%Präambel \documentclass[11pt]{memoir} %memoir sei besser als scrbook \paperwidth=12.5cm %Seitenbreite \paperheight=19cm %Seitenhöhe % Schriftpakete für Linux Libertine \usepackage{libertine} % Linux Libertine O als Schriftfamilie \usepackage[libertine]{newtxmath} % Passende Mathematik-Schriftart und um Pfeile richtig darzustellen % Unterstützung für mehrsprachigen Text (Deutsch als Hauptsprache, Ukrainisch möglich) einschl. 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\newcommand{\qq}{\hspace{0.08em}} \newcommand{\yy}{\hspace{-0.08em}} \hyphenation{letzt-malig} \hyphenation{Moment-as-pekte} \hyphenation{ande-ren} \hyphenation{Gemüts-wirkung} \hyphenation{Bild-semantik} \hyphenation{Etwas} \hyphenation{Er-greifendste} \hyphenation{seine} \hyphenation{Sehmodus} \hyphenation{gelten} \hyphenation{Bild-universum} \hyphenation{Meta-physik} \hyphenation{werden} \hyphenation{können} \hyphenation{Nutzen} \hyphenation{neuer} \hyphenation{visu-eller} \hyphenation{Nichtdenken} \hyphenation{Zu-standekommen} \hyphenation{Anderer-seits} \hyphenation{Feuer-erleb-nissen} \hyphenation{hinter-gründige} \hyphenation{Spiel-erfahrung} \hyphenation{kompositions-bedingten} \hyphenation{Gefühls-regungen} \hyphenation{Unter-schied} \hyphenation{hatte} \hyphenation{weichen} \hyphenation{hehre} \hyphenation{welches} \hyphenation{unter} \hyphenation{anderes} \hyphenation{eine} \hyphenation{Gemeinde-berg} \hyphenation{müssen} \hyphenation{gehören} \hyphenation{begründet} \hyphenation{Poly-theis-men} \hyphenation{indi-gene} \hyphenation{jene} \hyphenation{Zauber-sprüche} \hyphenation{Rezeptions-animationen} \hyphenation{neo-paganer} \hyphenation{imago} \hyphenation{wirkungs-los} \hyphenation{Götter} \hyphenation{Ritual-adaptionen} \hyphenation{erzeugen} \hyphenation{semio-sphärisch} \hyphenation{eigentlich} \hyphenation{welche} \hyphenation{Wahr-nehmungs-} \hyphenation{in-direkter} \hyphenation{er-blicken} \hyphenation{poten-ziell} \hyphenation{Bedin-gung} \hyphenation{erkennend} \hyphenation{Wesen} \hyphenation{einer} \hyphenation{aller} \hyphenation{Unter-schiede} \hyphenation{Leben} \hyphenation{Seins-funktion} \hyphenation{Existenz} \hyphenation{gesprochen} \hyphenation{bleiben} \hyphenation{Menschen} \hyphenation{Gedanke} \hyphenation{ihrer} \hyphenation{Ende} \hyphenation{angestiftet} \hyphenation{sogar} \hyphenation{Sichtbarkeit} \hyphenation{bereits} \hyphenation{hinter} \hyphenation{poten-zielle} \hyphenation{Absoluten} \hyphenation{dannen} \hyphenation{Unter-schied} \hyphenation{Urknall-explosions-wolke} \hyphenation{Außenwelt} \hyphenation{Universums} \hyphenation{Quasi} \hyphenation{abduzierte} \hyphenation{Lebe-wesens} \hyphenation{Modellierungs-fehler} \hyphenation{Anfang} \hyphenation{Seele} \hyphenation{gelangen} \hyphenation{welcher} \hyphenation{Einung} \hyphenation{Entstehungs-prinzip} \hyphenation{erdachtes} \hyphenation{Lebe-wesen} \hyphenation{eigene} \hyphenation{kommen} \hyphenation{Abduktion} \hyphenation{Erliegen} \hyphenation{haben} \hyphenation{zurück-erlangen} %%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%% ABB 1 + 2 %%%%%%%%%%%%%%%%%%%%%% \begin{document} %Verhinderung von Ein- oder Zwei-Zeilern auf neuen/alten Seiten: \clubpenalty=10000 % verhindert Absatzbeginn am Seitenende \widowpenalty=10000 % verhindert Absatzende auf neuer Seite % Seitenzahlen-Layout % Seitenzahlen-Layout \pagestyle{scrheadings} % Aktiviert Kopf- und Fußzeilen \clearpairofpagestyles % Löscht Standard-Kopf- und Fußzeilen \ofoot{\pagemark} % Seitenzahl außen platzieren \setlength{\footskip}{6.5mm} % WICHTIGER Abstand von Textbereich zur Fußzeile (Seitenzahl-Position) % Startseite und Seitenzahl \setlength{\parindent}{0em} % Kein Einrücken bei Absätzen \setcounter{page}{222} % Setzt die Start-Seitennummer \setcounter{footnote}{0} % Fußnotenzähler auf 0 setzen %%%%% EIGENTLICHER TEXT-BEGINN %%%%%%%%%%%%%%%%%%%%% \begin{center} \textbf{2.3.} \par \textbf{Sichtbarkeit als \so{›Wohnort der Götter‹}} \par \so{\textsc{(bildsemantik} {\scalefont{0.9}{\,I\,I}}}\,\,) \end{center} \par \vspace{+6pt} \begin{rightquote}\scalefont{0.85}„In dem fruchtbaren Saaletal zwischen Bucha und Wilhelmsdorf hatte Perchta {[}\emph{anderswo auch: Frau Holle, Holda usf.; ursprünglich wohl: Erdgöttin; J.F.