außen platzieren \setlength{\footskip}{6.5mm} % WICHTIGER Abstand von Textbereich zur Fußzeile (Seitenzahl-Position) % Startseite und Seitenzahl \setlength{\parindent}{0em} % Kein Einrücken bei Absätzen \setcounter{page}{83} % Setzt die Start-Seitennummer \setcounter{footnote}{11} % Fußnotenzähler auf 11 setzen \needspace{10\baselineskip} %für das ungebrochene Laufen von langen Fußnoten %%%%% EIGENTLICHER TEXT-BEGINN %%%%%%%%%%%%%%%%%%%%% \setlength{\baselineskip}{0.98\baselineskip}{ Mit großem Staunen, aber auch mit ziemlicher Wut im Bauch (weil wir beinahe in eine philosophische Falle getappt wären), müssen wir erkennen, dass Peirce sein „Icon`` gar nicht, wie sonst überall üblich (vgl. Kap. 1.2.1), mit dem Abbildphänomen gleichsetzt oder zumindest als logisch-sinnlichen Stellvertreter einer außenweltlichen Entität definiert; vielmehr beschreibt er es, ohne Umschweife bzw. bar jeglicher (\emph{z.B.} etymologischer) Begründung (also noch schlimmer als im Falle Halawas), \so{als eine bloß sich selbst ähnliche Erscheinung (Perzept) oder allenfalls als ein \textbf{vorübergehend unerkanntes bzw. mental-versunkenes Abbild bzw. Repräsentamen}} (worin der Begriff des Ikons vielleicht doch noch seine Begründung findet $\to$ Kap. 1.2.2.4)! Ja vielmehr noch: Im Falle seines Ikons will Peirce uns gar weismachen, dass man -- entgegen seiner eigenen Aussagen und Warnungen! -- an eine nicht-denkbare ›Sache‹ (als bloße Erscheinungsmöglichkeit oder Erstheit) denken bzw. diese (als Quasi-Repräsentamen) quasi-verzeichnen könne, ohne dabei zugleich dieselbe ›Sache‹ denken bzw. verzeichnen zu können! Warum vergisst er gerade im Falle seines erstheitlich bzw. undenkbar definierten Ikons, dass Erstheit mit gar keiner Vorstellung in irgendeiner Beziehung stehen kann bzw. von jedem Denken „völlig getrennt werden muss`` und allein schon das „Stoppen`` des Denkens (über das gerade Betrachtete), im Falle von Erstheit, bereits das „Verfliegen`` von Erstheit bewirkt (CP 1.357)? Warum begreift er denn nicht, dass es hier weder irgendein Denken an \mbox{›Etwas‹} noch an die bloße Idee der ›Möglichkeit‹ oder gar an das ›Nichts‹ selbst geben darf? -- Weil er sich selbst nicht eingestehen will, dass \so{sein Ikon im Grunde gar kein Ikon ›sein‹ kann, sondern selbst bloß Hypoikon, d.i. Sinzeichen, ist} (weil es eben doch nur ein „Repräsentamen`` sein kann {[}CP 2.276{]} bzw. alles denkende Schauen eine sofortige Verzeichnung des Erblickten durch die Gedanken bewirkt $\to$ Interpretant), sodass folglich das eigentliche Abbildphänomen (und auch jedes andere, nicht-abbildhafte Phänomen an sich) durch die Peircesche Semiotik, aber auch durch jede andere Phänomenologie, gar nicht erfasst zu werden vermag und dies geradezu das eigentliche Grundproblem aller phänomenologischen Wissenschaften darstellt!} \setlength{\baselineskip}{0.97\baselineskip}{ Wir lernen hieraus aber auch, dass das Perzept (als Erscheinung bzw. Phänomen der Sache selbst) und sein Abbild (als die gedachte Stellvertreter-Erscheinung derselben) im Betrachtungsprozess zumindest für eine kurze, unbedachte (d.h. nicht vollbewusste) Zeit \so{identisch} sind bzw. dass dieses bloß durch einen kleinen Geistesakt in den Status eines bewusst erkannten Abbildes (zurück)versetzt und zugleich von jenem unterschieden werden kann. Erst also \so{in der bewusst-epistemischen Reflexion} erkennen bzw. verzeichnen wir, unter Hinzuziehung mindestens einer außervisuellen Objekt-Eigenschaft (\emph{z.B.