%Präambel \documentclass[11pt]{memoir} %memoir sei besser als scrbook \paperwidth=12.5cm %Seitenbreite \paperheight=19cm %Seitenhöhe % Schriftpakete für Linux Libertine \usepackage{libertine} % Linux Libertine O als Schriftfamilie \usepackage[libertine]{newtxmath} % Passende Mathematik-Schriftart und um Pfeile richtig darzustellen % Unterstützung für mehrsprachigen Text (Deutsch als Hauptsprache, Ukrainisch möglich) einschl. 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Tafel II: Abb. 19f.); beginnen wir ferner\linebreak mit dem wohl merkwürdigsten, jedoch stets unkritischst rezipier\-ten oder bloß wiedergegebenen Ergebnis Imdahlscher Hermeneutik hinsichtlich derselben: \so{\emph{der} ›Schräge‹.} Gemäß Imdahlscher Interpretation (Imdahl 1980: 93ff., HV J.F.)\linebreak bestehe die „ikonische Qualität`` der ›Gefangennahme‹ in einer „{[}Ab{]}Bildlichkeit, welche sowohl den Anspruch auf eine formale, in sich selbst sinnvolle Ganzheitsstruktur erfüllt als auch -- in Erfüllung dieses Anspruch{[}s{]} -- den Sichtbarkeitsausdruck einer\linebreak komplexen szenischen Situation liefert``. In diesem Bezug weist Imdahl insbesondere auf eine \so{„Schräge``} hin, welche „von einer Keule zur Linken durch die Köpfe von Jesus und Judas hindurch auf den Zeigegestus des Pharisäers zur Rechten hinführt`` (vgl. Tafel II: Abb. 20). Aufgrund dieser über die gesamte\linebreak „{[}Ab{]}Bildbreite`` erstreckenden ›Schräge‹ (d.i. visueller Richtungs\-wert von links nach rechts bzw. bloß ein ›Zweites in der Erstheit‹) würden ganz unterschiedliche Figuren und Gruppen von Figuren auf sich bzw. aufeinander bezogen, sodass erst infolge dieser\linebreak „maßgebend{[}en{]}`` Bedingung die „Komposition``\footnote{\so{›Komposition‹ (\qq\emph{nach Imdahl}\qq) =} ein „ganzheitliche{[}s{]} System, in {[}welchem{]} die einzelnen {[}Ab{]}Bildwerte durch Größe, Form, Richtung und Lokalisierung im {[}Ab{]}Bildfeld auf das {[}Ab{]}Bildformat Bezug nehmen und dessen\linebreak Organisationsform bilden. {[}...{]} Sie {[}ist{]} eingespannt in eine klare Konstellation bestimmter Schrägen und Senkrechten, die das {[}Ab{]}Bildganze aktivieren`` {[}sic!{]} (Imdahl 1980: 21; vgl. auch ebd.: 58).} zur „Einheit`` gebracht werde. Denn „{[}w{]}äre zum Beispiel der Zeigegestus\linebreak des Pharisäers nicht oder nicht so gegeben, zerfiele das {[}Ab{]}Bild; es hörte auf, ein dem sehenden Sehen evidentes {[}abbild{]}syntak\-tisches Gefüge zu sein``. Obgleich abbildsyntaktisches Gebilde, welches nach Meinung Imdahls zu dieser, das sehende Sehen\linebreak aktivierenden Leistung (als Wirkung in Bezug auf den Betrachter) imstande sei, bedinge die ›Schräge‹ aber auch die „semantische Komplexität`` der dargestellten Szene: denn gerade erst mittels derselben vermöge sich die Jesusfigur aus ihrer passiven Rolle,\linebreak in welche sie durch die Umschließung des Judas und den en\-gagierten Zeigegestus des Pharisäers einschließlich der ihm\linebreak folgenden Soldaten gebracht werde, selbstbewusst zu erheben; Jesus überrage Judas hierdurch auch an Körpergröße, sodass er\linebreak aktiv und in der Rolle des Überlegenen auf diesen hinabblicke:\linebreak \mbox{„{\hspace{+3,23pt}}D{\hspace{+3,23pt}}i{\hspace{+3,23pt}}e{\hspace{+3,23pt}}\,\, S{\hspace{+3,23pt}}c{\hspace{+3,23pt}}h{\hspace{+3,23pt}}r{\hspace{+3,23pt}}ä{\hspace{+3,23pt}}g{\hspace{+3,23pt}}e{\hspace{+3,23pt}}\,\, i{\hspace{+3,23pt}}s{\hspace{+3,23pt}}t{\hspace{+3,23pt}}\,\, e{\hspace{+3,23pt}}i{\hspace{+3,23pt}}n{\hspace{+3,23pt}}e{\hspace{+3,23pt}}\,\, d{\hspace{+3,23pt}}e{\hspace{+3,23pt}}r{\hspace{+3,23pt}}\,\, w{\hspace{+3,23pt}}i{\hspace{+3,23pt}}c{\hspace{+3,23pt}}h{\hspace{+3,23pt}}t{\hspace{+3,23pt}}i{\hspace{+3,23pt}}g{\hspace{+3,23pt}}s{\hspace{+3,23pt}}t{\hspace{+3,23pt}}e{\hspace{+3,23pt}}n}\linebreak \so{szenischen Sinn gebenden Erfindungen in Giottos {[}Ab{]}Bild der Gefangennahme,} denn in ihr sind offensichtlich Daten der Unterlegenheit und der Überlegenheit Jesu wechselseitig ineinander transformiert``. Eine solche „Ganzheitsstruktur`` (bzw. wohl genauer: ›Ganzheit gebende Struktur‹), welche nach Imdahl dem Betrachter (neben der Fähigkeit zum pseudo-ganzheitlichen Sehen) auch noch eine „inhaltlich komplexe Anschauungseinheit`` zu eröffnen bzw. im Fall der ›Gefangennahme‹ und zu dem bereits Gesagten hinzutretend: die Ergreifung Jesu zum Zeitpunkt des szenisch entscheidenden Wendepunkts (Judas-Kuss) mittels ihres Ausdrucks alle gegen Jesus gerichteten Handlungen in das „Zeichen`` seiner allüberragenden Macht und Erhabenheit zu überführen vermöge, bezeichnet Imdahl als eine „Leistung ikonischer Sinndichte``, welche „außerhalb der Malerei als unmittelbare Evidenzerfahrung unvorstellbar`` {[}sic!