%Präambel \documentclass[11pt]{memoir} %memoir sei besser als scrbook \paperwidth=12.5cm %Seitenbreite \paperheight=19cm %Seitenhöhe % Schriftpakete für Linux Libertine \usepackage{libertine} % Linux Libertine O als Schriftfamilie \usepackage[libertine]{newtxmath} % Passende Mathematik-Schriftart und um Pfeile richtig darzustellen % Unterstützung für mehrsprachigen Text (Deutsch als Hauptsprache, Ukrainisch möglich) einschl. 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Ausgabe auf 2 Seiten \usepackage[series={A},noend,noeledsec,noledgroup]{reledmac} \usepackage{reledpar} %für deutsche Spezial-Strich-Zeichen \usepackage{newunicodechar} %Dies würde den Text immer vollkommen von oben nach unten füllen \flushbottom \setlength{\skip\footins}{7pt} % Reduziert den Abstand zwischen Haupttext und Fußnoten \setlength{\parskip}{0pt} % Kein Abstand zwischen Absätzen %Zum rechten Einschub für Zitate mit dem Befehl \\begin{rightquote}{...}\end{rightquote} : \newenvironment{rightquote} {\begingroup\leftskip=8mm\noindent} {\par\endgroup} % für ca. 1/4-Spatium mit Befehl \qq, weil 1 Spatium ca. 0.5em entspricht und 0.125em noch zu groß erscheint, daher 0.08! \newcommand{\qq}{\hspace{0.08em}} \newcommand{\yy}{\hspace{-0.08em}} \hyphenation{letzt-malig} \hyphenation{Semiotik} \hyphenation{Bild-sprache} \hyphenation{Zeichen-bereich} \hyphenation{Hellig-keit} \hyphenation{visu-elle} \hyphenation{Foto-grafien} \hyphenation{Bewegung} \hyphenation{andere} \hyphenation{ergibt} \hyphenation{Duroy} \hyphenation{Farb-empfindung} \hyphenation{Grund-empfindungen} \hyphenation{einer} \hyphenation{Ganzheits-struktur} \hyphenation{dazu} \hyphenation{unser} \hyphenation{verwerfen} \hyphenation{müssen} \hyphenation{werden} \hyphenation{Ge-wimmel} \hyphenation{somit} \hyphenation{bild-wissenschaftliche} %%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%% ABB 1 + 2 %%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%% \begin{document} %Verhinderung von Ein- oder Zwei-Zeilern auf neuen/alten Seiten: \clubpenalty=10000 % verhindert Absatzbeginn am Seitenende \widowpenalty=10000 % verhindert Absatzende auf neuer Seite % Seitenzahlen-Layout % Seitenzahlen-Layout \pagestyle{scrheadings} % Aktiviert Kopf- und Fußzeilen \clearpairofpagestyles % Löscht Standard-Kopf- und Fußzeilen \ofoot{\pagemark} % Seitenzahl außen platzieren \setlength{\footskip}{6.5mm} % WICHTIGER Abstand von Textbereich zur Fußzeile (Seitenzahl-Position) % Startseite und Seitenzahl \setlength{\parindent}{0em} % Kein Einrücken bei Absätzen \setcounter{page}{179} % Setzt die Start-Seitennummer \setcounter{footnote}{2} % Fußnotenzähler auf 0 setzen %%%%% EIGENTLICHER TEXT-BEGINN %%%%%%%%%%%%%%%%%%%%% \begin{rightquote}{\scalefont{0.85}{„Kennen diese die fachdidaktischen Konzepte ›Visuelle Kommunikation‹ und ›Ästhetische Erziehung‹ gar nicht? Solcher Verdacht kommt auf, wenn der ›{[}Ab{]}Bild-Erzieher‹ Bredekamp erklärt, der notwendige {[}ab{]}bildkritische Schulunterricht solle ›auf der Grundlage der \so{kunsthistorischen Erziehung,} wie sie bis in die 60er Jahre üblich war‹, aufbauen. Was soll das für eine Kunsterziehung gewesen sein? Und was ist {[}...