} durch direktes Anfassen oder eine nicht erfolgende bzw. unpassende Perspektiv-Anpassung bei Kopfbewegung), dass das \,\mbox{\so{Abbildphänomen an sich}} doch keine sich selbst identische und zeigende, visuelle Erscheinung (d.i. bewusstes Nicht-Zeichen) ›ist‹, sondern dass es bloß ein Abbild, d.h. ein visueller Stellvertreter (d.i. bewusstes Zeichen), einer anderen, aktual als abwesend bzw. nicht identisch gedachten, visuell verzeichenbaren Sache mittels Ähnlichkeitsbeziehung darstellt. Eben diesen merkwürdigen Sachverhalt, dass ein Abbild sowohl als Zeichen durch visuelle Ähnlichkeit ($\to$ Icon) als auch als visuelles Nicht-Zeichen angesehen werden kann, welches in seiner Betrachtung nur sich selbst ähnlich und sogar lebendig erscheint ($\to$ Imago), in eine einheitliche und allgemeingültige Theorie zu übersetzen, ist das große, bisher ungelöste Problem! Peirce versuchte es dadurch zu lösen, dass er sein alles fundierendes Ikon bzw. Qualizeichen (eigentlich: \mbox{\so{rhematisch-ikonisches}} \so{Qualizeichen $\to$} CP 2.244f., 2.250, 2.254f. / Kap. 1.2.2.4) als ein Zwitterwesen zwischen Zeichen(realisierung) und ursprünglicher Erstheit (ohne Einheit und Teile) beschreibt, ohne jedoch diesen postulierten Zustand bzw. Quellpunkt aller Erkenntnis selbst jemals erfahren zu haben}{\linebreak}\setlength{\baselineskip}{0.98\baselineskip}{(CP 1.318, 5.186)! Folglich können wir diese Vorstellung nur als eine sehr paradoxe Idee begreifen (welche den Geist auch insgesamt zu entfremden und gar auszusetzen vermag $\to$ Kap. 1.2.2.4!), zumal sie doch gerade auch Peirces eigenen Erstheitsideen (s. oben) und auch unseren Erkenntnissen aus dem Grundlegungskapital widerspricht und somit -- wenn man konsequent urteilt -- schlichtweg falsch sein muss! Auch verweist dies alles auf Halawas zentrale Aussagen, welche interessanterweise u.a. auch Belting ($\to$ \emph{imago}-Phänomenologie) als \mbox{\so{Hauptkritikpunkt}}\, \so{gegen eine semiotische Abbildtheorie} \mbox{anzuführen scheint:}} \par \mbox{ } \begin{rightquote}{\scalefont{0.87}{\emph{„Ein Abbild muss überhaupt erst als ein Abbild erkannt werden`` und „der Mensch kann nichts erkennen, was er nicht verzeichnen kann.`` (Halawa 2008: 46f.)}}} \end{rightquote} \par \mbox{} \setlength{\baselineskip}{1.02\baselineskip}{ \scalefont{1.021}{ Denn nach Peirce vermag eine unbedachte Erscheinung (d.i. Perzept) tatsächlich niemals einem Abbild zu entsprechen (aufgrund der \so{Identität des Repräsentamens mit seinem Objekt,} sodass dort \emph{z.B.} gilt: \emph{›abgebildeter Hund‹ = ›wirklicher Hund‹ = Ur-Objekt!}); \so{\textbf{erst}} durch die bewusste, notwendigerweise auch auf anderen (\emph{hier}: außervisuellen) Erkenntnisquellen (s. oben) fußende Schlussfolgerung und der damit immer einhergehenden Verzeichnung, ja Umgestaltung des Gesehenen, dass es nicht die Sache (Objekt) selbst ist, gründet sich das \so{semiotisch fassbare} Abbildphänomen (bzw. Abbildphänomeno-\emph{Logische}). Diese Distanz zum \so{eigentlichen} Abbildphänomen (bzw. Abbild-\emph{Phänomenalen}) ist genau das, was die \emph{imago}-Phänomenologen zu Recht kritisieren!}} \par \setlength{\baselineskip}{1.03\baselineskip}{ Nochmals anders formuliert: Ein \so{bewusst erkanntes} Abbild kann gerade deshalb niemals ein ursprüngliches, uns \so{völlig unbedacht} erscheinendes Perzept bzw. unerkanntes oder mental-versunkenes Abbild bedeuten, \so{weil jenes im Bewusstsein zumindest immer eine Erkenntnisstufe über diesem stehen muss, um nicht als das (dargestellte) Phänomen selbst angesehen zu werden!