}{]}, die Königin der Heimchen, ihren alten Sitz, und auf ihr Gebot mussten die Heimchen die Felder und Fluren der Menschen bewässern, während sie unter der Erde mit ihrem Pflug ackerte; zuletzt aber \so{veruneinigten sich die Leute} mit ihr und sie beschloss das Land zu verlassen. Auf Perchtenabend {[}\emph{d.i. der 5. Januar; J.F.}{]} wurde ein Fährmann im Dorfe Alkar für spät in der Nacht bestellt, und als er zum Saaleufer kam, erblickten seine Augen eine große, hehre Frau, umgeben von weinenden Kindern, die von ihm Überfahrt forderte. Sie betrat das Fahrzeug, die Kleinen schleppten einen Ackerpflug und eine Menge anderen Gerätes hinein, unter lautem Wehklagen, dass sie \so{aus der schönen Gegend weichen mussten} {[}\emph{und} \so{\emph{keine Heimat}} \emph{mehr hätten; J.F.}{]}.\linebreak \so{Am anderen Ufer{\hspace{+0.05pt}}} der Saale angelangt, hieß Perchta den Schiffer nochmals fahren und die zurückgebliebenen Heimchen holen, welches notgedrungen geschah. Unterdessen hatte sie am Ackerpfluge gezimmert, deutete auf die Späne und sprach zum Fährmann: „Da nimm, das sei der Lohn für deine Mühen!{}`` Mürrisch steckte er drei von den Spänen ein, warf sie zu Hause auf das Fensterbrett und sich geängstigt ins Bette. Am Morgen lagen drei Goldstücke da wohin er die Späne gelegt hatte.`` \par \mbox{ } „An der Schwalm bei Uttershausen liegt der Dosenberg, dicht am Ufer gehen zwei Löcher hervor, die waren von alters Aus- und Eingänge der Wichtelmänner {[}\emph{d.s. Zwerge; J.F.}{]}. Zu dem Großvater des Bauern Tobi in Singlis kam öfter ein Wichtelmännchen freundlich auf den Acker. Eines Tages, als der Bauer Korn schnitt, fragte es, ob er in der künftigen Nacht für reichen Goldlohn Fuhren durch den Fluss übernehmen wolle? Der Bauer sagte zu. Abends brachte der Wichtel einen Sack voll Weizen als Handgeld in des Bauern Haus, nun wurden vier Pferde angeschirrt, und der Bauer fuhr zum Dosenberg. Aus den Löchern lud der Wichtel schwere \so{unsichtbare} Lasten auf den Wagen, die der Bauer durchs Wasser \so{an das andere Ufer} brachte; so fuhr er hin und wieder von abends zehn bis morgens vier Uhr, dass die Pferde endlich ermüdeten. Da sprach der Wichtel: „Es ist genug; nun sollst du auch \so{sehen,} was du gefahren hast!{}`` Er hieß den Bauer \so{über die rechte Schulter blicken,} da sah der Bauer, wie das weite Feld voll von Wichtelmännerchen war. Darauf sagte der Wichtel: „Seit Tausend Jahren haben wir im Dosenberg gehaust, jetzt ist unsere Zeit um, \so{wir müssen in ein anderes Land.} Im Berg aber bleibt so viel Geld zurück, dass die ganze Gegend genug daran hätte.`` Dann lud er dem Tobi seinen Wagen voll Geld und schied. Der Bauer brachte mühsam den Schatz nach Haus und war ein reicher Mann geworden: seine Nachkommen sind noch vermögende Leute, die Wichtelmänner aber für immer aus dem Land verschwunden.`` \par \mbox{ } „Am Eingang des Schwarzwaldes auf der Hünenkoppe wohnte eine Hünin {[}\emph{d.i. Riesin; J.F.}{]} mit ihrer Tochter. Die Tochter fand auf dem Gemeindeberg einen feldpflügenden Bauer, tat ihn mit Pflug und Ochsen in ihre Schürze und trug der Mutter ›den kleinen Kerl mit seinen Kätzchen‹ hin. Zornig befahl die Mutter, Mann, Tiere und Pflug augenblicklich wieder an Ort und Stelle zurückzutragen: „Sie gehören zu einem \so{Volke, das den Hünen großen Schaden zufügen kann.} {[}...{]} Tu es weg, mein Kind, \so{wir müssen fort aus diesem Land,} und sie werden hier wohnen.`` (Grimm 2003: 224f., 228f., 380, 447; gesperrte HV J.F.) \end{rightquote} \par \vspace{+13.6pt} \setlength{\baselineskip}{0.941\baselineskip}{ Den scheinbar urplötzlichen Auszug von Göttern, Zwergen und Riesen (sowie der Elben u.v.a.m.) aus Mitteleuropa sieht Jacob Grimm (am Beispiel der Zwerge betrachtet) wie folgt begründet: „Indem sich die Zwerge so, und noch auf andere Weise, zuweilen dem menschlichen Geschlecht nähern, scheinen sie doch überhaupt vor ihm zurückzuweichen und machen den Eindruck eines unterdrückten, bedrängten Volksstamms, der im Begriff steht, die alte Heimat den neuen mächtigen Ankömmlingen zu überlassen. Ihrem Charakter ist etwas Scheues und zugleich Heidnisches eingeprägt, das sie dem Umgang mit Christen entfremdet. Sie grollen der menschlichen Treulosigkeit, das soll wohl ursprünglich heißen, dem Abfall vom Heidentum {[}d.s. indigene Polytheismen; J.F.