{]} mit der progressiven Fachdidaktik der 70er Jahre als potenzielle Grundlage der neuen {[}Ab{]}Bildpädagogik?{}``}} \end{rightquote} \par \vspace{+10pt} \begin{rightquote}{\scalefont{0.85}{„Tatsache bleibt: die ersten theoretischen Schritte in diese {[}abbildpädagogische; J.F.{]} Richtung und erste Unterrichtsversuche mit dem Ziel, den massenmedialen {[}Ab{]}Bildsuggestionen entgegenzutreten, wurden bereits in den frühen 70er Jahren unternommen, und zwar von Kunst-\emph{Pädagogen}.`` (Junker 2004, kursive HV i.O., gesperrte HV J.F.; vgl. Ehmer 1976)}} \end{rightquote} \par \vspace{+19pt} \setlength{\baselineskip}{1.00\baselineskip}{ Nicht nur, dass die großen Wissenschaften der Kunstgeschichte\linebreak und Semiotik fahrlässig handelten, als sie die pädagogische Bewe\-gung der ›Visuellen Kommunikation‹ zu ihrer Zeit nicht unter\-stützten, gar in keiner Weise wahrgenommen haben (jedenfalls nicht in der Weise wahrnahmen, dass sich heute irgendjemand an diese zu erinnern vermag), sie versuchen sich heute gar über die gesamte ›kunstpädagogische‹ Expertise und Erfahrung hoch\-mütig hinwegzusetzen, um ihr eigenes „kunsthistorische{[}s{]}`` Theorie(!)fach in der Schule zu etablieren. -- Im Vergleich zu jenen bewundernswerten didaktischen wie auch politischen Anstrengungen der 1970er Jahre erscheint dieser heutige Versuch nicht nur dilettantisch, sondern beweist zugleich auch noch absolute Unkenntnis, ja sogar völliges Desinteresse hinsichtlich Fragen bildnerischer Erziehung (vgl. Kap. 3)!} \newpage \textbf{1.4.2.\, ›\qq Was ist Sichtbarkeit?\qq ‹}\qq \so{\textsc{(bildsyntax} {\scalefont{0.9}{\,I}}}\,\,) \par \vspace{+7pt} \setlength{\baselineskip}{1.05\baselineskip}{Auf Argumentationsgrundlage eines einfachen Materie-, Licht- und Netzhaut-Modells vermochten wir bereits alle vier Sichtbarkeitskategorien zu ermitteln: \so{d.s. visuelle Form, Helligkeit, Farbe und Bewegung} (vgl. Kap. 1.3.2), welche zwar bereits im Jahre 1977 (Kerner/Duroy 1994: I) postuliert, dort allerdings nicht hergeleitet wurden.\footnote{Das Fehlen einer Prüfinstanz macht sich im Verlauf des ersten \emph{Bildsprache}-Bandes zum einen durch eine immer größer werdende Bezugnahme auf das ›Ding an sich‹ oder allgemein auf Bildmedien, aber auch in der Ungenauigkeit und Fehleranfälligkeit der Einzeldarstellungen bemerkbar: ist der „Zeichenbereich Form``, „Helligkeit`` und „Farbe`` noch weitgehend, obgleich sich deren Unterkategorien vereinzelt vermischen (›Formbegrenzung‹ gehört zur Helligkeit) oder selbst nur einer anderen Unterkategorie angehören (›Formdimension‹ gehört zur Formqualität), dem Visuellen verschrieben, so ist der hierauf folgende „Material``-Bereich vollkommen, und jener der daran anschließenden „Bewegung`` größtenteils der ›Idee des Materialismus‹, d.h. dem ›Ding an sich‹ (oder zumindest einer bloß abbildsyntaktischen Sichtweise), verpflichtet. -- \linebreak Zudem sei außerdem noch angemerkt, dass sich auch die \emph{Bildsprache}-Autoren stark an Morris' Semiotik orientiert haben (weshalb die \emph{Bildsprache}-Semiotik auch keine wirklich kritische ist), sodass ihr eigentlicher Verdienst in der Auffindung und Beschreibung sowie Wirkungsanalyse eben jener vier visuellen Kategorien zu sehen ist.