}{\linebreak}} \setlength{\baselineskip}{1.00\baselineskip}{D.h.: selbst das \emph{icono}-phänomenologische (semiotische) ›reine Ikon‹ kann in Wahrheit bloß als Interpretant bzw. hypoikonisches Sinzeichen ›existieren‹, weil es an sich bereits ein eigenständiges Verzeichnungskonzept bzw. Sinnlichkeit zersetzendes Mittel darstellt, sodass es letztendlich von Peirce selbst als ›ikonisches Zeichen‹ bezeichnet und als solches verwendet wird (und auch als Qualizeichen ebenfalls keine Bedeutung haben kann, denn auch Qualia, \emph{z.B.} Farben, ›existieren‹ nur als verzeichnete Empfindungsqualitäten im Kontext ihres jeweils nicht-verzeichneten Hintergrundes)!} \setlength{\baselineskip}{1.00\baselineskip}{ Die Peircesche Semiotik ist somit nichts anderes als eine (obgleich recht merkwürdig{\qq}\footnote{{Wir werden uns am Ende des \emph{hiesigen} Unterkapitels (1.2) noch einmal mit dem Peirceschen Ikon und dem darin angedeuteten Zwitterzustand von Sichtbarkeit zwischen einem Zeichen und Nicht-Zeichen befassen müssen. \emph{An dieser Stelle} jedoch soll das Ikon aber als in ausreichender Weise behandelt \mbox{angesehen werden!}}} konzipierte) erscheinungsbasierte Phänomenologie und ist mit allen anderen \mbox{Phänomenologien} (außer vielleicht mit der \emph{imago}-Phänomenologie Beltings $\to$ Kap. 1.2.2.2!) quasi-identisch, deren \mbox{›Untersuchungsgegenstände‹} eben die Dinge als Erscheinungen bzw. Phänomene sind (obgleich sie in Wirklichkeit doch nur deren epistemisch-progressiv gewachsene Derivate betrachten können)!} Vor allem aber ist Peirces Semiotik keine Phänomenologie, die tatsächlich auf dem Abbil\so{dphänomen} \mbox{\so{an sich}} gründen kann -- wie man eigentlich (aufgrund ihrer Ikon-Fundierung) hätte annehmen dürfen --; vielmehr zeigt sich in ihr, dass das (Hypo-){\linebreak}Ikonische, als Stellvertretererscheinung schlechthin, bereits in jedem Zeichen genuin enthalten sein muss, ja: das Peircesche Zeichen bedeutet selbst bloß das \mbox{(Hypo-)}Ikonische und verweist indirekt auf eine (im Sinne des Paradigmas) unabweisbar durchgeistete Sinnlichkeit! Über das eigentlich Phänomenale vermag weder die Peircesche Semiotik noch irgendeine andere, wissenschaftliche Phänomenologie etwas auszusagen, \so{weil eben -- dies sei noch einmal wiederholt -- alles Denken und Sprechen über originäre Erscheinungen (Perzepte und/oder Abbilder) bloß Verzeichnung des Gemeinten bewirkt und dies somit niemals das Wesen und Sein der originär unbedachten Erscheinungen selbst betrifft; und weil dabei auch noch das ›reine Abbild‹ mit seinen sichtbar dargestellten ›Erscheinungsobjekten‹ gänzlich zusammenfällt bzw. völlig identisch ist, kann \emph{an dieser Stelle} auch keine separierbare (Ab)Bildwissenschaft begründet werden (vgl. auch Grundlegung)!} \par \setlength{\baselineskip}{0.969\baselineskip}{ \so{Vor allem sind Abbilder (im semiotischen Sinne) \textbf{keine} ›\,\emph{Elementarteilchen der Erkenntnis}\,‹ (Halawa), sondern stehen immer zumindest eine Erkenntnisstufe über diesem Status} (analog \emph{z.B.} zur naturwissenschaftlichen Erkenntnis, dass Wasser doch kein elementarer Stoff ist -- wie man lange glaubte --, sondern eine Verbindung aus zwei verschiedenen Elementen)!\qq \so{Jede bewusste Erkenntnis basiert somit weiterhin (ganz im Sinne Kants) auf originären Erscheinungen, zu denen Abbilder (im semiotischen Sinne) explizit nicht gehören.