{]}. {[}...{]} Es ist den Zwergen innerlich zuwider, wenn Kirchen gebaut werden, Glockengeläute stört sie in ihrer alten Heimlichkeit; auch das Reuten der Wälder, den Ackerbau und neue Pochwerke im Gebirge hassen sie`` (Grimm 2003, 380).} \newpage \setlength{\baselineskip}{1.03\baselineskip}{ Obgleich obige Erzählungen natürlich keine Tatsachenberichte, sondern vielmehr bloß letzte Symbole und Ausdrucksformen des bisweilen schlagartig (nicht selten unfreiwillig) erfolgten Übergangs indigener Polytheismen hin zum Christentum darstellen mögen, so darf man sich dennoch fragen, \so{wohin} denn jene \so{als übernatürlich vorgestellten Wesen ($\to$ Abbildpragmatik II)} eigentlich noch zu flüchten vermochten (wurden diese doch -- und werden noch bis auf den heutigen Tage in z.T. trivialisierter oder dilettantischer Weise --, in zeitlicher wie regionaler Variation, in vielen Vorgängen und\linebreak Erscheinungen des Alltags und der Natur erblickt oder dort zumindest vermutet; wobei man die für sich und andere zweckmäßig erscheinenden Eigenschaften und Handlungsweisen jener\linebreak Wesen jederzeit durch Anbetung und Kult zu bestärken, die jedoch schädlichen und gefürchteten durch Opferdienst und Zaubersprüche zu besänftigen suchte)! -- Die vermeintliche\linebreak \mbox{F{\hspace{+0.43pt}}l{\hspace{+0.43pt}}u{\hspace{+0.43pt}}c{\hspace{+0.43pt}}h{\hspace{+0.43pt}}t{\hspace{+0.43pt}}{\qq} ({\hspace{+0.43pt}}o{\hspace{+0.43pt}}d{\hspace{+0.43pt}}e{\hspace{+0.43pt}}r{\hspace{+0.43pt}}{\qq} b{\hspace{+0.43pt}}l{\hspace{+0.43pt}}o{\hspace{+0.43pt}}ß{\hspace{+0.43pt}}e{\hspace{+0.43pt}}n{\hspace{+0.43pt}}{\qq} U{\hspace{+0.43pt}}m{\hspace{+0.43pt}}k{\hspace{+0.43pt}}l{\hspace{+0.43pt}}e{\hspace{+0.43pt}}i{\hspace{+0.43pt}}d{\hspace{+0.43pt}}u{\hspace{+0.43pt}}n{\hspace{+0.43pt}}g{\hspace{+0.43pt}}s{\hspace{+0.43pt}}v{\hspace{+0.43pt}}e{\hspace{+0.43pt}}r{\hspace{+0.43pt}}s{\hspace{+0.43pt}}u{\hspace{+0.43pt}}c{\hspace{+0.43pt}}h{\hspace{+0.43pt}}e{\hspace{+0.43pt}}){\hspace{+0.43pt}}{\qq} a{\hspace{+0.43pt}}l{\hspace{+0.43pt}}l{\hspace{+0.43pt}}e{\hspace{+0.43pt}}r{\hspace{+0.43pt}}{\qq} a{\hspace{+0.43pt}}l{\hspace{+0.43pt}}s{\hspace{+0.43pt}}{\qq} p{\hspace{+0.43pt}}o{\hspace{+0.43pt}}l{\hspace{+0.43pt}}y{\hspace{+0.43pt}}-}{\linebreak}theistisch vorgestellten Wesen, aufgrund des in Mitteleuropa meist völlig unvermittelt und teils äußerst brutal ablaufenden Aufeinandertreffens indigen-polytheistischer und christlich-monotheistischer Glaubens- bzw. Denksysteme zwischen dem 8. und 12. Jh. n.d.Zwd. (vgl. \emph{z.B.} noch im Jahre 1133 einen der letzten Schiffswagen-Umzüge zu Ehren einer indigen-polytheis\-tischen Gottheit von Aachen nach Maastricht und von dort noch weiter gen Küste: Grimm 2003: 213-220; vgl. hierzu auch die von Tacitus beschriebenen Nerthus-Umzüge), erinnert uns an das ›Meerhäschen‹-Problem (vgl. Ausblick): wohin flüchten, wenn doch alle nur denkbaren Orte (auf, unter und über der Erde) kein Versteck mehr bieten und man überall in seiner „alten Heimlichkeit`` gestört, gar \so{existenziell} verfolgt wird? -- Weil es sich bei jenen Wesen in vielen Fällen zugleich auch um (potenzielle) Sichtbarkeits-Verzeichnungen und/oder ihre (ggf. vermeintlich) lebendig vorgestellten ›Abbilder‹ ($\to$ Kap. 1.2.2.2) handelte, eine Unterscheidung in abbildhafte und unmittel\-bare Sichtbarkeitsverzeichnungen aber nicht möglich ist (vgl. Kap 1.2.2.4), so kann man zugleich auch andersherum fragen:\linebreak von welchem \so{Ort} konnten denn dann die ›Abbilder‹ (als die\linebreak \par \vspace{-13pt} \setlength{\baselineskip}{0.972\baselineskip}{ potenziellen Verkörperungen der Götter, Elben, Zwerge und Riesen, aber auch unserer Verstorbenen u.v.a.m.) so zahlreich \so{wiederk}ehren, dass sich Gottfried Boehm im Jahre 1994 gar dazu genötigt sah, hinsichtlich des philosophischen Denkens, die \so{›ikonische Wendung‹} bzw. den \so{›iconic turn‹}\linebreak auszurufen (um ihrem Ansturm überhaupt noch Herr zu werden und ihren eigentümlichen Charakter endlich fokussiert unter\-suchen und verstehen zu können, aber eigentlich auch um sich ihres schädlichen Einflusses zu erwehren, ja um sich ihrer erhofften positiven Eigenschaften selbst zu bemächtigen; vgl. Boehm 1995: 13 u. Kap 1.2.2.2)? Doch selbst die infolge dieses Boehmschen Aufrufs durch dessen willfährigen Phänomenologie-Kollegen und als großen \emph{imago}-Guru gefeierten Hans Belting erarbeitete und bis heute viel (obgleich oft falsch) rezipierte Theorie der Abbildmenschen samt ihrer Animationsmöglichkeiten (Belting 2001) fand überall keinen Halt (vgl. Kap. 1.2.2.2) wie auch \emph{z.B.