} Würden wir ferner sämtliche unserer diesbezüglichen Erkenntnisse zu einer graphischen Übersicht zusammenfassen, so erhielten wir ein einfaches Aufbaumodell (Abb. 13). Dieses entspräche einer Art \mbox{f{\hspace{+1.7pt}}o{\hspace{+1.7pt}}r{\hspace{+1.7pt}}m{\hspace{+1.7pt}}a{\hspace{+1.7pt}}l{\hspace{+1.7pt}}-{\hspace{+1.7pt}}m{\hspace{+1.7pt}}o{\hspace{+1.7pt}}r{\hspace{+1.7pt}}p{\hspace{+1.7pt}}h{\hspace{+1.7pt}}o{\hspace{+1.7pt}}l{\hspace{+1.7pt}}o{\hspace{+1.7pt}}g{\hspace{+1.7pt}}i{\hspace{+1.7pt}}s{\hspace{+1.7pt}}c{\hspace{+1.7pt}}h{\hspace{+1.7pt}}e{\hspace{+1.7pt}}n{\hspace{+1.7pt}}\,\, K{\hspace{+1.7pt}}a{\hspace{+1.7pt}}t{\hspace{+1.7pt}}e{\hspace{+1.7pt}}g{\hspace{+1.7pt}}o{\hspace{+1.7pt}}r{\hspace{+1.7pt}}i{\hspace{+1.7pt}}a{\hspace{+1.7pt}}l{\hspace{+1.7pt}}g{\hspace{+1.7pt}}r{\hspace{+1.7pt}}a{\hspace{+1.7pt}}m{\hspace{+1.7pt}}m{\hspace{+1.7pt}}a{\hspace{+1.7pt}}t{\hspace{+1.7pt}}i{\hspace{+1.7pt}}k}\linebreak \mbox{d{\hspace{+1.59pt}}e{\hspace{+1.59pt}}r{\hspace{+1.59pt}}\,{\qq} S{\hspace{+1.59pt}}i{\hspace{+1.59pt}}c{\hspace{+1.59pt}}h{\hspace{+1.59pt}}t{\hspace{+1.59pt}}b{\hspace{+1.59pt}}a{\hspace{+1.59pt}}r{\hspace{+1.59pt}}k{\hspace{+1.59pt}}e{\hspace{+1.59pt}}i{\hspace{+1.59pt}}t{\hspace{+1.59pt}}\,{\qq} ({\hspace{+1.59pt}}d{\hspace{+1.59pt}}.{\hspace{+1.59pt}}i{\hspace{+1.59pt}}.{\hspace{+1.59pt}}\, ›{\hspace{+1.59pt}}B{\hspace{+1.59pt}}i{\hspace{+1.59pt}}l{\hspace{+1.59pt}}d{\hspace{+1.59pt}}s{\hspace{+1.59pt}}y{\hspace{+1.59pt}}n{\hspace{+1.59pt}}t{\hspace{+1.59pt}}a{\hspace{+1.59pt}}x{\hspace{+1.59pt}}\, i{\hspace{+1.59pt}}m{\hspace{+1.59pt}}\, w{\hspace{+1.59pt}}e{\hspace{+1.59pt}}i{\hspace{+1.59pt}}t{\hspace{+1.59pt}}e{\hspace{+1.59pt}}s{\hspace{+1.59pt}}t{\hspace{+1.59pt}}e{\hspace{+1.59pt}}n\linebreak} S{\hspace{+1.39pt}}i{\hspace{+1.39pt}}n{\hspace{+1.39pt}}n{\hspace{+1.39pt}}e{\hspace{+1.39pt}}‹{\hspace{+1.39pt}}){\hspace{+1.39pt}},}\, welche Sachs-Hombach zwar für allgemein möglich hält, diesem aber doch selbst unbekannt geblieben ist (S. 124).\linebreak Dieses Modell entspricht jedoch (obgleich unter Abzug des Materials {[}nicht aufgenommen, weil keine visuelle Kategorie{]}\linebreak sowie unter Hinzufügung von zwei, superbildmedial begründeten Übergängen) bloß dem, was uns bereits die beiden \emph{Bildsprache}-Autoren in tabellarischer Gestalt präsentieren (vgl. Kerner/Duroy 1994: I, 276f.). \clearpage \begin{figure}[!ht] \centering \includegraphics[width=9.931cm, keepaspectratio=true]{Abb13.png} \vspace{-34.2pt} % optional: Abstand unten \end{figure} \setlength{\baselineskip}{0.97\baselineskip}{ Wie man sieht, wurde jeglicher Unrat wie: Punkt, Linie, Fläche, Raum\footnote{\emph{Anmerkung}: Das \mbox{\,\,›{\hspace{+1.49pt}}r{\hspace{+1.49pt}}ä{\hspace{+1.49pt}}u{\hspace{+1.49pt}}m{\hspace{+1.49pt}}l{\hspace{+1.49pt}}i{\hspace{+1.49pt}}c{\hspace{+1.49pt}}h{\hspace{+1.49pt}}e{\hspace{+1.49pt}}‹{\hspace{+1.49pt}}\,} bzw. \mbox{\,›{\hspace{+1.49pt}}s{\hspace{+1.49pt}}t{\hspace{+1.49pt}}e{\hspace{+1.49pt}}r{\hspace{+1.49pt}}e{\hspace{+1.49pt}}o{\hspace{+1.49pt}}s{\hspace{+1.49pt}}k{\hspace{+1.49pt}}o{\hspace{+1.49pt}}p{\hspace{+1.49pt}}i{\hspace{+1.49pt}}s{\hspace{+1.49pt}}c{\hspace{+1.49pt}}h{\hspace{+1.49pt}}e{\hspace{+1.49pt}}\,\, S{\hspace{+1.49pt}}e{\hspace{+1.49pt}}h{\hspace{+1.49pt}}e{\hspace{+1.49pt}}n{\hspace{+1.49pt}}‹} entspricht, mitsamt der Existenz des zweiten Auges und jeder Bewegung der Augen, des Kopfes usw., dem superbildmedialen Versuch der ›Natur‹, sich der in greifbarer Nähe befindlich verzeichneten, materiellen Bedingungen der Welt durch Überlagerung beider, zeitgleich entstehender, aber im Vergleich zueinander etwas verschiedenartiger Sichtbarkeitsgebilde besser habhaft zu werden. Zur Vereinfachung der Untersuchung werden wir dieses, allein für die Dinge in direkt greifbarer Nähe, nicht aber für weiter entfernte Objekte relevante Sehen vernachlässigen: \emph{Wir gehen sogar von der vielleicht nicht minder wahrscheinlichen Auffassung aus, dass das räumliche Sehen vor allem über einen Semioseakt bzgl. flächenhaft erscheinender Sichtbarkeitsgebilde, also nicht primär über ein Zwei-Augen-Sehen konstituiert wird;} denn selbst nur mit einem Auge vermag man einen Raum perspektivisch zu sehen, d.h. als solchen zu verzeichnen, und kann selbst Gegenstände mittels jenem Sehen ohne größere Schwierigkeiten ergreifen (vgl. Aubert 2007: 312-331).}, Körper\textsuperscript{4}, ›Textur‹\textsuperscript{4}, Material, ›Pixel‹ usf. verworfen, weil diese allein mithilfe der vier Sichtbarkeitskategorien bzw. ihrer quantitativen und qualitativen Eigenschaften (oder bloß über semiotische Betrachtungen) umschrieben werden können.} \clearpage \setlength{\baselineskip}{1.06\baselineskip}{ Die Sichtbarkeitskategorie der ›visuellen Form‹ zeigt uns eine Welt des Schwarz-Weiß; sie kennzeichnet die beiden Außengrenzen der Helligkeit (und ist daher eigentlich auch ihrem Gebiete zugehörig); auf diesem schmalen Grat von hellstem Licht und schwärzester Dunkelheit vermag sich uns die Formenwelt am deutlichsten und in ihrer jeweiligen Ausdrucks-Wirkung am klarsten zu zeigen. Auf diese Welt folgt das Geisterreich kategorialer Helligkeit, welches, neben dem Kontrast des Schwarz-Weiß, auch alle anderen Tonalitäten aufweist. Die Kategorie der Farbe, als Symbol und Ausdruck des Lebendigen, ist zwar von ganz eigenen Kräften und Wirkungen erfüllt, vermag sich aber zu keinem Zeitpunkt des Machteinflusses von ›visueller Form‹ und Helligkeit gänzlich zu entledigen, weil beide ihr genuin enthalten sind. Die ›Verflüssigung‹ (vgl. Metelmann 2004: 304) all jener, festgefügt erscheinender (oder bloß gedachter) Gebiete bewirkt hingegen die Dynamik ›visueller Bewegung‹, welche unter bestimmten, bildmedialen Voraussetzungen gar bis tief hinab ins Reich ›visueller Formen‹ und Helligkeiten, selbst noch in das der Farbe, zu gelangen, an anderer Stelle aber auch noch alle anderen Grundempfindungen unveräußerlich zu umschließen vermag. -- Dass dieses einfache Modell bereits viele Probleme, die in der Vergangenheit und im Zusammenhang mit der wissenschaftlichen Erfassung und Erforschung von Sichtbarkeitsgebilden aufgetreten sind, zumindest in Ansätzen zu erklären vermag, wird bereits mit dem Hinweis auf die Vielzahl von Form- und Gestaltungslehren, auf die dagegen schmale und bis heute uneinheitliche Literatur zur visuellen Farbtheorie sowie auf das ›Bild mit sieben Siegeln‹ (vgl. Metelmann 2004) bewegter Sichtbarkeit deutlich: ist der Bereich der Helligkeit\footnote{Die Helligkeit nimmt meist nur eine Mittelposition zwischen Formen und Farben ein; sie führt ein geheimes Nischendasein, obgleich ihr für die im Zweiten Teil anstehende Unterscheidung von graphischem und malerischem Bild eine zentrale Rolle zufallen wird.}, aber vor allem auch jener der ›visuellen Form‹, scheinbar leicht zu kontrollieren und führt in der sichtbarkeitskomponierenden Tätigkeit schneller zu erwünschten, wirkungsmächtigen Ergebnissen (vgl. Kap. 3.3), so scheint der Bereich der Farbe wesentlich komplexer in der Handhabung wie auch in der subjektiven Ergebnisfindung; für die ›visuelle Bewegung‹ scheint es hingegen kaum noch Greifbares zu geben: stets überwiegt eine narrative bzw. begriffliche, nichtganzheitliche oder bloß bildmediale\footnote{Selbst die \emph{Bildsprache}-Autoren führen sich auf bildmediales Glatteis, wenn sie ›visuelle Bewegung‹ mit tatsächlicher, rein physikalisch beschreibbarer Bewegung von Körpern bzw. der ›Dinge an sich‹ gleichsetzen (vgl. Kerner/ Duroy 1994: I, 196-218), denn wenn ein ›Ding an sich‹ visuell nicht erkannt werden kann, dann ist auch seine rein physikalisch beschreibbare Bewegung eine andere, d.h. eine visuelle: so kann der Fall gegeben sein, dass sich trotz vielfältiger primär-bildmedialer Bewegungen keine ›visuelle Bewegung‹ ergibt, da sich alle Bewegungen gegenseitig nivellieren oder die als gewöhnlich bewegt erscheinende ›visuelle Form‹, aufgrund ihrer Abhängigkeitsverhältnisse (vgl. Kap. 1.3.2), welche immer auch für die ›visuellen Bewegungen‹ gelten, nicht sichtbar ist, \emph{z.B.} bei visueller Gleichheit von Positiv- und Negativform (Tarneffekt).} Betrachtungsweise (\emph{z.B.} Film: Monaco 2007: 176-214), oder man diskutiert direkt über unbewegte, aber als ursprünglich bewegt verzeichnete Sichtbarkeitsgebilde (\emph{z.B.} Fotografien/›Standbilder‹ aus Film, Theater, Computerspiel, Natur, Gesellschaft usw.), d.h. über andere visuelle Grundempfindungen, nicht aber über Bewegung. Um aber ›visuelle Bewegung‹ überhaupt grundlegend studieren zu können, muss dem hierzu veranlassten Betrachter selbstverständlich auch die jeweilige ›visuelle Bewegung‹ ansichtig oder zumindest ansichtig gewesen sein; das ›Hauptproblem‹ besteht nämlich nicht in der Beobachtung von Bewegung, sondern im flüchtigen Wesen derselben (vgl. Theaterwissenschaft); zudem kann ›visuelle Bewegung‹ niemals ›an sich‹ betrachtet werden, sondern wird zumindest immer mit der Kategorie der ›visuellen Form‹ verbunden gesehen (vgl. \mbox{Abb. 13:} Direktverbindung von Form und Bewegung).