{]} sei.} \setlength{\baselineskip}{1.06\baselineskip}{ Obgleich die ›Ikonik‹, im Vergleich zur bloß begrifflich verfahrenden ikonographisch-ikonologischen Analysenmethode Erwin Panofskys (Kaemmerling 1979), einen bedeutenden Fortschritt darstellt, bleibt jene dennoch hinter ihren eigenen Forderungen zurück: der angestrebte Wechsel der Sehmodi zeigt sich in der Praxis bloß als ein Wechsel der Verzeichnungssysteme (›visuelle Wirklichkeit‹ $ \leftrightarrow $ ›Planimetrie‹), d.h. der Betrachter verbleibt in seinen abbildsemantisch-abbildsyntaktischen Sphären, denn der Anblick \emph{z.B.} der ›Gefangennahme‹ Giottos oder gar nur jenes Analyseergebnisses hinsichtlich derselben vermag niemanden zum anderen Sehmodus zu befähigen (S. 128).\footnote{Diese Aussage besitzt für alle ›sichtbarkeitsanalytischen‹ ›Skizzen‹ etc. d.s. eigentliche ›Kompositionsskizzen‹ (s. unten) Gültigkeit, ist Grundproblem derselben überhaupt: denn ohne eigene, sichtbarkeits-komponierende Tätigkeit kann dem Rezipienten derselben weder eine solche Analyse noch alle anderen seit Kap. 1.4.2 vorgetragenen ›Ergebnisse‹ vollkommen verständlich, gar beweiskräftig vorgetragen werden.} Die ins Sichtbarkeitsgefüge Giottos ›hineingesetzte‹, d.h. die das visuelle Gefüge im ganzheitlichen Sehen vollkommen verändernde (S. 116: Fußnote 9) Linie (vgl. Abb. 20) wirkt sich hingegen gar \so{manipulativ} auf \so{beide} Sehmodi aus, zumal dem unkundigen Betrachter keinerlei Prüfinstanzen angeboten werden: \emph{Aber nicht etwa bezüglich der bildsemantisch-abbildsemantischen Ausweisung der „sehend gesehenen`` ›Schräge‹ (Imdahl 1996: 434) muss Kritik geübt werden, sondern hinsichtlich jener Auffassung, dass diese die wichtigste oder gar einzig bedeutsame bzw. „szenischen Sinn gebende`` Erfindung Giottos im Wechselspiel der Sehmodi mit Blick auf die ›Gefangennahme‹ darstelle! Imdahl unterschlägt uns diesbezüglich nämlich nicht nur die Tatsache, dass die notwendigerweise freispielend agierende, emotional bedingte (und im Falle begrifflicher Assoziate: auch analytisch erfolgende) Bedeutungsauslegung jeweiliger Sichtbarkeitsgebilde niemals zu endgültigen Ergebnissen gelangen kann (denn alle freien Spiele sind mit Blick auf ihre jeweiligen Ergebnisse offen und in ihrem Ausgang zugleich variabel definiert), sondern ignoriert oder übersieht zudem auch noch alle nicht-linearen, d.h. visuell-kategorialen und ganzheitlichen (insb. bildrhythmischen) Aspekte, beschränkt sich gar auf ein bloß lineares, d.h. nicht flächenhaft (S. 167f.) aufgefasstes, abbildsyntaktisches Verzeichnungssystem!}} \newpage \setlength{\baselineskip}{1.03\baselineskip}{ Im Vergleich hierzu zeigt sich etwa der Methodenansatz von Johannes Itten, der zwischen 1919 und 1923 auch am legendären ›Bauhaus‹\footnote{Dass die pädagogischen und ›künstlerischen‹ \so{Ziele des Bauhauses (1919-1933)} letztendlich doch nicht bloß dem ›Bau‹ alleine, sondern geradezu dem \so{„gesamten Bereich der visuellen Künste``}\linebreak galten, stellte Walter Gropius, dem Begründer des Bauhauses, in der Retrospektive selbst fest (Gropius, in: Schlemmer 1965: 87, HV J.F.); zudem verfolgten -- nach seiner Auffassung -- die Bauhaus-Lehrer den Grundsatz: keinen Zwang ihrerseits auf die Studenten auszuüben, aber auch keine bloßen „Imitationsversuch{[}e{]}`` vonseiten der Studenten hinsichtlich derselben Werke zuzulassen; stets waren sie um Anregungen bemüht, um die Studenten bei ihrem eigenen Weg in die Welt der Sichtbarkeit bzw. bei ihrer „Suche`` nach einer „eigenen Haltung`` hinsichtlich derselben zu unterstützen (vgl. ebd.).} in Weimar lehrte, sehr viel offener und der Sichtbarkeit gegenüber überhaupt zugewandter (vgl. Wick 1984: 30; Itten 1988); seine auf Adolf Hölzels Anregungen zurückgehenden \emph{Analysen alter Meister}, welche auch Thema in Ittens Unterricht waren, wurden nach Aussagen Rainer Wicks nicht etwa im Stile kunsthistorischer Tätigkeit betrieben (vgl. \emph{z.B.