} die Vielzahl neopaganer (\emph{z.B.} Asatru, Wicca u.v.a.m.) oder pantheistischer Bewegungen (der wahre Monismus sei hier jedoch ausgenommen), übrigens\linebreak in großer Ähnlichkeit zu Max Imdahls ›Ikonik‹, wirkungslos\linebreak blieben, wenn sie hofften (und noch bis heute hoffen): Götter o.ä., gar untergegangene oder neue Religionen \so{durch bloße}\linebreak \so{Rezeptionsanimationen} (Abbilder, Texte, Ritualadaptionen usw.) entweder ›in uns‹ (als für uns außerhalb) erzeugen bzw. tatsächlich genuin-religiös{\hspace{+2.45pt}} \mbox{({\hspace{+2.45pt}}w{\hspace{+2.45pt}}i{\hspace{+2.45pt}}e{\hspace{+2.45pt}}d{\hspace{+2.45pt}}e{\hspace{+2.45pt}}r{\hspace{+2.45pt}}){\hspace{+2.45pt}}}erwecken\linebreak oder zu einer gemeinsamen Gestalt (\emph{z.B.} des Kosmos){\hspace{+2.14pt}} \mbox{({\hspace{+1.34pt}}w{\hspace{+1.34pt}}i{\hspace{+1.34pt}}e{\hspace{+1.34pt}}d{\hspace{+1.34pt}}e{\hspace{+1.34pt}}r{\hspace{+1.34pt}}-{\hspace{+1.34pt}})}{\linebreak}vereinigen zu können. Die hierdurch erzeugten und bloß semiosphärisch ›am Leben erhaltenen‹ Vorstellungen und Handlungskonzepte \so{können} jederzeit nämlich nur (gleich des heutigen Kulturverständnisses westlicher Gesellschaften) bloße Derivate ästhetischer, aisthetischer, materialistischer, monotheistischer, sozialistischer usf. (d.h. \emph{allgemein:} sinnesproduktpragmatischer bzw. pseudo-sinnlicher) Denkweisen darstellen\linebreak und produzieren folglich immer nur wieder andere oder neue, aber doch jederzeit{\hspace{+3.42pt}}\,\, \mbox{s{\hspace{+3.42pt}}e{\hspace{+3.42pt}}m{\hspace{+3.42pt}}i{\hspace{+3.42pt}}o{\hspace{+3.42pt}}s{\hspace{+3.42pt}}p{\hspace{+3.42pt}}h{\hspace{+3.42pt}}ä{\hspace{+3.42pt}}r{\hspace{+3.42pt}}i{\hspace{+3.42pt}}s{\hspace{+3.42pt}}c{\hspace{+3.42pt}}h{\hspace{+3.42pt}}\,\,\, b{\hspace{+3.42pt}}e{\hspace{+3.42pt}}d{\hspace{+3.42pt}}i{\hspace{+3.42pt}}n{\hspace{+3.42pt}}g{\hspace{+3.42pt}}t{\hspace{+3.42pt}}e}\linebreak (d.h. niemals tatsächliche Quasi-)Objekte der Religiosität (denn\linebreak \so{das eigentlich Göttliche „ist überhaupt}}\linebreak \par \vspace{-12.5pt} \setlength{\baselineskip}{0.94\baselineskip}{ \mbox{k{\hspace{+1.68pt}}e{\hspace{+1.68pt}}i{\hspace{+1.68pt}}n{\hspace{+1.68pt}}\,\, E{\hspace{+1.68pt}}t{\hspace{+1.68pt}}w{\hspace{+1.68pt}}a{\hspace{+1.68pt}}s{\hspace{+1.68pt}}``{\hspace{+1.68pt}},{\hspace{+1.68pt}}\,\, d{\hspace{+1.68pt}}.{\hspace{+1.68pt}}h{\hspace{+1.68pt}}.{\hspace{+1.68pt}}\,\, k{\hspace{+1.68pt}}e{\hspace{+1.68pt}}i{\hspace{+1.68pt}}n{\hspace{+1.68pt}}\,\, P{\hspace{+1.68pt}}e{\hspace{+1.68pt}}r{\hspace{+1.68pt}}z{\hspace{+1.68pt}}e{\hspace{+1.68pt}}p{\hspace{+1.68pt}}t{\hspace{+1.68pt}}\,\, b{\hspace{+1.68pt}}z{\hspace{+1.68pt}}w{\hspace{+1.68pt}}.{\hspace{+1.68pt}}\,\, Z{\hspace{+1.68pt}}e{\hspace{+1.68pt}}i{\hspace{+1.68pt}}c{\hspace{+1.68pt}}h{\hspace{+1.68pt}}e{\hspace{+1.68pt}}n{\hspace{+1.68pt}};}\linebreak Eckhart: 51). -- Wer sich nun aber in seiner eigenen, hierzu vielleicht vollkommen andersartig ausgerichteten, religiösen (monotheistischen, agnostischen oder atheistischen) Haltung grundsätzlich bestätigt oder gar noch alle Anfeindungen gegenüber polytheistischen bzw. andersartigen Ansichten (einschließlich ihren menschlichen Trägern) als gerechtfertigt ansieht, dem sei hier auch noch sein eigener Spiegel vorgehalten: Denn auch Gott selbst ist (gleich aller Götter, Elben, Zwerge und Riesen oder auch nur jeder vergöttlicht vorgestellte oder durch bloße Erinnerungs-Animation zurückgerufene Mensch; oder welche religiösen Gestalten oder Räume man auch immer im Wahr\-nehmungs-Universum erblicken oder gerade nicht mehr erblicken will, aber für letzteren Fall immer auch göttliche Nicht\-existenzen, entgegen des eigenen religiösen Gefühls, verzeichnen muss): eine bloße Verzeichnungsweise (Zeichensystem) potenziell äußerer (d.h. direkter), aber jederzeit innerer (d.h. indirekter) Sinnesprodukte (Sichtbarkeiten, Hörbarkeiten usw.); oder nach Peirce und Augustinus gesprochen: \mbox{\so{Drittheit}} \mbox{\so{bzw.