} \clearpage Trotz aller Vorzüge ergeben sich auf Grundlage unseres gegenwärtigen Sichtbarkeitsmodells (Abb. 13) -- hergeleitet aufgrund einfacher Modellvorstellungen von Netzhaut und ›Licht‹ -- aber auch nicht wenige unzutreffende Annahmemöglichkeiten: so darf hieraus \emph{z.B.} niemals geschlussfolgert werden, dass eine Farbempfindung als eine visuelle Summenbildung von Form, Helligkeit, Farbton und Farbsättigung zu verstehen sei! Farbe ist keine ›Farbhelligkeitsform‹; der farbige Sinneseindruck umschließt vielmehr, als genuin verschränktes System, jene Qualitäten\linebreak untrennbar miteinander:\qq \so{ohne ›visuelle Form‹ und}\linebreak \so{Helligkeit kann Farbe im Visuellen nicht existieren!} Selbst Kerner und Duroy haben die Unzulänglichkeiten ihres\linebreak im Grunde starren Aufbau- bzw. ›Zwiebelschalenmodells‹ (eine\linebreak Art Äquivalent zum Bohrschen Atommodell) erkannt, welches doch allein für den Kontaktpunkt von ›Licht‹ und Lichtrezeptoren bzw. Lichtrezeptorfläche Gültigkeit besitzt (wie übrigens auch das Bohrsche Atommodell nur für das Wasserstoff-Atom annähernd gültig ist), nicht jedoch mehr in der Weiter\-verarbeitung der hierdurch erzeugten Signale im Gehirn bzw. im Vorgang des Sehens selbst. \so{Im eigentlichen Sehvorgang}\linebreak \mbox{w{\hspace{+2.46pt}}e{\hspace{+2.46pt}}r{\hspace{+2.46pt}}d{\hspace{+2.46pt}}e{\hspace{+2.46pt}}n{\hspace{+2.46pt}}\, a{\hspace{+2.46pt}}l{\hspace{+2.46pt}}l{\hspace{+2.46pt}}e{\hspace{+2.46pt}}\, v{\hspace{+2.46pt}}i{\hspace{+2.46pt}}s{\hspace{+2.46pt}}u{\hspace{+2.46pt}}e{\hspace{+2.46pt}}l{\hspace{+2.46pt}}l{\hspace{+2.46pt}}e{\hspace{+2.46pt}}n{\hspace{+2.46pt}}\, G{\hspace{+2.46pt}}r{\hspace{+2.46pt}}u{\hspace{+2.46pt}}n{\hspace{+2.46pt}}d{\hspace{+2.46pt}}e{\hspace{+2.46pt}}m{\hspace{+2.46pt}}p{\hspace{+2.46pt}}f{\hspace{+2.46pt}}i{\hspace{+2.46pt}}n{\hspace{+2.46pt}}d{\hspace{+2.46pt}}u{\hspace{+2.46pt}}n{\hspace{+2.46pt}}g{\hspace{+2.46pt}}e{\hspace{+2.46pt}}n}\linebreak \mbox{z{\hspace{+3.33pt}}u{\hspace{+3.33pt}}\,\, e{\hspace{+3.33pt}}i{\hspace{+3.33pt}}n{\hspace{+3.33pt}}e{\hspace{+3.33pt}}r{\hspace{+3.33pt}}\,\, a{\hspace{+3.33pt}}l{\hspace{+3.33pt}}l{\hspace{+3.33pt}}e{\hspace{+3.33pt}}s{\hspace{+3.33pt}}-{\hspace{+3.33pt}}a{\hspace{+3.33pt}}u{\hspace{+3.33pt}}f{\hspace{+3.33pt}}-{\hspace{+3.33pt}}a{\hspace{+3.33pt}}l{\hspace{+3.33pt}}l{\hspace{+3.33pt}}e{\hspace{+3.33pt}}s{\hspace{+3.33pt}}-{\hspace{+3.33pt}}b{\hspace{+3.33pt}}e{\hspace{+3.33pt}}z{\hspace{+3.33pt}}i{\hspace{+3.33pt}}e{\hspace{+3.33pt}}h{\hspace{+3.33pt}}e{\hspace{+3.33pt}}n{\hspace{+3.33pt}}d{\hspace{+3.33pt}}e{\hspace{+3.33pt}}n{\hspace{+3.33pt}},}\linebreak \so{visuellen (nicht-imdahlschen) Ganzheitsstruktur (d.i. Bild bzw. Sichtbarkeitsgefüge) zusammengefasst bzw. komponiert (d.i. ›Bildsyntax i.w.S.