} auch den Methodenansatz des von den Prä-Abbildwissenschaftlern geforderten, neuen Schulfachs!), aber auch nicht im bloß Imdahlschen Sinne, sondern „über die Empfindung, durch die \so{Einfühlung in das Bild}\qq\footnote{Das zu Besprechende bezieht sich gleichfalls auf die \emph{hiesige} (postmodernistische) Bilddefinition.}{\hspace{+0.3pt}}``. Außerdem ging es bei solcher Art von Analysen nicht um die Suche nach irgendwelchen planimetrischen ›Ganzheitsgestalten‹, sondern darum: „im eigenschöpferischen Nachvollzug gleich\-sam die Essenz des Gemäldes freizulegen``. Itten selbst bezeichnete dies als den Versuch: \so{das} \mbox{„{\hspace{+1,66pt}}W{\hspace{+1,66pt}}e{\hspace{+1,66pt}}s{\hspace{+1,66pt}}e{\hspace{+1,66pt}}n{\hspace{+1,66pt}}t{\hspace{+1,66pt}}l{\hspace{+1,66pt}}i{\hspace{+1,66pt}}c{\hspace{+1,66pt}}h{\hspace{+1,66pt}}e{\hspace{+1,66pt}}\, a{\hspace{+1,66pt}}u{\hspace{+1,66pt}}s{\hspace{+1,66pt}}\, d{\hspace{+1,66pt}}e{\hspace{+1,66pt}}m{\hspace{+1,66pt}}\, K{\hspace{+1,66pt}}u{\hspace{+1,66pt}}n{\hspace{+1,66pt}}s{\hspace{+1,66pt}}t{\hspace{+1,66pt}}w{\hspace{+1,66pt}}e{\hspace{+1,66pt}}r{\hspace{+1,66pt}}k{\hspace{+1,66pt}}\, z{\hspace{+1,66pt}}u{\hspace{+1,66pt}}\, e{\hspace{+1,66pt}}r{\hspace{+1,66pt}}f{\hspace{+1,66pt}}ü{\hspace{+1,66pt}}h{\hspace{+1,66pt}}l{\hspace{+1,66pt}}e{\hspace{+1,66pt}}n{\hspace{+1,66pt}}``{\hspace{+1,66pt}};}\linebreak die eigentliche Tätigkeit in seinen Kursen bestand in der „Darstellung des Gefühls`` mithilfe von Hand und Kohlestift auf Papier. Zentrales Unterrichtsziel war die Entwicklung der Fähigkeit: genau jenes Wesentliche „zu fühlen und darzustellen``.\linebreak Dass sich auch Itten auf die Überführung in den ganzheitlichen,}\linebreak \par \vspace{-16pt} \setlength{\baselineskip}{0.88\baselineskip}{ ja formalen Sehmodus verstand und diese zugleich auch als die zur ›Bildanalyse‹ notwendige Fähigkeit ansah, beweist der hieran direkt angeschlossene Satz, dass man nämlich „{[}e{]}in Kunstwerk immer als Ganzes schauen {[}lernen muss; J.F.{]}, ohne dass der Wille Einzelheiten heraushebt`` (vgl. Wick 1984: 96f., HV J.F.). Ittens bilddidaktische Zielsetzung endet auch nicht bloß in der reinen Ausübung des anderen Sehmodus, sondern stellt sich zugleich die unsrige Aufgabe: nämlich ein Wechselspiel beider Sehmodi hervorzubringen bzw. zwischen „Fühlen \emph{und} Denken, Intuition \emph{und} Intellekt, Expression \emph{und} Konstruktion`` zu vermitteln; das sich hieraus ergebende Spannungsgefüge sei zudem für die gesamte „Bauhaus-Pädagogik`` charakteristisch (vgl. Wick 1984: 97f.); so gelte Ähnliches \emph{z.B.} auch für die\linebreak Lehren Wassily Kandinskys (vgl. ebd.: 98). Das\, \so{Prinzip der}{\linebreak} \so{›Analyse visueller Komposition‹}{\qq}\footnote{Die ›emotionale Zerlegung‹ von Sichtbarkeit macht buchstäblich jedoch nur dann Sinn (in Abhängigkeit zum Erkenntnisstand des jeweiligen Betrachters), wenn ein visuell-komponierender Mensch einem jeweils zu analysierenden Sichtbarkeitsgebilde als willentlich bestimmende Kraft und Geistigkeit vorausgesetzt werden kann. Diesbezüglich würde es etwa, nach unserem heutigen Wissensstand, keinen \so{epistemischen} Sinn machen: Kompositionsanalysen der Mondflecken zu betreiben. -- Andererseits kann es aber trotzdem einen sehr großen \so{echt-sinnlichen} Sinn haben: natürliche bzw. als chaotisch oder willkürlich verzeichenbare Kompositionen (\emph{z.B.} Landschaft, Pflanzen, Tiere usw.) hinsichtlich ihrer meist sehr lustfördernden Konstrast-Spiel-Eigenschaften bildpraktisch zu untersuchen (S. 55f.)! -- Zur Definition des \so{schöpferischen} Kompositionsbegriffs schließen wir uns Itten mit Blick auf die folgende Aussage an, wollen aber unter dem Flächenbegriff keine materielle Oberfläche etc., sondern die Sichtbarkeit selbst verstehen: \so{„Das Komponieren eines} \so{Bildes ist vor allem ein Problem der {[}ganzheitlichen; J.F.{]} Flächeneinteilung und deren [formalen; J.F.] Ausdrucksfähigkeiten.``} (Itten 1988: 148, HV J.F.; vgl. auch ebd.: 90-125 sowie den \so{allgemeinen} Kompositionsbegriff als Sichtbarkeitsgefüge: S. 153: Fußnote 19).} (vgl. auch Itten 1988: 21-31 und Imdahl 1980: 45) bzw. das verzeichnete\linebreak Produkt (d.i.