} Abbilder, als begrifflich erkannte bzw. bewusste Zeichen, unterscheiden sich daher grundsätzlich nicht von anderen Zeichen (vielmehr ist es sogar so, dass alle Zeichen {[}hypo{]}ikonische, d.h. \so{qualia-existenz-mediale Wesensmerkmale} besitzen $\to$ Propädeutik II). Doch dies kann und darf nicht das Ende unserer Bemühungen bedeuten, denn es bleibt uns noch ein letzter möglicher Ausweg, nämlich: die gemeinsame Wurzel des Abbild-Phänomenalen und Nichtabbild-Phänomenalen (gar unentdeckte Qualia-Kontinua) \so{in vor-bewussten, aber dennoch quasi-erlebbaren und somit indirekt erkennbaren Zuständen und Vorgängen} zu suchen (sodass wir hierüber vielleicht doch noch das widerspenstige Wesen des Abbildphänomenalen an sich zu fassen bekommen)! -- Oder anders gefragt: Was soll das interpretierende Bewusstsein denn durch sein Ikon (als gewöhnlicher Interpretant gedacht) eigentlich interpretiert haben? Was ist das Phänomenale, das durch jede noch so kleine Interpretation gänzlich zertrümmert zu werden scheint bzw. in seinem Interpretanten nicht mehr wiederzuerkennen sei? Was genau verändert sich denn eigentlich, wenn ein echt-phänomenales Ur-Objekt zu einem repräsentativen Objekt und später gar noch zu immer höheren Interpretanten emporsteigt? Hier muss es doch irgendeine Verwandtschaft, ja sogar Ähnlichkeit (!) geben, gerade auch hinsichtlich jener Erstheit (wie Peirce sie bezeichnet), weil doch sonst gar keine Verzeichnung und auch keine höhere Erkenntnis möglich wäre (vgl. auch Kants Produktionsprinzip des Schematismus)! \mbox{Ist es nicht} eher so, dass die Verzeichnung eines Perzepts (bzw. unerkannten Abbildes) bloß eine bewusste Uminterpretation einer im Vorfeld bereits erfolgten, vorbewussten Interpretation darstellt (die uns im Bewusstsein bloß als Perzept erscheint; quasi als ein ›Drittes in der Zweitheit‹)? Doch was um alles in der Welt soll dann wiederum das Vorbewusstsein interpretieren? Gibt es dort vielleicht doch eine neue, von allen Wissenschaften bisher unentdeckte Welt? Doch bevor wir uns auch mit diesen Fragen an die einzig noch verbliebene und überaus spannend erscheinende \emph{imago}-Phänomenologie von Hans Belting wenden\footnote{\scalefont{1.00}Husserls berühmte Methode der Epoché (etc.) soll hier ausgeklammert bleiben, weil diese zum einen nicht für explizit abbildhafte Phänomene konzipiert wurde und -- nach Kenntnisstand des Verfassers -- in der tatsächlichen Wissenschaft, vor allem in prä-abbildwissenschaftlichen Kreisen, gar nicht genutzt und in der Praxis ohnehin als nicht anwendbar erscheint (weil doch auch in der Husserlschen dasselbe Problem wie in der \emph{icono}-Phänomenologie {[}Semiotik{]} besteht, dass nämlich durch kein Konzept der Welt Phänomene an sich betrachtet werden können!).}, erklären wir an dieser Stelle die \emph{Peircesche Zeichendefinition\qq}\footnote{\scalefont{1.00}Zeichen-Definition nach Peirce (in Verschränkung von CP 1.541 mit 2.274): „Ein {[}\emph{aktual erscheinendes}{]} Zeichen bzw. Repräsentamen ist der Erste Teil einer {[}\emph{zeitlich-}{]}triadischen Gedankenbeziehung \so{zu} einem {[}\emph{mental-früheren}{]} Zweiten, sein Objekt genannt, \so{für} ein {[}\emph{mental-zukünftiges}{]} Drittes, sein Interpretant genannt; das Repräsentamen steht dabei in einer derart genuin-triadischen Beziehung zu seinem Objekt, dass es fähig ist, seinen Interpretanten dazu zu bringen, dieselbe {[}\emph{zeitlich}-{]}triadische Beziehung zu seinem Objekt (für irgendeinen {[}\emph{noch zukünftigeren}{]} Interpretanten) einzugehen, in der es selbst zu diesem Objekt steht {[}\emph{um wiederum seinerseits als ein neues bzw. epistemisch-gereifteres Repräsentamen zu fungieren}{]}.`` / „{[}\emph{Anmerkung}:{]} Die triadische Beziehung ist genuin, d.h. ihre drei Teile sind durch sie in einer Weise miteinander verbunden, dass jene nicht aus einem Komplex von dyadischen Beziehungen besteht. Dies ist auch der Grund, weshalb der Interpretant (bzw. ein Drittes) nicht in einer bloß dyadischen Beziehung zum Objekt stehen kann, sondern in einer solchen Beziehung zu diesem stehen muss, in welcher das Repräsentamen selbst steht.