‹),} welche in dieser ihrer Einheit samt Wirkung bekanntlich nur im Modus des formalen Sehens aufgefasst werden kann. Darin wechselwirken aber nicht nur bloß die ›inneren‹ mit den jeweils ›äußeren‹ Kategorien (des bisherigen Sichtbarkeitsmodells: vgl. Abb. 13), sondern vor allem auch (und dies muss besonders betont werden) die ›äußeren‹ Kategorien mit ihren jeweils ›inneren‹!\qq\footnote{Bzgl. Wechselwirkungen ›äußerer‹ mit ihren jeweils ›inneren‹ Kategorien: \textbf{\emph{Helligkeit} $\to$ \emph{›visuelle Form‹}}: vgl. Kerner/Duroy 1994: I, 86f.; bzgl. \textbf{\emph{Farbe} $\to$ \emph{›visuelle Form‹ und Helligkeit}}: vgl. ebd.: I, 155, 161ff.; bzgl. \textbf{›\emph{visuelle Bewegung‹} $\to$ \emph{›visuelle Form‹ und/oder Helligkeit und/oder Farbe}}: vgl. ebd.: I, 199-202.} -- Anders\linebreak \par \vspace{-15pt} \setlength{\baselineskip}{1.01\baselineskip}{ gesprochen werden wir gerade durch Kerner und Duroy dazu aufgefordert: über Kerner und Duroy hinauszugehen, d.h. unser erstes Sichtbarkeitsmodell (Abb. 13) dahingehend\, zu verwerfen, dass im tatsächlichen Sehvorgang nicht nur alle visuellen Grundempfindungen \so{zur Einheit gebracht} vorgestellt\linebreak werden müssen, sondern \so{dass eine Veränderung in einer Grundempfindung immer auch eine Veränderung in allen anderen hervorruft.} Diese Vorstellung des Zusammenfalls aller kategorialer Ebenen ruft in uns ein \so{Gefühl großen Unbehagens} hervor, welches aber nicht das Ende aller Bildwissenschaft, sondern lediglich den ersten Zugang zu derselben überhaupt bedeutet: dieses Bauchgefühl zeigt uns nämlich erst die Richtung an, in welche sich die neue Wissenschaft der Sichtbarkeit zu wenden habe: denn nicht bloß im Kopf, nicht im logischen Denken alleine kann bloße Sichtbarkeit eigentlich erfahren und erforscht werden, sondern vor allem in Verbindung mit der emotional begründeten ›Weisheit des Bauches‹ (Luczak 2000: 162; vgl. Kap. 2.2f.). -- \emph{Doch wo ist der Beweis (den übrigens auch die beiden Bildsprache-Autoren vermissen lassen), dass visuelle Formen, Helligkeiten, Farben und Bewegungen tatsächlich gleichzeitig auftreten und sich gegenseitig zu befördern und zu behindern vermögen; wie soll dies überhaupt möglich sein?} -- Zur Beweisführung: man begebe sich in einen vollkommen abgedunkelten Raum (oder schließe mit vorgehaltenen Händen einfach die Augen) und beobachte das als ›absolute Dunkelheit‹ verzeichnete Sichtbarkeitsgebilde eine Zeit lang. -- \emph{Was ist zu sehen?}\linebreak -- Man sieht „ein im fortwährenden Wechsel begriffenes Gewimmel von schwer zu beschreibenden Lichtpunkten, Lichtlinien und Lichtflecken, welches über das ganze Gesichtsfeld\linebreak \par {\vspace{-15pt}}} \setlength{\baselineskip}{0.949\baselineskip}{ verbreitet ist`` (Aubert 2007: 333) mit einer ebenso wechselvollen Farbigkeit, d.h. man erblickt die \so{sinnlichen, ja lebendigen Bedingungen unseres eigenen Sehvorgangs,} welche uns bereits die großen Möglichkeiten des formalen Sehens buchstäblich vor Augen führen: denn genau dieses „Gewimmel`` (nicht zu verwechseln etwa mit den ›Mouches volantes‹ o.