{\,}\so{›Kompositionsskizze‹}){\,} derselben bildnerischen Tätigkeit besteht gerade darin: die zu ›analysierende‹\linebreak visuelle Komposition nicht einfach zu ›kopieren‹, sondern das}\linebreak \par \vspace{-13pt} \setlength{\baselineskip}{0.99\baselineskip}{ Wesentliche, ja geradezu die emotional-assoziative, d.h. bildse\-mantisch-abbildsemantische \so{Essenz} eines solchen ›so und nicht anders seienden, verändernden‹ Sichtbarkeitsgefüges „im eigenschöpferischen Nachvollzug gleichsam {[}...{]} freizulegen``. Es erfolgt hierbei also kein bloßer Erkenntnisgewinn aufgrund der Variabilität eigener, visueller Verzeichnungsstätigkeit (vgl. Kap. 1.2.2.4), sondern vielmehr ein \so{nicht-aisthetisches, d.h. ›schweigendes‹ Lernen} hinsichtlich visueller Gebilde an sich betrachtet. -- \emph{Entspricht dies denn nicht auch der\linebreak tatsächlichen Bedeutung jener Aussage Kants, dass die „Beispiele der schönen Kunst`` als} \so{\emph{echt-sinnliche „Leitungsmittel``}} \emph{(d.h. im Falle des bildpraktischen Nachvollzugs) für solcherart Tätige, zwecks} \so{\emph{Einsicht in verborgene Gesetzmäßigkeiten und Wirkursachen echt-sinnlicher Kompositionen,}} \emph{dienen können (S. 55ff.)?} -- Wozu sollte ein sichtbarkeits-komponierender Menschen denn sonst den Aufwand einer bildpraktischen ›Kompositionsanalyse‹ betreiben, wenn es ihm nicht darum ginge, ›geheime‹ Kenntnis über die jeweiligen\,\, \mbox{v{\hspace{+2.12pt}}i{\hspace{+2.12pt}}s{\hspace{+2.12pt}}u{\hspace{+2.12pt}}e{\hspace{+2.12pt}}l{\hspace{+2.12pt}}l{\hspace{+2.12pt}}e{\hspace{+2.12pt}}n{\hspace{+2.12pt}}\, G{\hspace{+2.12pt}}r{\hspace{+2.12pt}}ü{\hspace{+2.12pt}}n{\hspace{+2.12pt}}d{\hspace{+2.12pt}}e{\hspace{+2.12pt}}\,\,} eines bestimmten Sichtbarkeitsausdrucks zu erlangen -- vermag er doch die Ganz-{\linebreak}heit\so{swirkung} desselben Gefüges im formalen Sehmodus ohne Umschweife zu erfahren -- ?\qq\footnote{Der andere Sehmodus kann umgekehrt aber auch durch solcherart Übungen (in sichtbarkeits-komponierender Tätigkeit) überhaupt erst ermöglicht werden.} Diese bildpraktische Einsicht (auch und vor allem zur ›Kontrast-Spiel-Regel‹) vermag in keiner Weise lehrhaft vermittelt, an sich auch nicht irgendeinem äußerlich definierbaren Ziele zweckdienlich gemacht zu werden: die ›Kompositionsanalyse‹ findet ihre Erkenntnisse zwischen Anfang und Ende ihrer spielerischen, bildnerischen Tätigkeit; das jeweilige Ergebnis (d.i. die ›Kompositionsskizze‹) bezieht sich immer nur auf diesen Vorgang (visuellen Spielens), stellt geradezu nur eine ›Erinnerungshilfe‹ desselben dar, und kann ohne diesen auch nicht verstanden werden -- es sei denn der Betrachter verfügt selbst über ausreichende Erfahrung einer (nicht zu lange zurückliegenden) Tätigkeit beschriebener Art, denn wie alle praktische Erfahrung entschwindet (natürlich in Abhängigkeit ihrer Intensität) bald auch die bildnerische. Hinzutritt, dass erst in einer Vielzahl unterschiedlich gewichteter\textsuperscript{13} ›Kompositionsskizzen‹ eine Bildwirkung annähernd (obgleich nicht-semiosphärisch und emotional bedingt) geklärt zu werden vermag, ohne hierbei natürlich jemals an einen Punkt zu gelangen, von welchem aus niemals wieder etwas Neues zum Vorschein träte: Denn ›Kompositionsanalysen‹ ›lehren‹ solcherart Tätigen keine ›normativen Kompositionsschemata‹, sondern vermögen diesen vor allem \so{Entwicklungspotenziale}\linebreak \so{eigener Kompositionstätigkeit} aufzuzeigen. Erst in der \so{Variation} visueller Schwerpunktsetzungen\footnote{Bei Itten insb.: Form-, Helligkeits-, Rhythmen-, Proportions- und Farb-Analyse (vgl. Itten 1988 und Tafel III); entgegen Ittens Verständnis ist aber jede Analyse zugleich emotional bedingte Ausdrucks-Analyse, welche sich für die quasi-logische Assoziation und Vermittlung hieraus gewonnener Erkenntnisse aber immer auch im Wechselspiel der Sehmodi befinden muss, weil diese ansonsten nur für den jeweils Tätigen in ›Gestalt‹ nicht-semiosphärischer Erkenntnis hinsichtlich ganzheitlich aufgefasster Sichtbarkeit allein wertvoll blieben (und vielleicht auch alleinig bleiben und bleiben dürfen).} der ›Analysen‹ werden dem jeweiligen Bildwissenschaftler die eigentlichen Wirkungsgründe jeweiliger Sichtbarkeitsgebilde ersichtlich. Nicht bloß ›Künstler‹, sondern jeder in dieser Weise\linebreak Tätige vermag hierbei ›Etwas‹ zu lernen\footnote{Wodurch auch das sog. \so{›Kopieren alter Meister‹} (\emph{z.B.