}} \mbox{\so{Trinität}} (vgl. \emph{z.B.} CP 1.337f., 5.90ff.). Nochmals anders gesagt sind göttliche Wesen (Polytheismus), ja Gott selbst (Monotheismus; Agnostizismus) oder bloß seine verzeichnete Nichtexistenz (Atheismus), nichts als drittheitliche Zeichen, die jederzeit eines sie verzeichnenden Menschen bedürfen!}\footnote{Und so lässt sich hier bereits die folgende, sehr merkwürdige, weil unlogisch\linebreak erscheinende Relation vollständig aufklären:\, \mbox{›{\hspace{+1.61pt}}M{\hspace{+1.61pt}}e{\hspace{+1.61pt}}n{\hspace{+1.61pt}}s{\hspace{+1.61pt}}c{\hspace{+1.61pt}}h{\hspace{+1.61pt}}e{\hspace{+1.61pt}}n{\hspace{+1.61pt}}\,\, e{\hspace{+1.61pt}}r{\hspace{+1.61pt}}s{\hspace{+1.61pt}}c{\hspace{+1.61pt}}h{\hspace{+1.61pt}}a{\hspace{+1.61pt}}f{\hspace{+1.61pt}}f{\hspace{+1.61pt}}e{\hspace{+1.61pt}}n}\linebreak \so{(die Körper der) Götter und Götter erschaffen (die Körper der) Menschen.‹} Denn wenn die grundlegendste Bedingung der Entstehung, aber auch des Niedergangs göttlicher oder bloß gottähnlicher Wesen (Verkörperungen), ja ganzer polytheistischer oder auch mono\-theistischer Kult- und Denksysteme (wie auch überhaupt aller Sinnes\-produktverzeichnungen) jederzeit der individuell verzeichnende Mensch selbst\linebreak ist (obgleich sich in dieser Funktion kaum jemals selbst erkennend), wobei bestimmte (vor allem: göttliche) Verzeichnungen zugleich ihrerseits \so{als Bedingung der Existenz dieses sie verzeichnenden Menschen gedacht} und so auch gesellschaftlich (d.h. inter-individuell, \emph{z.B.} kulturell) konventionalisiert und gefestigt werden können,\linebreak \so{so wird erst in der vollkommenen Aufhebung aller (göttlichen) Verzeichnungen und sogar noch des (Göttlichkeit) verzeichnenden Menschen selbst und seines ganzen Wesens: ein Nicht-Ort zu einer Nicht-Zeit gefunden werden können, in der Mensch und Gott bzw. Götter (wieder) zur Einheit gebracht werden können und sodann kein Unterschied mehr zwischen diesen besteht} (vgl. \emph{z.B.} die Lehren Meister Eckharts im Zweiten Teil der Propädeutik)! -- An diesem Konvergenz-Punkt des Gemüts, an dem sich alles mit allem vereinigt und in eine neue Existenz (Funktion) überformt wird, d.h. \so{im Totalitätserleben des Menschen bzw. seines überwesenden Wesens (als}\linebreak \mbox{N{\hspace{+1.48pt}}i{\hspace{+1.48pt}}c{\hspace{+1.48pt}}h{\hspace{+1.48pt}}t{\hspace{+1.48pt}}h{\hspace{+1.48pt}}e{\hspace{+1.48pt}}i{\hspace{+1.48pt}}t{\hspace{+1.48pt}}){\hspace{+1.48pt}},} geht es nämlich nicht mehr um Wissen (Interpretant), {[}Nicht-{]}{\linebreak}Glaube ({[}religiöses{]} Objekt) oder \emph{z.B.} ›Kunstobjekte‹ ({[}ästhetische{]} Repräsentamen); an und ab diesem Punkt sind alle pseudo-sinnlichen Unterschiede und Wirrnisse \so{aufgehoben} (Hegel $\to$ CP 5.91) und \so{eine mächtige Erkenntnis (›das verborgene Wort‹ des sinnlichen ›abditum mentis‹)} erfasst von nun ab das Gemüt und überformt den Menschen im Ganzen, hin zu einer neuen, ja \so{übergöttlichen (d.h. post-religiösen bzw. quasi-säkularen) Seinsfunktion. --} Abermals anders und mehr im \emph{hiesigen} Kontext gesprochen: Gott und Götter, Vielleicht-Gott und Nicht-Gott, diese vorgestellten Dinge verschwinden hier allesamt, werden in ihrem jeweiligen Qualia-Kontinuum aufgelöst und zugleich jenseits ihrer pseudo-sinnlichen Differenziertheit, d.h. \so{vom Grunde aus} verstanden. Dadurch kehrt überall \so{großer Friede} ein (denn \so{das Höchste,} das ein Lebewesen im Leben erreichen kann, ist erreicht, wenngleich noch längst nicht durchwandert); was zugleich auch das \so{Ende aller Trostlosigkeit} gegenüber der Endlichkeit und potenziellen Leidensfülle lebendiger Existenz bedeutet.