``}\emph{, in Anwendung auf das Abbildphänomen, als die aktuell stichhaltigste} \newpage %%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%% DEFINITION C %%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%% \setlength{\baselineskip}{0.965\baselineskip}{ \scalefont{1.02} \so{\textbf{Definition des Abbildes (C)}}{\qq}\footnote{Vgl. auch: Huber 2004: 19, 27, 31-36, 46, 48, 63ff., 122ff.; Lantermann 2005: 180, 184; Majetschak 2003: 34, 41, 43, 45; Majetschak 2005: 101ff.; Nöth 2005: 50, 55f.; Sachs-Hombach 2003: 44, 78, 81, 88, 90, 134, 137, 152, 177.}: \par \vspace{+11pt} \emph{Ein Abbild ist eine direkt-visuelle Ding-Erscheinung (d.i. vermeintliches {[}Ur-{]}Objekt bzw. unerkanntes oder mental-versunkenes} \mbox{\emph{\textbf{Repräsentamen}),}} \emph{die in einer vorbewusst bedingten, visuell-dominanten Ähnlichkeitsbeziehung zur eigentlichen, aktual als abwesend verzeichenbaren Ding-Erscheinung (d.i. tatsächliches {[}Ur-{]}\textbf{Objekt}) steht und durch einen bewussten Erkenntnisschluss, mithilfe mindestens eines außervisuellen Unterscheidungsmerkmals (d.h. im Vergleich zu anderen {[}Ur-{]}Objekten), als solches interpretiert wird (d.i. \textbf{Interpretant}). Diese zeitlich-triadische Beziehung ist dergestalt, dass das bewusst erkannte, später aber meist nur indirekt-visuelle, d.h. zurückgerufene Abbild (d.i. Interpretant Nr. 1) des (Ur-)Objekts potenziell dazu bestimmt ist, wiederum als Repräsentamen für eine gleichwertige oder noch höher entwickelte Erkenntnis (d.i. \textbf{Interpretant Nr. 2}) hinsichtlich desselben (Ur-)Objekts (in Begrenztheit seines ursprünglichen Abbildes) zu fungieren.}\footnote{Man beachte hier vor allem den \so{epistemischen Schichtenaufbau des Peirceschen Zeichen-Modells} (Objekt $\to$ Repräsentamen $\to$ Interpretant = Repräsentamen Nr. 2 $\to$ Interpretant Nr. 2 = Repräsentamen Nr. 3 usw.), welcher aber gerade im Falle des Abbildes perzeptuell\linebreak doppelbödig, ja geradezu falsch zu sein scheint, weil doch das Abbild, in der eigentlichen Wahrnehmung, nicht nur als ein Stellvertreter, sondern gar als \so{ein Albertinisches Fenster zur eigentlich dargestellten Ding-Erscheinung selbst (d.i. Ur-Objekt bzw. ein ›Erstes in der Drittheit‹!)} erscheint ($\to$ Kap. 1.2.2.2);\linebreak \par dies bleibt ein Mangel und Rätsel, vielleicht sogar ein Fehler (innerhalb des Abbild-Modells C), dessen Grund im Folgenden noch weiter untersucht und letztendlich klar verstanden werden muss ($\to$ Kap. 1.2.2.4)!} \vspace{+8pt} \par \mbox{}(vgl. auch CP 1.372, 2.228, 2.242, 2.254f., 3.362, 5.181)} \newpage \setlength{\baselineskip}{1.045\baselineskip}{ Der Vollständigkeit halber sei hier noch angemerkt, dass es nach Peirce insgesamt drei Arten gibt, wie ein Repräsentamen (\emph{z.B.} ein Abbild) für ein interpretierendes Bewusstsein Bezug auf ein Objekt nehmen kann: der Interpret kann die Repräsentamen-Objekt-Beziehung zum einen -- wie soeben erläutert -- durch eine vorbewusst bedingte, \emph{z.B.} visuell-dominante Ähnlichkeitsbeziehung interpretieren, welche \so{›Ikon‹} (eigentlich: Hypoikon bzw. Drittheits-Ikon) genannt wird. Besteht hingegen (nach Erkenntnisstand des jeweiligen Interpreten) eine natürliche, d.h. als direkt bzw. physisch interpretierte Verbindung zwischen einem Repräsentamen und seinem Objekt, so spricht man von einem \so{Index.} Wird hingegen die Repräsentamen-Objekt-Relation nur allein mithilfe einer zuvor vereinbarten Festlegung (d.i. Konvention) assoziativ verzeichnet, so nennt man eine solche Zeichenrelation \so{Symbol} (vgl. \emph{z.B.