} an Akademien) keine grobe Beschränkung, Missachtung oder gar Dressur ›künstlerischer Freiheit‹ darstellt, sondern den jeweils visuell Tätigen dazu verhelfen soll: überhaupt erst zu den Mitteln dieser Freiheit zu gelangen bzw. ihnen diese\linebreak im bildpraktischen Nachvollzug einsichtig zu machen (weshalb auch älteste ›Kunstwerke‹ regelrechte ›Leitungsmittel‹ für bildpraktische, überhaupt bildnerische Gesetze darstellen können)!} (so können also nicht\linebreak nur zukünftige Bildwissenschaftler bzw. Bilddidaktiker dahingehend unterstützt werden: Einsicht in die unendlichen Tiefen bzw. Höhen des ›unentdeckten Landes‹ zu erhalten, sie bekommen hierdurch überhaupt erst die Möglichkeit: Bildwissenschaftler bzw. Bilddidaktiker i.e.S. zu werden, d.h. zu lernen, der Herrschaft ihres eigenen, pseudo-visuellen Blicks zu entfliehen\footnote{Da sich nun auch die Zeit der allein vom Schreibtisch aus, d.h. bloß logisch fundiert operierenden ›Theoretiker der Kunstpädagogik‹ (d.s. ›Kunstdidaktiker‹) ihrem Ende zuneigt bzw. ihnen hiermit ihre rein semiotische bzw. phänomenologische Argumentationsgrundlage entzogen wird, werden auch dieselben ›Didaktiker‹ mit den ihnen scheinbar untergeordneten ›Pädagogen\linebreak derselben Fachrichtung‹ zur Vereinigung gebracht; nach der \so{\textbf{inneren}}\linebreak \so{\textbf{Abkehr der Bildwissenschaft vom sinnlich}}\linebreak \so{\textbf{absolut inflationär gewordenen Kunstbegriff,}} welcher letztendlich der begrifflichen Verführung pseudo-poetischer Vorhaben und Wertschätzungen erlag (obgleich dieser noch als eine bloß nach außen, d.h. zum Publikum hin gewandte Kruste erhalten bleiben sollte), stellt die allgemeine Einheit von Bildpädagogik und Bilddidaktik eine Selbstverständlichkeit dar: denn gerade auch der Didaktikbegriff umfasst ursprünglich das Lehren und Lernen gleichermaßen (vgl. Böhm 2000: 131), welche in der Bildwissenschaft (d.i. Bilddidaktik!) Hand in Hand gehen (vgl. Kap. 3). -- Oder einmal ganz anders (und im Vorgriff auf Kap. 2.3) gesprochen: Die überkommene Kruste der Kunst (Betrachter-Perspektive) wird getragen vom Bild (Künstler-Perspektive), das Bild von Gott (religiöse Perspektive) und Gott von Gottheit, d.i. das unentdeckte Land der Sinnlichkeit deines Lebens (postmodernistische Perspektive):\linebreak \mbox{\bigsmallcaps{\textbf{d{\hspace{+1,34pt}}e{\hspace{+1,34pt}}n{\hspace{+1,34pt}}n{\hspace{+1,34pt}}\, d{\hspace{+1,34pt}}u{\hspace{+1,34pt}}\, b{\hspace{+1,34pt}}i{\hspace{+1,34pt}}s{\hspace{+1,34pt}}t{\hspace{+1,34pt}}\, d{\hspace{+1,34pt}}e{\hspace{+1,34pt}}r{\hspace{+1,34pt}}\, t{\hspace{+1,34pt}}r{\hspace{+1,34pt}}ä{\hspace{+1,34pt}}u{\hspace{+1,34pt}}m{\hspace{+1,34pt}}e{\hspace{+1,34pt}}r{\hspace{+1,34pt}},{\hspace{+1,34pt}}\, u{\hspace{+1,34pt}}n{\hspace{+1,34pt}}d{\hspace{+1,34pt}}\, d{\hspace{+1,34pt}}e{\hspace{+1,34pt}}r{\hspace{+1,34pt}}\, t{\hspace{+1,34pt}}r{\hspace{+1,34pt}}a{\hspace{+1,34pt}}u{\hspace{+1,34pt}}m\,!}}}}; vgl.}\linebreak \par \vspace{-13.5pt} \setlength{\baselineskip}{1.06\baselineskip}{ Kap. 3.2); auch Johannes Itten weist uns darauf hin, dass letzteres Ziel schließlich nur über das eigene „zeichnen und malen`` bzw. allgemein: über eine frei spielende, sichtbarkeits-komponierende Tätigkeit zu erreichen ist, dieses also des noch bei Kant und Fiedler vorausgesetzten ›Künstlergenies‹ überhaupt nicht bedarf:\linebreak \par \mbox{ } „Jeder Mensch ist begabt zum schöpferischen Schaffen\footnote{Diese Aussage darf semantisch \so{nicht} gleichgesetzt werden mit der Beuysschen: ›Jeder Mensch ist ein Künstler‹, denn Itten kennzeichnet in der seinigen bloß die Möglichkeit des Weges, dieser hingegen die vollkommen verwerfliche Idee der unausweichlichen Erreichbarkeit des (gerade heute: definitionslosen) Zieles (vgl. auch Duchamps Erkenntnis \emph{des kreativen Aktes}: ›Kunstsein‹ wird vom Betrachter, nicht aber vom ›Künstler‹ selbst entschieden!).} {[}...{]} Um}\linebreak \par \vspace{-16pt} \setlength{\baselineskip}{1.00\baselineskip}{ Formen {[}\emph{genauer}: Sichtbarkeitsgefüge; J.F.{]} und ihren Ausdruckswert verstehen zu lernen, muss die Formensprache {[}d.i. auch das visuelle Kompositionsvermögen; J.F.{]} {[}über die Tätigkeit bekannter Art; J.F.{]} erlernt werden`` (Itten 1988: 121).