ä.!), welches zugleich auch ein solches (oder anderes) Unbehagen hervorzurufen vermag, kann durch unterschiedlichste Bildmedien in ein dem ›Kopfe‹ wie dem ›Bauche‹ gleichermaßen angemessenes Gefüge gebracht werden und hierdurch zugleich ein erkenntnisreiches Spiel in den Gemütskräften eröffnen, welches von keiner Sprache beschrieben oder gar ersetzt zu werden vermag (vgl. Kap. 2.2f.). \emph{Wissenschaft der Sichtbarkeit (d.i. Bildwissenschaft) kann nur durch die eigene, zugleich komponierende Hervorbringung von Sichtbarkeit im Vorgang des Sehens erreicht werden, erfordert somit visuelle Außenwelt-Aktivität und verurteilt diesbezügliche, erfahrungsunabhängige Begriffsimporte: denn nichts darf dem Bildwissenschaftler (wie auch dem Bilddidaktiker) aus zweiter Hand als glaubwürdig erscheinen, als das, was er selbst in ›Erfahrung‹ bringen konnte!\,}\footnote{Diese Forderung entspricht keiner Verunmöglichmachung aller Bildwissenschaft, sondern geradezu einer einfach zu realisierenden Aufgabe (vgl. \emph{z.B.} Kap. 1.2.2.3: ›visuelle Beweisführung‹); wie es auch die gute Pflicht eines jeden Bildwissenschaftlers bzw. eines hierzu veranlassten Menschen ist, sich intensiv und langfristig in sichtbarkeitskomponierenden Tätigkeiten zu bemühen (vgl. Kap. 3.2), denn das bloße Sehen alleine ist ohne diese andere Anstrengung vergebens bzw. gar nicht erkennend und schafft jederzeit nur neue Probleme und Fehlvorstellungen.} \emph{-- Nicht dass die Prä-Abbildwissenschaftler ihre Wissenschaft nicht redlich betrieben hätten, sondern dass sie diese wie eine rein begriffliche Wissenschaft bloß redlich betrieben haben, muss ihnen zum Vorwurf gemacht werden:}} \newpage \so{\emph{Nicht als eine Verzeichnungswissenschaft für Sichtbarkeit, sondern als eine Wissenschaft im Wechselspiel der Sehmodi muss Bildwissenschaft betrieben werden,}} \emph{um ihrem eigenen ›Forschungsgegenstand‹, als die allein im ganzheitlichen Sehvorgang existenzfähige und erfahrbare Sichtbarkeit, überhaupt gegenübertreten zu können! Doch zur Erlangung des anderen Sehmodus muss nicht wenig geleistet werden, denn gerade wegen des im Grunde} \so{\emph{ein-fachen}} \emph{Wesens desselben bedarf es nicht nur kurzzeitiger, sondern langjähriger und kontinuierlicher sichtbarkeitskomponierender Erfahrungstätigkeit; und selbst dann ist die Erlangung dieses Zieles noch längst nicht gewiss, kann im Gegenzug aber auch sehr viel früher erreicht werden:} \so{\emph{alle bildwissenschaftliche Tätigkeit besitzt Spielcharakter,}} \emph{welche zwar Regeln, jedoch kein endgültig erreichbares, gar objektives Ziel kennt (vgl. Kap. 2.2), auch keine Versprechungen über erlernbare Fähigkeiten oder Erkenntnisse zu geben vermag, sondern dem Wesen und der Frage des Menschen selbst am allernächsten steht.} \end{document}