} CP 2.299). Da sich Peirce in dieser Klassifizierung aber selbst nicht ganz sicher schien (weil diese in Wahrheit bloß die drei Hervorhebungsarten der in jedem Zeichen genuin enthaltenen und verschränkten drei Wesenheiten {[}nämlich: Qualia $\equiv $ Existenz $ \equiv $ Medium{]} beschreibt $\to$ Propädeutik II), deutete er selbst schon die Möglichkeit an, dass \so{›ikonische‹, indexikalische} und \so{symbolische} Repräsentamen-Objekt-Relationen, in unterschiedlichsten Mischungsverhältnissen, auch zeitgleich in jedem Zeichen (also auch in Abbildern) auftreten können. Demnach sei die Ähnlichkeitsbeziehung nicht nur auf Abbilder beschränkt und ein Abbild folglich auch kein ›rein-ikonisches‹ Phänomen (vgl. \emph{z.B.} CP 2.91, 2.302); was letztendlich darauf hinausläuft, dass auch alle anderen Zeichen ›ikonische‹ Wesenseigenschaften besitzen müssen (vgl. oben).} \setlength{\baselineskip}{0.98\baselineskip}{ Zur weiteren wissenschaftlichen Analyse von Zeichen (also auch von Abbildern) kommt man aktuell zudem nicht umhin, hier auch noch die drei berühmten, in der Praxis schon seit langer Zeit gebräuchlichen \so{Analyseebenen der} \mbox{\so{\textbf{Morrisschen (!)\,}}} \so{Semiotik} zu erwähnen: Die \so{Syntax} untersucht die Wesensmerkmale und Qualitäten (somit auch jene Hervorhebungsarten) einzelner, ›tatsächlich‹\linebreak verwendeter Zeichen, die \so{Semantik} diese zwischen Repräsentamen und Objekt (d.i. die Morrissche Bedeutungsanalyse) und die \so{Pragmatik} die epistemischen, suggestiven und/oder appellativen Verwendungsweisen von Zeichen (vgl. Sachs-Hombach 2003: 100).\footnote{\setlength{\baselineskip}{0.90\baselineskip}{\scalefont{0.99}Die drei behavioristisch und materiell fundierten Zeichendimensionen Morris' (vgl. Nöth 2000: 89ff.) sind zum Verständnis aktueller prä-ab\-bild\-wis\-sen\-schaft\-licher Positionen notwendig und dienen auch in der \emph{hiesigen} Arbeit als allgemein strukturgebendes Mittel; sie geben sich späterhin jedoch als bloße Ansammlungen von Verzeichnungssystemen (Abbildsyntax, -semantik) zwecks Bildung neuer (d.h. epistemisch gleich- oder höherwertiger) Zeichen (Abbildpragmatik) zu erkennen. -- Vielleicht lassen sich die drei Morrisschen Betrachtungsdimensionen aber auch in der Weise mit der Original-Peirceschen Zeichen-Trichotomie vereinigen, indem man einfach die jeweilige Interpretiertheit und beständige Geistesbeziehung der Zeichen in jene miteinschließt.}} Nach Sachs-Hombachs weiterer Auffassung (vgl. ebd.: 101f.) habe sich allerdings (zumindest mit Blick auf Abbilder) die These, dass die Behandlung der Syntax und Semantik an den Anfang aller semiotischen Untersuchungstätigkeit gehöre, dahingehend als unzutreffend erwiesen, weil sich die abbildsyntaktischen Beschreibungen ohne Hinzuziehung von abbildsemantischen Aspekten als teilweise mehrdeutig, die rein abbildsemantischen zudem als problematisch gezeigt hätten.\footnote{Ein interessanter Hinweis. Verliert eine eigentlich als abbildhaft verzeichnete\linebreak Ding-Erscheinung in ihrer abbildsyntaktischen Betrachtung gar ihren abbildhaften Charakter und wird jene hierin nur noch als materieller Abbildträger o.ä. oder gar als die Sache selbst \so{umverzeichnet} ($\to$ Kap. 1.2.2.3f.)?} Demzufolge sei somit einzig die Abbildpragmatik in der Verfassung: die „Basis von {[}Abbild{]}Syntax und {[}Abbild{]}Semantik`` zu bilden (siehe ebenda).} \needspace{8\baselineskip} \nopagebreak \setlength{\baselineskip}{1.005\baselineskip}{ Diese Meinung, dass alle Abbilder also immer zunächst nach ihren jeweiligen (\emph{z.B.