}\clearpage \setlength{\baselineskip}{1.01\baselineskip}{ Es ist nun an der Zeit, die Imdahlsche Bildhermeneutik einer kritischen Prüfung und Revision zu unterziehen (vgl. Tafeln II u. III), wobei wir uns allgemein an den Vorschlag Ittens halten wollen: die Untersuchung der ›visuellen Form‹ und Helligkeit vor die der Farbe zu setzen (vgl. Itten 1988: 125). Zunächst führen ›wir‹\footnote{Um vollkommen sicher zu sein, dass die nun anstehende Kompositions-\linebreak analyse auch wirklich als auf exzellentem, d.h. maximal-postmodernistischem Niveau betrieben gedacht werden darf, wurde diese -- ausnahmsweise -- von \textsc{Natalija Cimbaljuk} höchstpersönlich durchgeführt (samt Abb. 21f.); zugleich wurde durch den Verfasser versucht, ihre sprachlichen Auslegungen hierzu in exaktem Wortlaut wiederzugeben.} also eine Analyse der gegebenen Helligkeit bzw. Tonalität der ›Gefangennahme‹ durch (Abb. 21), indem wir uns auf einen hellen, einen dunklen und einen mittleren Ton beschränken (denn ›visuelle Reduktion‹ ist Mittel und allgemeiner Grundsatz bildpraktischer Bildanalyse). Wir erkennen diesbezüglich (Abb. 19ff.), dass der visuelle Fokus nicht etwa auf der Imdahlschen Schräge (Abb. 20), sondern auf dem hellen Mantel Judas liegt, dessen Faltenwurf sich in Richtung Jesu zusammenzieht und diesen somit (auch für den Betrachter ersichtlich) verrät;\linebreak weitere Helligkeiten finden sich rechts (Pharisäer), aber auch links (Petrus-Soldaten-Szene) der verzeichneten Bildbegrenzung: es offenbart sich uns in Leserichtung von links nach rechts ein klassisches Drama, dessen Höhepunkt der Kuss bzw. hier der Mantel Judas darstellt, welcher von zwei spannungsträchtigen Szenen eingeleitet (Petrus schneidet das Ohr seines Gegners ab) bzw. epiloghaft (Zeigegestus des Pharisäers) beendet wird.\linebreak Bestätigung hierfür bietet uns die Analyse der Hauptrhythmen (Abb. 22: blaue und rote Linie). Es zeigt sich uns hierin ein großes Auf und Ab: vor allem die blaue Linie markiert einen (ganzheitlich aufzufassenden) Rhythmus, welcher ein regelrechtes Maximum direkt über Jesu und Judas Haupt aufweist, in einer anderen Interpretation aber auch hoch hinaus in den als Himmel verzeichneten Bereich (vermittelt über die Lanzen) verlaufend hätte eingezeichnet werden können; man vergleiche hierzu die}\linebreak \par \vspace{-14.5pt} \setlength{\baselineskip}{0.95\baselineskip}{ Imdahlsche Diagonale (grün), die zwar auch Bestand hat, jedoch eher als kontrastierendes Mittel denn als höchste Sinnstiftung fungiert. Vieles noch ließe sich allein hinsichtlich diesbezüglicher Analyseschwerpunkte über die Bedeutung der Komposition Giottos im Wechselspiel der Sehmodi sagen; hinsichtlich der Farbanalyse sei dem ›Leser‹ etwa die analytische Hervorhebung einzelner Farben (\emph{z.B.} des Rots) empfohlen. Fassen wir nun aber unsere Prüfergebnisse hinsichtlich der\linebreak Imdahlschen Methode zusammen: die ›Ikonik‹ vermag zwar auf ihrem begrifflich eng abgesteckten Untersuchungsgebiet visueller ›Hochkunst‹ und mithilfe ihres planimetrischen Verzeichnungssystems geringsten Umfangs (formatbezogene Linien samt ›Richtungswerte‹) einzelne, teilweise auch tatsächlich bedeutsame Einzelheiten herauszuarbeiten; doch ihr Unvermögen über ihr eigenes, viel zu eng bemessenes Verzeichnungssystem (d.i. ein abbildsyntaktisches Ersatzmodell für unvermittelbare, ganzheitliche Seherlebnisse) hinauszugehen und auch ›flächenhafte bzw. ›fleckenhafte Erscheinungen‹ miteinzubeziehen (S. 152ff.), lässt ihr aber letztendlich die Quintessenz untersuchter Sichtbarkeits-Kompositionen durch die Finger gehen: anstatt bedeutsame bzw. die für die Bildsemantik (auch im Spiegel von Abbildsyntax und\linebreak -semantik betrachtet) wichtigen Aspekte im visuellen Gefüge\linebreak hervorzuheben, vermag uns die ›Ikonik‹ diese nicht nur nicht aufzuzeigen, sondern erhöht fälschlicherweise auch noch weitaus nebensächlichere Schauplätze und übersteigert diese gar zur scheinbar einzigen, monumental erscheinenden Bildbedeutung (vgl. \emph{die} ›Schräge‹)! Dieser falsche Reduktionismus (im Bereich\linebreak der sog. ›formalen {[}sic!{]} Bildanalyse‹) hat nicht nur unter Kunsthistorikern und Prä-Abbildwissenschaftlern (gleichgültig\linebreak welcher Ausrichtung) zu absolut verwerflichen Ansichten über Sichtbarkeit und derselben sinnstiftenden Gefüge geführt, sondern treibt sein Unwesen, gar noch viel unbarmherziger: im schulischen ›Kunstunterricht‹ (vgl. Kap. 3.1)!