} Und so sei an dieser Stelle bereits die hieraus insgesamt ableitbare, aber im Grunde für immer unfassbare (weil völlig unlogisch erscheinende) Schlussfolgerung vorgetragen, dass nämlich \so{\textbf{alle}} Religionen (mit Blick auf Göttlichkeit gesprochen; gleichgültig welcher Ausrichtung), \so{\textbf{alle}} Agnostizismen und gar noch \so{\textbf{alle}} Atheismen eingeschlossen, \so{vollkommen (d.h. ohne jemals hervorbringbare Einschränkungen!) \textbf{richtig} und zugleich aber doch vollkommen (und zwar allesamt) \textbf{falsch}} liegen (und es folglich auch vollkommen richtig war, als man schlussfolgerte, dass die Existenz Gottes, aller Götter o.ä. Wesen weder beweisbar noch widerlegbar wäre, weil ihnen allen eine gänzlich ungestaltete, unlogische und unwissbare \so{Erstheit,}\linebreak jenseits von Zeit und Raum, zugrunde läge).\footnote{Weil aber sogar noch \so{jeder (selbst jeder potenzielle) Gedanke} mit Blick auf Göttlichkeit bzw. Nicht-Göttlichkeit der Welt, ihrer Dinge und Wesen falsch und doch zugleich richtig wäre, und man hierin bis an sein Lebensende auch kein Fortkommen hätte (d.h., wenn man sich selbst, oder durch Fehlbildung anderer verursacht, von der nicht-aisthetischen Qualia-Erfahrung gänzlich abgetrennt fühlen würde), und bevor man sich am Ende in solcherlei Fragen gar noch aufs Ärgste verspinnen, vielleicht sogar in große Verzweiflung und Furcht geraten oder zu unmenschlichen Taten angestiftet fühlen könnte: sollte man sich die Sache doch lieber ganz leicht machen und stattdessen einfach \so{alle} (d.h. menschlich und ethisch tragbaren) Göttlichkeitsvorstellungen und die daraus ableitbaren Handlungsanweisungen der Religionen, Vielleicht-Religionen und Nicht-Religionen (und zwar nicht alle in Synthese, sondern jede für sich betrachtet und geachtet) für richtig und wahr anerkennen und vielmehr \so{in allen den semiosphärischen Abglanz übergöttlicher Göttlichheit (als Nicht-Gottheit) erblicken} (vgl. \emph{z.B.} auch Lessings berühmt gewordene Ringparabel). Denn diese Haltung wäre -- innerlich wie äußerlich betrachtet -- nicht nur völlig richtig, gesund und der eigentlichen Wahrheit vollends zugewandt, sondern würde auch noch gewiss zu keiner weiteren Verschlimmerung der gegenwärtigen, stark divergierenden Vorstellungen und den daraus resultierenden, bereits sehr großen Spannungen zwischen ihren jeweiligen Trägern führen (so darf auch \emph{z.B.} die ganze Erschießerei unter Philosophen, vornehmlich verbreitet unter gänzlich verzweifelten Studenten dieses Faches, ihr überfälliges und zugleich freudiges Ende finden)!} -- Das wohl Merk-}\linebreak \par \vspace{-13pt} \setlength{\baselineskip}{0.96\baselineskip}{ würdigste an dieser Aussage ist jedoch nicht, dass alle Religionen im Logischen weder beweisbar noch widerlegbar sind und bleiben, sondern dass dies selbst noch für alle Atheismen gelten soll! Ja, dass die atheistische Fundamental-Idee der Nichtexistenz jeglicher Göttlichkeit an sich sogar vollkommen falsch \so{ist} (wie sie doch \so{gleichzeitig} vollkommen richtig \so{ist)!} Diese Ungeheuerlichkeit gründet sich aber nicht darin, Gott auf eine bestimmte Art und Weise (richtig oder falsch) zu denken oder eben nicht zu denken (was aber dennoch ein Gott ausschließendes, d.h. \so{vergleichendes Denken} voraussetzt $\to$ CP 1.303; 1.318), sondern vielmehr in der Angewohnheit, Gott und Göttlichkeit \so{überhaupt zu denken} (oder bloß als Nicht-Gott zu denken), denn \so{„alles was man von Gott denken kann, das ist Gott ganz und gar nicht``} (Eckhart: 207)! \clearpage \setlength{\baselineskip}{0.935\baselineskip}{ Um hier nun aber dennoch in den wichtigen Fragen voranzukommen, was also das Göttliche (das Absolute) überhaupt sei, auch was dieses mit reiner Sinnlichkeit (\emph{hier}: Sichtbarkeit) zu schaffen habe und weshalb es sich in letzterer gar vollends zu offenbaren vermöge (bzw. was das Göttliche überhaupt im Menschen verloren habe), und wie sich dies alles gar noch auf die letzte, große Vernunftsidee Immanuel Kants, nämlich die\linebreak der \mbox{\so{\,Unsterblichkeit der Seele,}} \qq zufriedenstellend\linebreak anwenden ließe, ist die Aufmerksamkeit noch auf das Folgende zu richten: denn wenn uns an dieser Stelle bereits die gesamte\linebreak abbildhafte (d.h. pseudo-sinnliche) Wirklichkeit als eine poten-{\linebreak}\mbox{z{\hspace{+0.32pt}}i{\hspace{+0.32pt}}e{\hspace{+0.32pt}}l{\hspace{+0.32pt}}l{\hspace{+0.32pt}}e{\hspace{+0.32pt}} P{\hspace{+0.32pt}}r{\hspace{+0.32pt}}o{\hspace{+0.32pt}}j{\hspace{+0.32pt}}e{\hspace{+0.32pt}}k{\hspace{+0.32pt}}t{\hspace{+0.32pt}}i{\hspace{+0.32pt}}o{\hspace{+0.32pt}}n{\hspace{+0.32pt}}s{\hspace{+0.32pt}}f{\hspace{+0.32pt}}l{\hspace{+0.32pt}}ä{\hspace{+0.32pt}}c{\hspace{+0.32pt}}h{\hspace{+0.32pt}}e{\hspace{+0.32pt}} d{\hspace{+0.32pt}}e{\hspace{+0.32pt}}s{\hspace{+0.32pt}} G{\hspace{+0.32pt}}ö{\hspace{+0.32pt}}t{\hspace{+0.32pt}}t{\hspace{+0.32pt}}l{\hspace{+0.32pt}}i{\hspace{+0.32pt}}c{\hspace{+0.32pt}}h{\hspace{+0.32pt}}e{\hspace{+0.32pt}}n{\hspace{+0.32pt}} e{\hspace{+0.32pt}}r{\hspace{+0.32pt}}s{\hspace{+0.32pt}}c{\hspace{+0.32pt}}h{\hspace{+0.32pt}}e{\hspace{+0.32pt}}i{\hspace{+0.32pt}}n{\hspace{+0.32pt}}e{\hspace{+0.32pt}}n{\hspace{+0.32pt}} m{\hspace{+0.32pt}}a{\hspace{+0.32pt}}g{\hspace{+0.32pt}} ({\hspace{+0.32pt}}a{\hspace{+0.32pt}}u{\hspace{+0.32pt}}f} der sich polytheistische, monotheistische, agnostische Gottesvorstellungen oder bloß atheistische Nicht-Vorstellungen des Göttlichen abwechselnd verkörpern können), so mag man hier bereits erkennen, dass es zugleich noch einer echt-sinnlichen und ebenso praktischen Metaphysik, ja Mystik bedürfte, um hinter all diese göttlichen Verkörperungen (Perzepte bzw. Zeichen; vgl. auch Kap. 1.2.2.1f.) zurückzutreten, um paradoxerweise das \mbox{Göttliche} \mbox{an sich} (nach Eckhart: \mbox{\so{\,das Übergöttliche)}} selbst quasi-erfahren zu können:} \par \vspace{+12pt} \begin{rightquote}\scalefont{0.85}„Man liest im Evangelium, als unser Herr {[}\emph{d.i. Gottheit bzw. Erstheit als Trinität bzw. Drittheit gedacht}{]} zwölf Jahre alt war, da ging er mit Maria und Joseph nach Jerusalem in den Tempel, und als sie von dannen gingen, da blieb Jesus im Tempel {[}\emph{d.h. im ›unentdeckten Land‹}{]}, ohne dass sie es wussten, und als sie nach Hause {[}\emph{d.h. ins Wahrnehmungsuniversum}{]} kamen und ihn vermissten, suchten sie ihn unter den Bekannten und Unbekannten und unter den Verwandten und in der Menge {[}\emph{d.h. in allen Erscheinungen}{]} und fanden ihn nirgends, sie hatten ihn in der Menge verloren und mussten daher wieder hingehen, von wo sie gekommen waren, und als sie wieder \so{an den Anfang} kamen, in den Tempel, da fanden sie ihn. -- So ist es in Wahrheit: willst du diese edle Geburt {[}\emph{des Göttlichen im Menschen}{]} finden, so musst du alle Menge {[}\emph{d.h. alle Erscheinungen}{]} verlassen und musst zum Anfang zurückkehren und \so{in den Urgrund, von dem du ausgegangen bist.``} \par \vspace{+12pt} „Wenn ich in Paris predige, so sage ich und darf es wohl sagen:\linebreak alle hier in Paris können mit all ihrer Wissenschaft nicht begreifen, was Gott in der geringsten Kreatur, auch nur in einer Mücke, ist. Aber ich sage jetzt: die ganze Welt {[}\emph{d.h. alle semiosphärischen Wissenschaften zusammengenommen betrachtet}{]} kann es nicht begreifen.\linebreak \so{Alles was man von Gott denken kann, das ist Gott ganz und gar nicht. Was Gott an sich selbst ist, dazu kann niemand kommen, der nicht in ein {[}\emph{echt-sinnliches}{]} Licht entrückt wird, das Gott selbst ist.``} \par \vspace{+12pt} „Ihr sollt wissen, wer sich damit genügen lässt, mit dem, was man in Worte {[}\emph{allgemein: Perzepte/Zeichen}{]} fassen kann: \so{Gott ist ein Wort {[}\emph{Repräsentamen}{]},} Himmelreich ist ein Wort; wer nicht weiter kommen will mit den Kräften der Seele, mit Erkenntnis und mit Liebe {[}\emph{Spiel}{]}, als je in Worte gefasst ward, der soll mit Fug ein \so{Ungläubiger} heißen {[}\emph{denn nicht das Repräsentamen, sondern das Objekt bzw. das Nicht-Objekt ›Gottes‹ muss sein Ziel sein}{]}.`` (Eckhart: 33; 207f; 161) \end{rightquote} \par \vspace{+12pt} \setlength{\baselineskip}{0.935\baselineskip}{ Wenn man zudem annimmt, dass \so{der Mensch, und überhaupt jedes Lebewesen, doch mehr ist als ein bloßes Zeichen seines eigenen Geistes} ($\to$ CP 5.314) und zugleich noch die berühmte Projektionsthese Ludwig Feuerbachs (dass nämlich das Wesen des Absoluten, des Göttlichen bloß das Wesen des Menschen selbst sei) ins Religiös-positive wendet (dass nämlich vielmehr dem Leben an sich, den Menschen eingeschlossen, ein \so{tatsächlich} ›göttlicher Funke‹ innewohnt, als die revolutionärste Wirkung und Überformung jener kosmischen Evolution {[}S. XIIIf.