} epistemischen) Verwendungsweisen untersucht werden sollten, ist in fast allen prä-abbildsemiotischen Diskussionsbeiträgen\qq\footnote{\setlength{\baselineskip}{0.8\baselineskip}{Vgl. Böhme 1999: 10, 134; Halawa 2008: 20, 59; Huber 2004: 15, 50f.; Lantermann: 2005: 179; Plümacher 1999: 48f.; Sachs-Hombach 1999: 13f., 17f.; Sachs-Hombach 2003; ders. 2005a: 163, 166-174; Scholz 1999: 36, 43; ders. 2000: 618f.; Wiesing 2000: 9.}} vertreten und nicht frei von Hintergedanken: hierdurch würden Abbilder nämlich doch noch als „\emph{Elementarteilchen der Erkenntnis}`` (Halawa) sachlich-indikativer, expressiv-suggestiver und/oder appellativ-imperativer Zwecke erklärt (vgl. ebd.: 79); zumal sie doch zu allen Zeiten -- insb. in der unsrigen -- zur sog. \mbox{\so{›Abbildkommunikation‹}} eingesetzt wurden und werden. Mit dieser beinahe physikochemischen Interpretationsweise (Abbilder seien epistemisch unteilbare Wahrnehmungseinheiten, quasi visuelle Erkenntnis-Atome), wäre nun endlich ein festes Fundament (weil: ἄτομος {[}átomos{]} = unteilbar, bzw. auch: unteilbares Urelement) ausgemacht, welches jeder abbildwissenschaftlichen Forschung und Systematik Stabilität und zugleich Legitimität verleihen würde. Betrachtet man allerdings sog. Vexier- bzw. Kipp-Abbilder, so scheint das Wesen der Abbildhaftigkeit keineswegs unteilbar bzw. unveränderbar, sondern stets wechselhaft (dynamisch) und nicht selten uneindeutig; dieses vermag sogar vollkommen aufgelöst und in Materialität, ja in Nichts überführt zu werden (vgl. Kap. 1.2.2.3f. und 1.3.2). Wenn sich jedoch Abbilder zu einem ›Nichts‹ zerlegen lassen, so können diese auch keine Abbildkommunikation begründen, weil diese nicht aus reinem ›Nichts‹ (\emph{d.h.} \so{\emph{nicht}:} ›nichtiges Nichts‹ $\to$ Meister Eckhart) aufgebaut sein kann. Unabhängig davon: Wie könnte denn auch eine solche Wissenschaft jemals fortgeführt, ja überhaupt auch nur begonnen werden, wenn die Frage nach dem Wesen des Abbildes, bzw.: wie es möglich ist, dass man eine erblickte Sichtbarkeit (Bild) als einen äußerlich existierenden Gegenstand oder gar als ein Abbild eines solchen Gegenstandes etc. verzeichnen kann, stets unbeantwortet bliebe (vgl. auch Halawa 2008: 20, 34, 41)? -- Man begeht einen folgenschweren Fehler, wenn man sich statt auf diese Grundfragen zu besinnen, die (epistemisch betrachtet) zweifach geschichtete Zweckmäßigkeit der Sichtbarkeit als wissenschaftliche Grundlage beschwört und hierauf eine allgemeingültige Abbildwissenschaft oder gar ›Bildwissenschaft‹, gleich eines Hauses vom Dachstuhle beginnend, zu errichten versucht, ohne hierbei die Fundamente jenes Gebäudes zu prüfen, zu befestigen oder diese überhaupt auch nur zu kennen.\footnote{\setlength{\baselineskip}{0.8\baselineskip}{„Explizierte Theorien der {[}Ab{]}Bildsyntax und -semantik fehlen jedoch nach wie vor`` (Plümacher 2005: 132).}} Die \so{›Abbildpragmatik‹ bzw. ›Pragmatik der}\linebreak \so{Bildpragmatik‹} (vgl. Anh. I) bildet den Schlussstein, nicht den Grundstein; sie ist Ernte, nicht Einsaat bildwissenschaftlicher Arbeit (vgl. Kap. 3.2: ›Postmodernismus‹); wer sich diese hingegen zur Grundlage wählt, verabschiedet sich zugleich von aller Wissenschaft. Von daher muss die \emph{hiesige} Untersuchungsrichtung, allen Widerständen zum Trotze, in die genau entgegengesetzte, d.h. in epistemisc\so{h-regressiver} Richtung fortgeführt werden; in der Hoffnung, die wahren Fundamente einer zukünftigen Wissenschaft (und Didaktik) der Sichtbarkeit doch noch ausfindig machen zu können.