} \par \setlength{\baselineskip}{0.95\baselineskip}{ \emph{Allgemein sei die ›Kompositionsanalyse‹ nicht bloß für ›Kunstwerke‹, sondern} \so{\emph{für alle}} \emph{als sinnträchtig verzeichnete oder bloß verzeichenbare Sichtbarkeitsgefüge der ›visuellen Welt‹ oder des Abbildes (›Alltag‹ und ›Kunst‹) als möglich definiert (vgl. Kap.\linebreak 3.2f.). Gleichzeitig weist niemand anderes als}\, \textsc{Natalija Cimbaljuk} \emph{vehement darauf hin, dass eine visuelle ›Analyse‹ ganzheitlicher Sichtbarkeit nicht nur für als fertig verzeichnete visuelle Gebilde\linebreak (z.B. ›Kunstwerke‹ oder Plakatwerbung), sondern \textbf{vor allem auch}}\linebreak \so{\emph{\textbf{für den Beginn}}} \emph{\textbf{einer jeden (spielerisch angelegten) Bildkomposition und der hierdurch erwünschten, formalen\linebreak \mbox{({\hspace{+2.022pt}}={\hspace{+2.022pt}} i{\hspace{+2.022pt}}n{\hspace{+2.022pt}}h{\hspace{+2.022pt}}a{\hspace{+2.022pt}}l{\hspace{+2.022pt}}t{\hspace{+2.022pt}}l{\hspace{+2.022pt}}i{\hspace{+2.022pt}}c{\hspace{+2.022pt}}h{\hspace{+2.022pt}}e{\hspace{+2.022pt}}n{\hspace{+2.022pt}}!{\hspace{+2.022pt}})}{\hspace{+2.022pt}} Wirkungsfindung, vorzüglich auch\linebreak für narrative Kontexte,\,\, \mbox{d{\hspace{+1.5727pt}}a{\hspace{+1.5727pt}}s{\hspace{+1.5727pt}}\, E{\hspace{+1.5727pt}}n{\hspace{+1.5727pt}}t{\hspace{+1.5727pt}}s{\hspace{+1.5727pt}}c{\hspace{+1.5727pt}}h{\hspace{+1.5727pt}}e{\hspace{+1.5727pt}}i{\hspace{+1.5727pt}}d{\hspace{+1.5727pt}}e{\hspace{+1.5727pt}}n{\hspace{+1.5727pt}}d{\hspace{+1.5727pt}}s{\hspace{+1.5727pt}}t{\hspace{+1.5727pt}}e{\hspace{+1.5727pt}}\, ü{\hspace{+1.5727pt}}b{\hspace{+1.5727pt}}e{\hspace{+1.5727pt}}r{\hspace{+1.5727pt}}}-{\linebreak}\mbox{h{\hspace{+1.5727pt}}a{\hspace{+1.5727pt}}u{\hspace{+1.5727pt}}p{\hspace{+1.5727pt}}t{\hspace{+1.5727pt}}}\, darstellt. Kompositionsskizzen sind somit nicht \mbox{b{\hspace{-0.30pt}}l{\hspace{-0.30pt}}o{\hspace{-0.30pt}}ß{\hspace{-0.30pt}} E{\hspace{-0.30pt}}r{\hspace{-0.30pt}}i{\hspace{-0.30pt}}n{\hspace{-0.30pt}}n{\hspace{-0.30pt}}e{\hspace{-0.30pt}}r{\hspace{-0.30pt}}u{\hspace{-0.30pt}}n{\hspace{-0.30pt}}g{\hspace{-0.30pt}}s{\hspace{-0.30pt}}h{\hspace{-0.30pt}}i{\hspace{-0.30pt}}l{\hspace{-0.30pt}}f{\hspace{-0.30pt}}e{\hspace{-0.30pt}}n{\hspace{-0.30pt}} f{\hspace{-0.30pt}}ü{\hspace{-0.30pt}}r{\hspace{-0.30pt}} v{\hspace{-0.30pt}}e{\hspace{-0.30pt}}r{\hspace{-0.30pt}}g{\hspace{-0.30pt}}a{\hspace{-0.30pt}}n{\hspace{-0.30pt}}g{\hspace{-0.30pt}}e{\hspace{-0.30pt}}n{\hspace{-0.30pt}}e{\hspace{-0.30pt}},{\hspace{-0.30pt}} b{\hspace{-0.30pt}}i{\hspace{-0.30pt}}l{\hspace{-0.30pt}}d{\hspace{-0.30pt}}p{\hspace{-0.30pt}}r{\hspace{-0.30pt}}a{\hspace{-0.30pt}}k{\hspace{-0.30pt}}t{\hspace{-0.30pt}}i{\hspace{-0.30pt}}s{\hspace{-0.30pt}}c{\hspace{-0.30pt}}h{\hspace{-0.30pt}}e{\hspace{-0.30pt}} W{\hspace{-0.30pt}}e{\hspace{-0.30pt}}r{\hspace{-0.30pt}}k{\hspace{-0.30pt}}-}{\linebreak}analysen, sondern entsprechen zugleich auch}} \so{\emph{\textbf{Skizzen}}}\linebreak \so{\emph{\textbf{im eigentlichen Sinne\qq!}}}\,\,\footnote{Mag dies \emph{hier} auch nur eine (sehr späte) Einfügung (aufgrund von Gesprächen und Reflexionsanregungen mit \textsc{Natalija Cimbaljuk} aus 2021) darstellen, so soll man die Inhalte des \emph{hiesigen} Absatzes doch als \so{\textbf{die zentralsten bildnerisch-praktischen Handlungsprinzipien überhaupt}} begreifen (vgl. auch Kap. 3.3; dort allerdings noch kaum hervorgehoben) und diese von nun ab \so{\textbf{{\qq}im Beginn\qq}} \textbf{einer jeden} \so{\textbf{eigenen}} \textbf{Bildpraxis auch} \so{\textbf{so}} \textbf{versuchen anzuwenden} (will man nicht Hunderte Bücher lesen oder mit der ganzen ›Professorenschaft‹ ›Bildender Künste‹ gesprochen, deren ›Praxislehren‹ gar vollständig durchlitten haben, um am Ende bloß feststellen zu müssen, nichts dergleichen über dieses\linebreak \so{\textbf{Allerwichtigste -- dem tatsächlichen Zugangs-}}\linebreak \mbox{\textbf{u{\hspace{+1.64pt}}n{\hspace{+1.64pt}}d{\hspace{+1.64pt}}\,\, E{\hspace{+1.64pt}}i{\hspace{+1.64pt}}n{\hspace{+1.64pt}}f{\hspace{+1.64pt}}l{\hspace{+1.64pt}}u{\hspace{+1.64pt}}s{\hspace{+1.64pt}}s{\hspace{+1.64pt}}p{\hspace{+1.64pt}}u{\hspace{+1.64pt}}n{\hspace{+1.64pt}}k{\hspace{+1.64pt}}t{\hspace{+1.64pt}}\,\, i{\hspace{+1.64pt}}n{\hspace{+1.64pt}}\,\, a{\hspace{+1.64pt}}l{\hspace{+1.64pt}}l{\hspace{+1.64pt}}e{\hspace{+1.64pt}}s{\hspace{+1.64pt}}\,\, V{\hspace{+1.64pt}}i{\hspace{+1.64pt}}s{\hspace{+1.64pt}}u{\hspace{+1.64pt}}e{\hspace{+1.64pt}}l{\hspace{+1.64pt}}l{\hspace{+1.64pt}}e{\hspace{+1.64pt}}\,\, i{\hspace{+1.64pt}}n{\hspace{+1.64pt}}\,\, d{\hspace{+1.64pt}}e{\hspace{+1.64pt}}r{\hspace{+1.64pt}}\,\, L{\hspace{+1.64pt}}e{\hspace{+1.64pt}}h{\hspace{+1.64pt}}r{\hspace{+1.64pt}}e}}\linebreak \mbox{\textsc{\textbf{N{\hspace{+1.59pt}}a{\hspace{+1.59pt}}t{\hspace{+1.59pt}}a{\hspace{+1.59pt}}l{\hspace{+1.59pt}}i{\hspace{+1.59pt}}j{\hspace{+1.59pt}}a{\hspace{+1.59pt}}\, C{\hspace{+1.59pt}}i{\hspace{+1.59pt}}m{\hspace{+1.59pt}}b{\hspace{+1.59pt}}a{\hspace{+1.59pt}}l{\hspace{+1.59pt}}j{\hspace{+1.59pt}}u{\hspace{+1.59pt}}k}}\textbf{{\,}s{\hspace{+1.59pt}}\,\, u{\hspace{+1.59pt}}n{\hspace{+1.59pt}}d}{\hspace{+1.59pt}}\,\, \textsc{\textbf{M{\hspace{+1.59pt}}y{\hspace{+1.59pt}}k{\hspace{+1.59pt}}o{\hspace{+1.59pt}}l{\hspace{+1.59pt}}a{\hspace{+1.59pt}}\, S{\hspace{+1.59pt}}t{\hspace{+1.59pt}}o{\hspace{+1.59pt}}r{\hspace{+1.59pt}}o{\hspace{+1.59pt}}z{\hspace{+1.59pt}}h{\hspace{+1.59pt}}e{\hspace{+1.59pt}}n{\hspace{+1.59pt}}k{\hspace{+1.59pt}}o}\textbf{{\,}s}}}\linebreak \so{\textbf{--}} erfahren zu haben (vgl. zur Einmaligkeit ihrer Lehre: das Vorwort!). Es geht hierbei nämlich um nichts Geringeres als um das Ergreifen visueller Macht bzw. die Bestimmung visueller Formalität (Bildsemantik i.e.S.) bzw. um die Einflussnahme auf das scheinbar Unbeeinflussbare visueller Unendlichkeit. \so{\textbf{--- Die dabei wohl wichtigste, bildpraktische Handlungsanweisung der ganzen \textsc{Storozhenko}-Schule lautet}} (auch und gerade für initiale\linebreak Bildkompositionen mittels Kompositionsskizzen gesprochen): \so{\textbf{Spiele}}\linebreak \mbox{\textbf{\underline{v{\hspace{+2.78pt}}i{\hspace{+2.78pt}}s{\hspace{+2.78pt}}u{\hspace{+2.78pt}}e{\hspace{+2.78pt}}l{\hspace{+2.78pt}}l{\hspace{+2.78pt}}-{\hspace{+2.78pt}}k{\hspace{+2.78pt}}o{\hspace{+2.78pt}}n{\hspace{+2.78pt}}t{\hspace{+2.78pt}}r{\hspace{+2.78pt}}a{\hspace{+2.78pt}}s{\hspace{+2.78pt}}t{\hspace{+2.78pt}}i{\hspace{+2.78pt}}e{\hspace{+2.78pt}}r{\hspace{+2.78pt}}e{\hspace{+2.78pt}}n{\hspace{+2.78pt}}d}{\hspace{+2.78pt}}\,\, m{\hspace{+2.78pt}}i{\hspace{+2.78pt}}t{\hspace{+2.78pt}}\,\, d{\hspace{+2.78pt}}e{\hspace{+2.78pt}}m{\hspace{+2.78pt}}\,\, V{\hspace{+2.78pt}}i{\hspace{+2.78pt}}s{\hspace{+2.78pt}}u{\hspace{+2.78pt}}e{\hspace{+2.78pt}}l{\hspace{+2.78pt}}l{\hspace{+2.78pt}}e{\hspace{+2.78pt}}n{\hspace{+2.78pt}},}}\linebreak \so{\textbf{ohne Gestalt, narrativen Inhalt und außervisuellen Zweck}} und es wird mit Dir (bzw. auch mit Deinen hierdurch zugleich in Freiheit gesetzten Geisteskräften) spielen und sich Dir in seiner ganzen Größe, Semantik und Funktion enthüllen und Dich zugleich ins unendlich Ewige fortführen -- an den Ort des Glücks, der Hoffnung und ewigen Friedens --, in eine unfassbare Quasi-Welt überewiglicher Lebendigkeit und Bewegtheit, bei gleichzeitiger Stille des Ozeans aller Gedanken, Wünsche, Ängste!}\, \emph{Man sollte sich dieser\linebreak zentralen Methode (vor allem bei eigenen bildpraktischen Vorhaben) gerade auch deshalb nicht erwehren, weil hierdurch selbst hinsichtlich bildmedialer Gesichtspunkte (z.B. Simulation eines größeren Betrachterabstandes}: \emph{Überführung des als späteres visuelles Werk verzeichenbares verzeichnetes Sichtbarkeitsgebildes in ein tertiäres} {[}\emph{sekundäres}{]} \emph{Bildmedium}: \emph{Begünstigung ganzheitlichen Sehens!) eine gute Annäherung und Anpassung hinsichtlich der späteren\linebreak Gesamtwirkung{\hspace{+1pt}} ({\hspace{+1pt}}›formaler Bildausdruck‹{\hspace{+1pt}}){\hspace{+1pt}} möglich ist; zumal\linebreak ›Kompositionsskizzen‹ in kürzester Zeit angefertigt werden können (weil jeweils \so{nur als \textbf{›Fleckengebilde‹} in der Größe einer Briefmarke}} \, {[}\emph{\so{\,ca. 5 cm²\,}}{]}\,\,\,\emph{\so{und in der Gestalt des gewünschten Formats,} verzeichenbar).} \emph{Ein adäquates Verständnis für ›Kompositionsanalyse‹ kann jedoch nicht über die bloße Rezeption derselben Ergebnisse d.s. ›Kompositionsskizzen‹ erlangt werden, sondern bedarf der eigenen sichtbarkeits-komponierenden Spielerfahrung (der Schüler wie auch natürlich der Lehrenden bzw. Forschenden selbst); denn ohne diese ist der Semantik eines jeweiligen Bildes nicht nur keinen Schritt näher zu kommen, sondern schürt in ihrer Unterlassung immerfort das Feuer des ›Geniekults des Künstlers‹!}} \end{document}