{]}, und sich der Mensch mit der Vorstellung des Absoluten bzw. Göttlichen bloß eine gegenübertretbare Gestalt seines lebendigen, übergöttlichen Funkens verschaffen wollte, weil ihm dieser für immer ein unbegreifbarer bleiben wird), so kann man insgesamt zu dem Schluss gelangen, dass zwischen der\linebreak \so{Gesamtwirkung} reiner Sinnlichkeit (\emph{hier:} Sichtbarkeit) und der Unbegreifbarkeit des Göttlichen (Gott; Götter; Vielleicht-Gott; Nicht-Gott) nicht nur eine \so{Verbindung,} sondern gar \so{Identität} (\emph{hier:} in visueller Weise) besteht:} \par \vspace{+12pt} \begin{rightquote}\scalefont{0.85}„Indem\,\,\,\, {\hspace{-2pt}}\mbox{z{\hspace{+3.41pt}}w{\hspace{+3.41pt}}i{\hspace{+3.41pt}}s{\hspace{+3.41pt}}c{\hspace{+3.41pt}}h{\hspace{+3.41pt}}e{\hspace{+3.41pt}}n{\hspace{+3.41pt}}\,\,\, M{\hspace{+3.41pt}}e{\hspace{+3.41pt}}n{\hspace{+3.41pt}}s{\hspace{+3.41pt}}c{\hspace{+3.41pt}}h{\hspace{+3.41pt}}\,\,\, u{\hspace{+3.41pt}}n{\hspace{+3.41pt}}d{\hspace{+3.41pt}}\,\,\, G{\hspace{+3.41pt}}o{\hspace{+3.41pt}}t{\hspace{+3.41pt}}t{\hspace{+3.41pt}}\,\,\, k{\hspace{+3.41pt}}e{\hspace{+3.41pt}}i{\hspace{+3.41pt}}n}\linebreak \so{Unterschied war, bevor Gott die Kreaturen}\linebreak \so{{[}\emph{{\qq}Erscheinungen{\qq}}{]} erschuf,} {[}...{]} so finde ich keine andere Tugend {[}\emph{Methode}{]}, mit der der Mensch sich auf dem nächsten Wege zu Gott verfügen könnte, als \so{reine Abgeschiedenheit, die aller Kreaturen {[}\emph{{{\hspace{+0.1pt}}}Erscheinungen{\qq}}{]} entledigt ist.} {[}...{]} \so{Diese unbewegliche {[}\emph{unverzeichnete{\qq}}{]}}\linebreak \so{Abgeschiedenheit bringt den Menschen in die größte Gleichheit mit Gott.``} (Eckhart: 165, 169;\linebreak $\to$ \emph{formales Sehen}). \end{rightquote} Jedes Ganzheitserleben reiner Sinnlichkeit (gleichgültig welcher\linebreak \par \vspace{-9.7pt} Art) bildet somit immer auch (neben der Bildsemantik Nr. I) die große, ja \so{einzigartige Möglichkeit übergöttlicher Menschseinserfahrung, welche zudem noch das Potenzial besitzt, diese verborgene, unentdeckte Göttlichkeit, ja Übergöttlichkeit des Lebens selbst in die inneren und äußeren Kräfte desselben leiten und einen solchen Menschen zeitlebens in dieser, seiner göttlichen Einung leuchten und wirken zu lassen;} denn dies ist in Wahrheit das Bedeutsamste, was den Menschen von allen anderen bekannten Lebewesen unterscheidet: er allein besitzt nämlich \so{die Fähigkeiten und auch die potenzielle Willenskraft,} dieses innerste Fünklein des übergöttlichen Feuers des Lebens \so{im freien Spiel seiner Kräfte} bis in sein Äußerstes zu tragen und hieran all sein Wesen und seine Kräfte zu entzünden und sich selbst in eine neue, wahrhaft \so{übergöttliche Existenz (Funktion)} zu überführen. \par \vspace{+18pt} \begin{rightquote}\scalefont{0.85}So „spricht unser Herr zu einer jeglichen \emph{spielenden} Seele: \so{›Ich bin}\vspace{+2pt}\linebreak\vspace{+2pt}\so{euch Mensch gewesen; wenn ihr mir nicht Götter seid, so tut ihr mir unrecht.‹``} \end{rightquote} \par \vspace{+18pt} \begin{rightquote}\scalefont{0.85}\vspace{+2pt}„Lieber Sohn Timotheus, du sollst \so{mit unbekümmerten}\linebreak\vspace{+2pt}\so{Sinnen} dich {[}\emph{durch Sinnesprodukt-Komposition}{]} über dich selbst hinausschwingen und über alle deine Kräfte, deren Weisen und deren\vspace{+2pt}\linebreak\vspace{+2pt}Wesen \so{in die verborgene stille Finsternis {[}\emph{d.h.}}\linebreak\vspace{+2pt}\so{\emph{Nichtgestaltetheit bzw. Nicht-Perzeption}{]},} auf\vspace{+1pt}\linebreak\vspace{+2pt}dass du zu einer \so{Erkenntnis des unbekannten über-}\linebreak\vspace{+2pt}\so{göttlichen Gottes} kommest. Es muss ein Wegsehen von allen\linebreak Dingen sein. Gott verschmäht es in {[}\emph{Ab}{]}Bildern {[}\emph{d.s. Erscheinungen}\linebreak\par\vspace{-7.4pt}\emph{bzw. Zeichen}{]} zu wirken.`` (Eckhart: 80; 20)\vspace{+2pt} \end{rightquote} \par \clearpage \end{document}