} \setlength{\baselineskip}{0.97\baselineskip}{ Zum Schluss und als Überleitung sei hier noch erwähnt (und Halawa zugleich seine Ehrenrettung gewährt), dass Abbilder nicht nur von \so{rein mentaler} bzw. \so{geistiger} (vgl. Definition C), sondern auch von zutiefst \so{sozialer} Natur sind (vgl. Halawa 2008: 110, 95f., 62 u. auch Kap. 1.2.2.2): denn die Verzeichnung eines sichtbaren Gebildes als Abbild oder auch als die Sache selbst (vgl. Halawa 2008: 92, 96) sei zwar das Produkt eines einzelnen Betrachters, doch müssen die hierzu verwendeten Habits und Begriffe des Individuums im Kontext eines jeden Erkenntnisprozesses aufgefasst werden, welcher sich stets als ein gesellschaftlicher Prozess zeige (vgl. Halawa 2008: 62f. und \emph{z.B.} CP 2.302).\footnote{So ist \emph{z.B.} das allgemeinbildende Schulsystem ein Versuch, unsere individuellen, sich in unseren ersten Lebensjahren größtenteils zufällig ergebenen, alltäglichen oder anderweitig grundlegenden Habits durch gemeinsame Reflexionen und Erfahrungen einander anzugleichen und inter-subjektiv zu vereinheitlichen, um sie (vor allem in Form von Begriffen) für die Kommunikation zwischen Individuen möglichst eindeutig einsetzbar zu machen.} Außerdem könne keine Erkenntnis jemals einen absoluten und ewig gültigen Wahrheitsanspruch für sich geltend machen, denn jede Erkenntnis besitze den \so{Charakter des Hypothetischen,} weil gerade bei der Konstituierung derselben stets Vermutungen angestellt würden (vgl. ebd.: 100, 107); damit wäre zumindest ein anderes Hauptargument gegen eine semiotisch bzw. allgemein wissenschaftlich begründete Abbilddefinition widerlegt: denn weil nämlich alle Erkenntnis hypothetisch angelegt sei (weil die Abduktion die Grundlage aller Erkenntnis bildet; vgl. \emph{z.B.} auch CP 7.218) und zudem jeder logische oder bloß quasi-logische Schluss auf zuvor bereits selbst geschlussfolgerten Erkenntnissen fußt (vgl. ebd.: 106 und CP 5.184-5.187), können auch ›fiktive‹ oder ›nulldenotative‹ Abbilder, welche jeweils also -- nach Auffassung des Betrachters -- auf kein \so{real existierendes Referenzobjekt} verweisen, mit der semiotischen Abbildtheorie erklärt werden (vgl. \emph{z.B.} CP 2.230). Und auch wenn Halawas Studie, seine ganze Methodik und auch Denkweise (übrigens stellvertretend für viele Prä-Abbild\-wissen\-schaft\-ler!) \emph{hier} vieler Schläge erdulden musste, so zeigt sie doch gerade in ihrem eigentlichen Kern, dass sie große Wissenschaft werden könnte, weil sie doch nicht auf der Stelle treten will, sondern letztlich gar noch über sich selbst hinausstrebt, nämlich: bis zur \so{letzten Grenze aller semiotischen bzw. phänomenologischen Wissenschaft!} Die Semiotik (als wissenschaftliche Phänomenologie) vermöge uns zwar aufzuzeigen, wie wir über unsere jeweiligen Sinneseindrücke zu Erkenntnissen gelangen (vgl. Halawa 2008: 47) -- so zeigt sie uns etwa die \so{Beziehungen} auf, die der menschliche Geist zwischen der einen und anderen Sichtbarkeit (als Abbild) herzustellen und zu welchen Zwecken (vgl. ›Abbildkommunikation‹) er diese zu nutzen oder zu verändern vermag --, doch über die eigentliche Sinnlichkeit (\emph{hier}: ›Sichtbarkeit an sich‹ bzw. Bild) vermag sie uns deshalb doch keine Auskunft zu geben. Und somit gelte auch hier die Wittgensteinsche Grenzformel:} \par \mbox{} \begin{rightquote}{\scalefont{0.85}{„\emph{Ich kann nur {[}logisch; J.F.{]} wissen, was ich auch verzeichnen kann}. Oder: \emph{Was ich nicht verzeichnen kann, darüber kann ich nichts {[}logisches; J.F.{]} denken und sagen und muss demnach darüber} \so{\emph{schweigen}``} (Halawa 2008: 60, \emph{kursive HV i.O., gesperrte HV J.F.}).}} \end{rightquote}} \end{document}